Archäologen graben in Borgsum
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 12. Mai 2026
Spurensuche unter Föhr: Archäologen entdecken Relikte aus der Römerzeit in Borgsum.
Mitten auf der Insel Föhr wurde vor wenigen Wochen tief in die Vergangenheit geblickt. In Borgsum liefen archäologische Ausgrabungen des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein (ALSH). Direkt an der Grabungsstelle durften unsere Reporter Cecilia und Stefan einen exklusiven Blick hinter die Kulissen werfen und mit Archäologin Katharina Henke sprechen. Für unser Team war das ein ganz besonderes Thema, denn solche Einblicke in die Geschichte der Insel gibt es nicht alle Tage.

Jahrhunderte alte Spuren unter dem Neubaugebiet
Der Anlass der Ausgrabung ist die geplante Erweiterung eines Neubaugebietes in Borgsum. Bevor dort gebaut werden darf, muss geprüft werden, welche historischen Relikte sich noch im Boden befinden. Und genau dabei wurden jetzt spannende Funde entdeckt. „Wir haben hier Relikte aus der römischen Kaiserzeit gefunden“, erklärt Archäologin Katharina Henke vom ALSH. Konkret gehe es vermutlich um ein bis zwei Hofstellen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Gefunden wurden unter anderem sogenannte Pfostenstandspuren – also Überreste ehemaliger Haus- oder Zaunpfosten –, aber auch Kochsteingruben und Reste alter Feuerstellen zur Zubereitung von Nahrung. Was heute wie einfache Verfärbungen oder kleine Löcher im Boden aussieht, erzählt für Archäologen eine ganze Geschichte. Jeder Befund wird sorgfältig angeschnitten, dokumentiert, fotografiert und vermessen. „Das ist im Grunde Detektivarbeit in der Vergangenheit“, beschreibt Henke ihre Arbeit.

Föhr steckt voller Geschichte
Besonders faszinierend: Laut der Archäologin ist praktisch die gesamte Insel archäologisch interessant. „Die ganze Insel ist voll“, sagt Katharina Henke lachend. Schließlich sei Föhr früher einmal Festland gewesen. Von steinzeitlichen Hünenbetten bis hin zur Lembecksburg aus dem frühen Mittelalter finden sich überall Spuren vergangener Besiedlungen. Die aktuellen Funde in Borgsum liegen zeitlich genau zwischen diesen Epochen. Für die Wissenschaft liefern solche Grabungen wichtige Erkenntnisse darüber, wie Menschen früher auf der Insel gelebt haben.
Und obwohl bislang noch kein absolut spektakulärer Sensationsfund entdeckt wurde, gab es dennoch bereits besondere Momente. Besonders begeistert zeigte sich Henke von einer verzierten Keramikscherbe mit einer Art Blumenmuster. „Nichts Besonderes, aber einfach wunderschön“, erzählt sie mit sichtbarer Freude.

Arbeiten zwischen Schaufel, Sonne und Nordseewetter
Ein typischer Arbeitstag auf der Grabung beginnt früh. Werkzeuge werden ausgepackt, Schaufeln verteilt und anschließend die einzelnen Befunde untersucht. Dabei spielt auch das Wetter eine große Rolle. „Das Schwierigste ist immer das Wetter“, sagt Henke. Solange die Sonne scheint oder es zumindest trocken bleibt, seien die Bedingungen aber gut.
Gerade die Insellage macht die Arbeit für die Archäologen dennoch besonders. Nicht nur wegen der Landschaft, sondern auch wegen der Menschen. „Die Leute hier sind unglaublich freundlich und zuvorkommend“, erzählt die Wissenschaftlerin. Auch der Boden auf Föhr sei angenehm zu bearbeiten – ein echter Vorteil bei Ausgrabungen.
Was passiert mit den Funden?
Alle entdeckten Objekte werden nach der Bergung zunächst gereinigt und katalogisiert. Besonders interessante oder schöne Stücke werden zusätzlich fotografiert und dokumentiert. Anschließend wandern die Funde ins Magazin des Schlosses Gottorf, wo sie archiviert und für spätere Forschungen aufbewahrt werden.
Und die Hoffnung auf weitere spannende Entdeckungen bleibt groß. Für die Zukunft würde sich Katharina Henke vor allem noch mehr Wikingerfunde wünschen – vielleicht sogar Hinweise rund um die Lembecksburg oder weitere Siedlungsspuren auf Föhr.

Leidenschaft für die Vergangenheit
Dass Archäologie für Katharina Henke mehr als nur ein Beruf ist, wurde beim Gespräch schnell deutlich. Schon als Kind suchte sie mit einem Sieb im Bach nach Gold und träumte davon, einmal eine Moorleiche zu entdecken. Heute gräbt sie beruflich in der Vergangenheit – und die Begeisterung ist geblieben. „Man freut sich immer, wenn man etwas findet“, sagt sie zum Abschluss. Genau diese Mischung aus Spannung, Spurensuche und Geschichte macht für sie den besonderen Reiz ihrer Arbeit aus.
Für unsere Reporter Cecilia und Stefan war der Besuch in Borgsum auf jeden Fall eine ganz besondere Zeitreise – und ein spannender Blick darauf, was sich unter Föhrs Oberfläche alles verbirgt.
Fotos: Stefan Gaul
