Island Future Award auf Föhr
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 8. Mai 2026
Digitalisierung made on the islands: Helgoländer gewinnt ersten „Island Future Award“ auf Föhr.
Im Museum Kunst der Westküste auf Föhr drehte sich jetzt alles um die digitale Zukunft der Inseln. Beim ersten „Island Future Award“ des Amtes Föhr-Amrum kamen Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Digitalisierung zusammen, um innovative Projekte und moderne Verwaltungsansätze vorzustellen. Mit dabei: Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. Gewinner des Wettbewerbs wurde am Ende der 23-jährige Helgoländer Jakob Martens mit seinem außergewöhnlichen Projekt „HelgoTwin“.

Digitalisierung als Zukunftsthema für die Inseln
Vor rund 80 Gästen machte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter deutlich: An Digitalisierung führt künftig kein Weg mehr vorbei – gerade auch in Verwaltungen. „Wir haben nicht nur Fachkräftemangel, wir haben schlicht Menschenmangel“, erklärte der Minister im Gespräch mit Inselradio Föhr. Digitalisierung müsse deshalb helfen, Prozesse einfacher, effizienter und moderner zu gestalten.

Besonders lobte Schrödter dabei die Zusammenarbeit mit dem Amt Föhr-Amrum. Seit 2024 gilt die Inselverwaltung offiziell als digitale Modellverwaltung Schleswig-Holsteins. Gemeinsam mit dem Land sollen hier neue digitale Lösungen getestet und später möglicherweise auch in anderen Regionen eingesetzt werden. „Hier merkt man bei allen Beteiligten, dass sie Lust haben, digitales Amt zu leben“, sagte Schrödter. Das Amt Föhr-Amrum sei ein besonders innovatives Amt und damit ein wichtiger Partner für das Land Schleswig-Holstein.
Auch Amtsdirektor Christian Stemmer hatte zuvor betont, wie wichtig Digitalisierung gerade für Inseln sei. Bereits jetzt würden rund 30 digitale Anwendungen innerhalb der Verwaltung genutzt, bis Ende des Jahres sollen es sogar 50 werden. Digitalisierung sei ein echtes „Invest in die Zukunft“.
Preis für digitale Ideen und moderne Lösungen
Beim „Island Future Award“ wurden verschiedene Projekte rund um Digitalisierung, Infrastruktur und moderne Verwaltungsprozesse vorgestellt. Für Minister Schrödter stand dabei vor allem eines im Mittelpunkt: Menschen zusammenzubringen, die Verantwortung übernehmen und digitale Lösungen entwickeln. „Alle eingereichten Projekte leisten einen wesentlichen Beitrag, die Digitalisierung im Land voranzubringen“, sagte der Minister im Interview. Am Ende konnte es allerdings nur einen Gewinner geben.

HelgoTwin: Die Insel als digitaler Zwilling
Der Sieger kam von der Hochseeinsel Helgoland. Jakob Martens überzeugte die Jury mit seinem Projekt „HelgoTwin“ – einem fotorealistischen digitalen Zwilling der gesamten Insel. Der 23-Jährige hat Helgoland mithilfe modernster Drohnentechnik, LiDAR-Scans und 3D-Technologien digital nachgebaut. Im Gespräch mit Inselradio Föhr erklärte Martens, dass der „HelgoTwin“ weit mehr sei als nur eine schöne Visualisierung. „Wenn es draußen regnet, dann regnet es auch im HelgoTwin. Wenn Schiffe fahren, sieht man die dort live“, erzählt der junge Unternehmer. Besonders spannend sei das System für Planungen auf der Insel. Neue Gebäude, Hafenanlagen oder Infrastrukturmaßnahmen könnten realistisch dargestellt und besser nachvollzogen werden.

Entstanden sei die Idee aus seiner bisherigen Arbeit mit Architektur-Visualisierungen. Klassische Renderings hätten ihn irgendwann nicht mehr überzeugt. „Am Ende kennt man das oft: Irgendwas wird geplant und später sieht es dann doch anders aus“, sagt Martens. Genau das wolle er mit seinem System vermeiden.
Inselkind mit großer Vision
Jakob Martens ist gebürtiger Helgoländer, studierte „Digital Business“ in Potsdam und arbeitete bereits mit Unternehmen wie Siemens oder RWE zusammen. Trotzdem zog es ihn wieder zurück auf seine Heimatinsel. „Meine Kunden sitzen sowieso überall in Deutschland. Dann macht es keinen Unterschied, ob ich auf Helgoland oder in Berlin arbeite“, sagt er lachend. Auf Helgoland schätze er vor allem die frische Luft, das Meer und den Wassersport. Und der junge Unternehmer denkt längst weiter: Denkbar seien künftig auch digitale Zwillinge anderer Inseln. „Vielleicht irgendwann ein Föhr-Twin, Amrum-Twin oder Sylt-Twin“, erzählt Martens im Interview.

Inseln als digitale Vorreiter
Für Schleswig-Holstein könnten gerade Inseln künftig eine besondere Rolle spielen. Durch ihre speziellen Herausforderungen seien sie ideale Orte, um neue digitale Lösungen zu testen – etwa in Verwaltung, Infrastruktur oder Klimaanpassung. Minister Schrödter betonte außerdem, dass Schleswig-Holstein bundesweit bereits zu den Vorreitern gehöre. Viele Verwaltungsleistungen seien inzwischen digital möglich – von der Wohnsitzummeldung bis zum Grundsteuerantrag. Allerdings würden viele Menschen diese Angebote noch gar nicht kennen. „Wir müssen mehr darüber reden, was wir alles schon können“, so der Minister.
Preisverleihung endet früher als geplant
Eine kleine Besonderheit gab es am Ende allerdings noch: Die Preisverleihung musste deutlich früher beendet werden als geplant. Grund war ausgerechnet das Niedrigwasser. Die Fähre für die Festlandgäste musste kurzfristig eher ablegen. Für die komplette Veranstaltung blieben dadurch gerade einmal rund 40 Minuten.
Fotos: Stefan Gaul
