Glücksbringer mit Herz
Veröffentlicht von Pit am 1. Januar 2026
Jahreswechsel auf Föhr: Glücksbringer mit Herz – warum Schornsteinfeger an Silvester Spenden sammeln
Schwarze Jacken, gute Laune und ein kleiner Rußfleck als Glücksbringer: Am Silvestertag gehören die Schornsteinfeger auf Föhr fest zum Bild am Sandwall in Wyk. Doch hinter der fröhlichen Tradition steckt weit mehr als ein Aberglaube – es ist gelebtes Engagement für einen guten Zweck.

Zum Jahreswechsel machten sich erneut über 20 Schornsteinfeger gemeinsam mit gut gelaunten Schornsteinfegerkindern und zehn Musikern der Flensburger Rhythmusformation Policia do Samba auf den Weg nach Föhr. Schon bei der Ankunft war die besondere Stimmung spürbar. Mit Trommeln, Bläsern und viel Schwung zog die Gruppe anschließend über die Wyker Promenade, wo zahlreiche Einheimische und Gäste warteten. Entlang der Strandpromenade verteilten die Glücksbringer gute Laune – und sammelten Spenden für den guten Zweck. „Es herrschte eine großartige Atmosphäre“, fasst Matthias Rugullis den Tag zusammen.
Unsere Redaktion hat mit Aschi und seinem Auszubildenden Bruno Wilhelmi gesprochen – über ihren Beruf, die besondere Stimmung an Silvester und darüber, warum das Sammeln von Spenden für sie eine echte Herzensangelegenheit ist.
Spendenaktion mit langer Tradition
Die Schornsteinfeger auf Föhr und Amrum betreuen gemeinsam rund 2.400 Haushalte. Einmal im Jahr treten sie jedoch nicht als Handwerker, sondern als Glücksbringer und Spendensammler in Erscheinung. Bereits seit mehr als 15 Jahren sammeln sie am Silvestertag in Wyk Spenden für das Wilhelminen-Hospiz. Seit 2009 beteiligen sich zudem Kolleginnen und Kollegen aus ganz Nordfriesland an der Aktion. Viele reisen eigens vom Festland an, um gemeinsam mit den Föhrer und Amrumer Schornsteinfegern am Sandwall für den guten Zweck unterwegs zu sein. Über die Jahre ist dabei eine beeindruckende Summe zusammengekommen: mehr als 100.000 Euro konnten bereits an das Hospiz übergeben werden.

Ein kleiner Rußfleck für großes Glück
Wer an Silvester einen kleinen Obolus in die Spendendose wirft, bekommt im Gegenzug einen symbolischen Glücks-Vorschuss fürs neue Jahr: einen Rußfleck auf der Nase oder einen schwarzen Strich auf der Wange. Die Begegnungen sind herzlich, oft begleitet von einem Lachen und kurzen Gesprächen – und sie sorgen jedes Jahr für viele schwarze Nasen in der Wyker Fußgängerzone. Für die Schornsteinfeger ist genau das der Kern der Aktion: Menschen ein Lächeln schenken und gleichzeitig auf eine wichtige Einrichtung aufmerksam machen, die auf Unterstützung angewiesen ist.
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Für einen besonderen Moment sorgte zudem eine außergewöhnliche Aktion: Gegen eine gesammelte Spendensumme von 150 Euro erklärte sich ein Schornsteinfeger bereit, zum Jahreswechsel in die eiskalten Fluten der Nordsee zu springen. Der spontane Sprung ins kalte Wasser wurde von vielen Schaulustigen begleitet und sorgte nicht nur für staunende Gesichter, sondern auch für zusätzliche Spendenbereitschaft. Eine mutige Geste, die den solidarischen und humorvollen Charakter des Silvesterbrauchs auf Föhr eindrucksvoll unterstrich.
Auch die diesjährige Sammelaktion kann sich sehen lassen: Am Silvestertag kamen insgesamt mehr als 22.000 Euro zusammen. Die hohe Spendensumme verdeutlicht eindrucksvoll die Hilfsbereitschaft auf der Insel und unter den Gästen und zeigt, welchen besonderen Stellenwert diese Aktion inzwischen auf Föhr genießt. Die Einnahmen fließen erneut in soziale Projekte und setzen zum Jahresbeginn ein deutliches Zeichen für Zusammenhalt und Solidarität.
Fotos: Stefan Gaul (Archiv)
