Ein Klassiker spricht jetzt Friesisch
Veröffentlicht von Pit am 19. Februar 2026
„Der Regenbogenfisch“ erscheint auf Fering und Sölring – Kinderbuchklassiker bekommt nordfriesische Stimme.
Ein Bilderbuch, das weltweit Generationen begleitet hat, bekommt jetzt eine ganz besondere Stimme – eine nordfriesische. „Der Regenbogenfisch“ erscheint erstmals auf Föhrer Friesisch (Fering) und Sylter Friesisch (Sölring). Möglich gemacht hat das die Ferring Stiftung in Alkersum.

Unsere Redaktion hat mit dem Stiftungsvorsitzenden Robert Kleih über die Idee, die Umsetzung – und die Bedeutung friesischer Kinderliteratur gesprochen.
Von der Idee zur Umsetzung: Warum ausgerechnet der Regenbogenfisch?
Die Entstehungsgeschichte ist – typisch für viele kulturelle Projekte – ein Stück weit dem Zufall geschuldet. Eine Mitarbeiterin der Stiftung schlug vor, den weltbekannten Kinderbuchklassiker übersetzen zu lassen. Der Kontakt zum Verlag wurde aufgenommen – mit Erfolg. Der Schweizer NordSüd Verlag, der das Original herausgibt, reagierte positiv auf die Anfrage aus Nordfriesland. Schnell war klar: Das Projekt ist machbar – also wurde es angegangen.
Für Robert Kleih steht fest: Die besondere Kraft des Buches liegt nicht nur in seiner Geschichte über Freundschaft und Gemeinschaft, sondern auch in den unverwechselbaren Illustrationen mit ihren schimmernden Farben. Gerade diese Kombination aus Bildsprache und Botschaft mache das Werk zeitlos.
Mehr als nur Übersetzung – Literatur in der Muttersprache
Ein Bilderbuch einfach Wort für Wort zu übertragen, reicht nicht aus. Die Übersetzung musste literarisch klingen, natürlich wirken und zur jeweiligen friesischen Sprachmelodie passen.
Die Fering-Version entstand im Team mit Muttersprachlerinnen wie Christina Clausen, Mareike Böhmer und Uta Marienfeld. Für die Sölring-Fassung zeichnete Franziska Böhmer verantwortlich. Jede Textfassung wurde im Kollegenkreis mehrfach gegengelesen, diskutiert und sprachlich feinjustiert.
Ein besonderes Detail verleiht der friesischen Ausgabe zusätzlichen Charme: Die Hörfassung wurde von der zwölfjährigen Föhrer Schülerin Theresa Marienfeld eingesprochen. Ihre Stimme führt Kinder nun durch die Geschichte des kleinen Fisches – inklusive eines kleinen „Blubberns“ zu Beginn, das der digitalen Lesung eine spielerische Note verleiht.
Auch die Sylter Version wurde eingesprochen – von Franziska Böhmer selbst. Gerade dieser generationenübergreifende Ansatz unterstreicht den Charakter des Projekts: Eine junge Stimme trägt eine alte Geschichte in einer regionalen Sprache weiter.
QR-Code bringt Friesisch direkt ins Kinderzimmer
Ein QR-Code im Buch ermöglicht es, die Geschichte direkt über das Smartphone abzurufen. Damit verbindet die Ferring Stiftung klassisches Bilderbuch mit moderner Technik – ein wichtiger Schritt, um die friesische Sprache auch digital erlebbar zu machen.
Gerade im Bereich Hörmedien ist das friesische Angebot bislang sehr begrenzt. Die Kombination aus gedrucktem Buch und Hörfassung schafft hier einen niedrigschwelligen Zugang – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, die sich vielleicht unsicher fühlen, wenn sie selbst vorlesen sollen.
Warum friesische Kinderbücher so wichtig sind
Kinderliteratur ist weit mehr als Unterhaltung. Sie ist Sprachvermittlung, Identitätsstärkung und emotionaler Zugang zur eigenen Kultur. Gerade in einer Region, in der Friesisch zwar gesprochen, aber im Alltag oft vom Hochdeutschen überlagert wird, sind solche Bücher ein starkes Signal. Sie zeigen: Diese Sprache gehört nicht nur ins Gespräch zwischen Großeltern und Enkeln – sie gehört auch in Bücherregale, Kindergärten und Wohnzimmer.
Selbst Eltern, die sich im Friesischen unsicher fühlen, können durch das Vorlesen einen Zugang schaffen. Sprache wird so nicht belehrend vermittelt, sondern ganz selbstverständlich erlebt.
Kulturarbeit ohne wirtschaftlichen Gewinn
Wirtschaftlich lohnt sich ein solches Projekt kaum. Lizenzrechte, Übersetzungen, Druck, Hörproduktion und Logistik verursachen hohe Kosten. Die Bücher wurden in Hongkong gedruckt und über Hamburg nach Föhr verschifft – allein dieser Weg zeigt, wie komplex die Produktion ist.
Gewinn wird damit nicht erzielt. Genau hier kommt die Rolle der Ferring Stiftung ins Spiel: Sie ermöglicht Projekte, die kulturell wichtig sind – auch wenn sie ökonomisch nicht rentabel sind. Robert Kleih betont, dass gerade im Bereich friesischer Kinderliteratur noch viel Infrastruktur fehlt. Deshalb sei es umso wichtiger, solche Initiativen zu unterstützen und langfristig auszubauen.
Präsentation in der Stadtbücherei Wyk

Vorgestellt wird das Buch am Freitag, 20. Februar, um 14:30 Uhr in der Stadtbücherei Wyk. Der Eintritt ist frei. Neben der Lesung auf Friesisch und Deutsch wird es kreative Mitmachaktionen für Kinder geben.
Die Kombination aus Vorlesen und Malaktion soll das Buch nicht nur als Lesestoff, sondern als Erlebnis präsentieren. Schließlich lebt Kinderliteratur vom Mitmachen, Mitdenken und Mitfühlen.
Das Buch kostet 15 Euro und ist bei der Ferring Stiftung sowie im Inselbuchhandel erhältlich.
Ein starkes Signal für die friesische Sprache
Mit der Veröffentlichung des Regenbogenfisches auf Fering und Sölring wird ein deutliches Zeichen gesetzt: Friesisch ist keine Sprache der Vergangenheit, sondern Teil einer lebendigen Gegenwart.
Und vielleicht wächst gerade mit diesem Buch eine neue Generation heran, für die es ganz selbstverständlich ist, dass ihre Geschichten auch in ihrer eigenen Sprache erzählt werden.
