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Paukenschlag beim Aquaföhr

Veröffentlicht von am 28. April 2026

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Neubau endgültig vom Tisch – Stadt Wyk zieht die Reißleine beim Aquaföhr.

Beitragsaktualisierung: 28.04.2026

Der geplante Neubau des Aquaföhr ist endgültig gescheitert. Statt eines modernen Millionenprojekts in der Lüttmarsch steuert auf Föhr jetzt alles auf die Sanierung des bestehenden Hallenbades zu – eine Entscheidung, die die Insel nachhaltig verändern wird. 

Unsere Redaktion war bei der Pressekonferenz der Stadt Wyk im Sitzungssaal des Amt Föhr-Amrum vor Ort – und schnell wurde klar: Diese Entscheidung ist niemandem leicht gefallen. Die Stimmung angespannt, die Gesichter ernst. Es ist das Ende eines Projekts, das über Jahre geplant, diskutiert und vorangetrieben wurde – und jetzt an der Realität scheitert.

Kostenexplosion und unkalkulierbare Risiken.

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Der zentrale Grund für das Aus: Geld – und vor allem das Risiko dahinter. Ursprünglich war das Projekt mit rund 70 Millionen Euro kalkuliert worden. Doch die Kosten liefen aus dem Ruder. Zuletzt lag die Summe bei etwa 95 Millionen Euro brutto – inklusive des notwendigen Regenrückhaltebeckens in der Lüttmarsch. 

Beitrag O-Ton Klaus Pott zum Aquaföhr

Und selbst diese Summe war nicht das eigentliche Problem. Viel gravierender war die Unsicherheit, die darüber hinaus bestand. Bürgermeister Uli Hess machte das unmissverständlich klar: „Das tatsächliche Risiko hätte die Stadt zu tragen gehabt.“ Die verbliebene Bietergemeinschaft war nicht bereit, einen verbindlichen Maximalpreis festzuschreiben. Damit hätte die Stadt sämtliche Kostensteigerungen übernehmen müssen – in Zeiten globaler Krisen, schwankender Materialpreise und unkalkulierbarer Bauverläufe. Hess bringt es auf den Punkt: „Ein nicht kalkulierbares Risiko können wir unseren Bürgerinnen und Bürgern nicht zumuten.“ Oder noch deutlicher formuliert: „Das Aquaföhr darf nicht die nächste Elbphilharmonie oder der nächste Berliner Flughafen werden.“

„Ein Kampf um jede Schraube“

Dabei wurde im Vorfeld bereits massiv abgespeckt. Meerwasserbetrieb gestrichen, Wellenbetrieb gestrichen, Baukörper um ein Drittel reduziert – die Politik ging bis an die Grenze des Machbaren. „Es war ein Kampf um jede Schraube“, beschreibt Hess die Verhandlungen. Am Ende blieb dennoch ein Projekt, das finanziell nicht mehr vertretbar war.

Einstimmiger Beschluss – schwere Entscheidung

Die Konsequenz folgte in der 16. Sitzung der Stadtvertretung am 23. April: Das Vergabeverfahren wurde im nichtöffentlichen Teil einstimmig aufgehoben. Ein selten klares politisches Signal – und gleichzeitig ein Zeichen dafür, wie ernst die Lage ist. Im Gespräch mit unserer Redaktion wurde deutlich, wie sehr diese Entscheidung auch persönlich belastet: „Es fällt mir immer noch schwer, darüber zu reden, weil mich das emotional berührt“, so Uli Hess. Und trotzdem: „Dann lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

Politik zwischen Enttäuschung und Erleichterung

Die Reaktionen aus der Kommunalpolitik sind eindeutig – und gleichzeitig vielschichtig. Volker Stoffel (KG) bringt es auf den Punkt: „Natürlich sind wir enttäuscht, dass das Neubauprojekt beendet wurde. Gleichzeitig aber auch erleichtert, dass jetzt eine Entscheidung gefallen ist.“ Denn die Alternative wäre drastisch gewesen: „Die enormen Kosten hätten den Haushalt der Stadt über Jahre belastet. Das hätte zur Folge gehabt, Steuern und Gebühren bis zum Höchstsatz zu erhöhen.“

Auch die FDP trägt die Entscheidung klar mit. Klaus Pott spricht von einer historischen Entscheidung: „Es wäre unverantwortlich, unseren nachkommenden Generationen solch eine Gemeindeverschuldung zu hinterlassen.“ 

Bei der SPD steht die Bedeutung für die Insel im Vordergrund. Peter Schaper betont im O-Ton gegenüber unserer Redaktion: „Es ist wichtig zu sagen, dass wir das nicht nur für Gäste machen, sondern ganz wichtig für die Einheimischen. Kinder müssen schwimmen lernen, wir brauchen Physiotherapie – das sind Dinge, die uns sonst verloren gehen.“ Und gleichzeitig macht er klar: „Wir haben eine Verantwortung unserer Insel und den Zahlen gegenüber. Wir können nicht Geld ausgeben, was uns über Jahrzehnte den Handlungsspielraum einengt.“

Eine Stellungnahme von Till Müller (Grüne) und Thomas Strelow (CDU) liegt trotz Anfrage bislang nicht vor.

Ein Projekt mit langer Vorgeschichte

Dabei war der Neubau lange beschlossene Sache. Bereits 2019 hatte die Stadtvertretung einstimmig grünes Licht gegeben. Das bestehende Aquaföhr – ursprünglich 1971 eröffnet und nach einem Brand 1993 überarbeitet – gilt seit Jahren als sanierungsbedürftig. Eine echte Kernsanierung hat es nie gegeben, die Technik stammt in Teilen noch aus den 70er-Jahren. Geplant war ein moderner Neubau in der Lüttmarsch mit mehreren Baukörpern für Schwimmhalle, Sauna, Spa und Kurmittelbereich. In einer zweiten Phase sollte sogar ein Hotel entstehen. 2025 rollten bereits die Bagger – allerdings zunächst nur für das neue Regenrückhaltebecken. Jetzt steht fest: Das eigentliche Bauprojekt wird nicht realisiert.

Wie geht es jetzt weiter?

Ganz vom Tisch ist das Thema Aquaföhr aber nicht. „Wir halten grundsätzlich an einem Aquaföhr fest“, sagt Uli Hess. Was genau das bedeutet, ist aktuell offen. Klar ist nur: Bis zur nächsten Stadtvertretung im Juni sollen alle Optionen geprüft werden – ohne Denkverbote.

Beitrag O-Ton Uli Hess zum Aquaföhr (1)
Beitrag O-Ton Uli Hess zum Aquaföhr (2)

Eine Sanierung des bestehenden Bades gilt als wahrscheinlichste Lösung. Doch auch die hat es in sich: „Wir müssen mit einer Schließungsphase von mindestens einem Jahr rechnen“, so Peter Schaper.

Arbeitsplätze bleiben erhalten

Beitrag O-Ton Peter Schaper zum Aquaföhr

Eine wichtige Botschaft für die Insel:

Die rund 30 Mitarbeiter des Aquaföhr müssen sich keine Sorgen machen. „Die Arbeitsplätze sind sicher“, betont Bürgermeister Hess. Selbst bei einer Schließung im Zuge einer Sanierung sollen die Beschäftigten gehalten werden.

Was passiert mit der Lüttmarsch-Fläche?

Auch die Zukunft des Baugeländes ist Thema. Das Regenrückhaltebecken – Kosten rund sechs Millionen Euro – war ohnehin notwendig und bleibt bestehen. Und auch der Hotelinvestor ist weiterhin im Spiel: „Der Hotelinvestor hat weiterhin Interesse“, so Hess.

Viele Faktoren haben das Projekt scheitern lassen

Warum das Projekt letztlich nicht umgesetzt werden konnte, hat mehrere Gründe: steigende Baukosten, globale Krisen, Materialpreise, neue Anforderungen beim Hochwasserschutz und langwierige Planungsprozesse. Hess nennt es offen: „2018 wäre das Projekt bei den damaligen Baupreisen noch finanzierbar gewesen.“ Heute ist das nicht mehr der Fall.

Beitrag O-Ton Volker Stoffel zum Aquaföhr

Fazit: Eine Entscheidung mit Signalwirkung

Mit dem Aus für den Neubau endet ein Großprojekt, das die Insel über Jahre beschäftigt hat. Was bleibt, ist eine schwierige, aber aus Sicht der Verantwortlichen notwendige Entscheidung. Oder, wie es Uli Hess zusammenfasst: „Ein Bad um jeden Preis – das darf es nicht geben.“ 

Jetzt beginnt die nächste Phase: Die Suche nach einer Lösung, die finanzierbar ist – und trotzdem den Bedürfnissen der Insel gerecht wird. Eines ist aber jetzt schon klar: Diese Entscheidung war ein Paukenschlag – und der Anfang eines neuen Kapitels für Föhr.

Fotos: Stefan Gaul 

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Deine Meinung
  1. Peter   am   29. April 2026 at 21:12

    Gute und weitsichtige Entscheidungen, auch wenn es schmerzt. Denn die Insulaner dürfen nicht über Gebühr mit Erhöhungen belastet werden. Denn diese Belastungen würden dann auch du Urlauber der Insel treffen.

  2. Uwe   am   29. April 2026 at 18:10

    Tatsächlich mal eine vernünftige Entscheidung. Viel Erfolg bei der Sanierung dieses sehr besonderen Gebäudes, welches die Wasserfront seit den siebziger Jahren mit prägt

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