Kritik an Stadtpolitik
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 27. April 2026
Flugplatz und Aquaföhr unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Heftige Kritik, klare Worte – und viele offene Fragen.
Die Diskussion um die Zukunft des Flugplatzes in Wyk und das Aquaföhr hat bei der 16. Sitzung der Stadtvertretung Wyk auf Föhr für eine emotionale und teils hitzige Stimmung gesorgt. Vor allem die Informationspolitik der Stadt geriet massiv in die Kritik – sowohl aus der Politik selbst als auch aus der Bevölkerung.

Versuch scheitert: Themen bleiben nichtöffentlich
Bereits zu Beginn der Sitzung gab es den Versuch, zumindest das Thema Flugplatz öffentlich zu beraten. Geeske Eisersdorf von der Kommunalen Gemeinschaft (KG) stellte den Antrag, die Grundsatzüberlegungen aus dem nichtöffentlichen Teil in die öffentliche Sitzung zu ziehen. Rund 25 Zuhörer verfolgten die Sitzung – doch der Vorschlag wurde abgelehnt. Bürgermeister Uli Hess: „Ich halte den Zeitpunkt noch nicht für gekommen. Wir befinden uns noch im Schriftverkehr.“

Die anschließende Abstimmung fiel deutlich aus: Die fünf Vertreter der KG stimmten dafür, CDU, SPD, Grüne und FDP dagegen. Aus der CDU gab es zusätzlich eine Enthaltung durch Stefan Wriedt.
Auch der Versuch, das Thema Aquaföhr öffentlich zu behandeln, scheiterte – trotz Verständnis aus Teilen der Politik. Begründung: laufende Verhandlungen, die durch Öffentlichkeit beeinträchtigt werden könnten. Till Müller von den Grünen sagte:
„Ich kann diese Wünsche verstehen. Doch wir sind in beiden Vorgängen in Verhandlungssituationen.“ Durch eine Öffentlichmachung könne sich die Position der Stadt verschlechtern. Peter Schaper von der SPD ergänzte: „Die Bitte an die Bevölkerung ist, einfach Geduld zu haben. Gleichzeitig stellte er klar, dass es keine finale Entscheidung ohne vorherige Befragung der Bevölkerung geben werde.

„Arsch in der Hose“ – klare Worte aus der Bevölkerung
In der Einwohnerfragestunde wurde der Ton deutlich schärfer. Der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Nils Twardziok fand klare Worte: „Geeske Eisersdorf ist die Einzige in der Stadtvertretung, die ‚Arsch in der Hose habe‘.“ Er machte deutlich, dass es richtig sei, die Projekte öffentlich zu diskutieren. Gleichzeitig verwies er auf die Pläne der Investoren: „Die Aviation Group will mit einem siebenstelligen Betrag den Flugplatz wiederbeleben.“ Dazu sollen unter anderem ein Restaurant, der Flugbetrieb und auch eine Tankstelle gehören.
Seine zentrale Frage an die Stadt: „In welche Richtung geht denn hier die Stadt Wyk?“
Stadt bleibt vage – Kritik wächst
Die Antwort von Bürgermeister Uli Hess fiel aus Sicht vieler Zuhörer wenig konkret aus.
Er sprach von einer „sehr ernstzunehmenden Korrespondenz“ zwischen den Beteiligten und betonte, dass die Stadt nicht allein entscheide, sondern gemeinsam mit dem Mitgesellschafter. Und das ist ja bekanntlich die Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.). Gleichzeitig stellte Hess klar: Die Verhandlungen könnten auch über den 30. Juni hinaus verlängert werden.
Dieser Termin ist entscheidend: Sollte es bis dahin keine Einigung geben, könnte die Stadtvertretung für die Herabstufung des Flugplatzes stimmen – inklusive der Schließung der Ost-West-Landebahn 09/27.
Auf Nachfrage von Hans-Jürgen Ruck in der Einwohnerfragestunde wurde das konkretisiert: Kommt es nicht zur Verpachtung, werde genau dieser Beschluss umgesetzt – gleichzeitig betonte Hess aber auch: Der Flugplatz selbst bleibe bestehen.
Streitpunkt Luftrettung sorgt für Widerspruch
Besonders brisant wurde die Diskussion beim Thema Luftrettung. Hess erklärte, der Hubschrauberlandeplatz sei nicht zwingend erforderlich, da Rettungshubschrauber mittlerweile vermehrt direkt am Einsatzort landen würden. Diese Aussage steht jedoch im Widerspruch zu aktuellen Zahlen: Zwischen dem 01.07.2024 und dem 30.11.2025 gab es insgesamt 438 Einsätze, davon 405 direkt am Flugplatz Wyk. Nur ein kleiner Teil entfiel auf Landungen direkt am Einsatzort.

Auch aus dem Publikum kam deutlicher Widerspruch. Diethelm Rappen stellte klar, dass der Flugplatz weiterhin ein zentraler Anflugpunkt sei – insbesondere auch nachts. Und ein Anflug für den Rettungshubschrauber sei auch klar vorgegeben. Die Antwort von Bürgermeister Hess fiel knapp aus: „Wenn jemand in Not ist, wird geholfen.“
Zudem sprach Rappen von „unzumutbaren Zuständen“ auf dem Tower, insbesondere für „Hänsman“, und machte damit auf Probleme im laufenden Betrieb aufmerksam.
Kritik auch beim Jubiläum
Ein weiterer Punkt sorgte für Unverständnis:
In diesem Jahr steht das 100-jährige Jubiläum des Flugplatzes Wyk an. Laut Rappen müsse der Luftsportclub die Veranstaltung aktuell alleine stemmen – ohne Unterstützung der Stadt. Die Reaktion von Bürgermeister Hess: „Das nehmen wir mal so zur Kenntnis.“

Aquaföhr bleibt ebenfalls hinter verschlossenen Türen
Auch das zweite große Thema des Abends – die Zukunft des Aquaföhr – wurde nicht öffentlich behandelt. Begründung hier ebenfalls: laufende Verhandlungen.
Allerdings gibt es einen kleinen Lichtblick:
Für kommenden Dienstag hat die Stadt Wyk eine Pressekonferenz angekündigt. Dann könnte zumindest in diesem Punkt erstmals mehr Transparenz entstehen.
Fazit: Viele Fragen, wenig Antworten
Die Sitzung hat gezeigt, wie groß der Informationsbedarf auf der Insel ist.
Ob Flugplatz oder Aquaföhr – viele Bürger wünschen sich mehr Einblick, mehr Klarheit und mehr Beteiligung. Bürgermeister Uli Hess betonte zwar, dass „nichtöffentlich“ nicht gleich „geheim“ sei und alle Themen irgendwann öffentlich würden. Doch für viele im Saal bleibt die Frage: Warum nicht jetzt?
Fotos: Stefan Gaul u. Benjamin Lehmann
