Nachwuchs für die Insel
Veröffentlicht von Pit am 18. Februar 2026
BOGS auf Föhr: Vier Einrichtungen kämpfen gemeinsam gegen den Fachkräftemangel.
Viele sprechen über den Fachkräftemangel im Gesundheits- und Sozialwesen – auf Föhr wird gehandelt. Mit dem Projekt BOGS – Berufsorientierung Gesundheit und Soziales haben sich mehrere Einrichtungen der Insel zusammengeschlossen, um jungen Menschen echte Einblicke in soziale und medizinische Berufe zu ermöglichen. Statt nur zu klagen, wird hier konkret angepackt.

Mit dabei sind das Haus Schöneberg, das Ambulante Pflegeteam Föhr, das Krankenhaus Wyk und der AWO-Kindergarten. Gemeinsam haben sie ein Jahrespraktikum entwickelt, das Jugendlichen und jungen Erwachsenen Orientierung geben soll – und der Insel langfristig dringend benötigten Nachwuchs.
Vier Einrichtungen – ein gemeinsames Ziel
Das Besondere an BOGS ist die enge Zusammenarbeit der vier Partner. Anders als in klassischen Bewerbungsverfahren geht es hier nicht um Konkurrenz, sondern um Kooperation. Niemand versucht, sich gegenseitig Nachwuchs „abzuwerben“. Stattdessen möchten alle Beteiligten jungen Menschen eine ehrliche, realistische Entscheidungsgrundlage bieten.
Die Teilnehmenden durchlaufen innerhalb eines Jahres alle vier Einrichtungen. Jede Station dauert drei Monate, sodass ausreichend Zeit bleibt, die Abläufe wirklich kennenzulernen, Verantwortung zu übernehmen und nicht nur oberflächlich hineinzuschnuppern.
Wer sich für das Projekt entscheidet, erhält eine monatliche Aufwandsentschädigung von 400 Euro. Die Initiatoren sind sich einig: Wer arbeitet und Verantwortung übernimmt, soll dafür auch eine finanzielle Anerkennung bekommen.
Vom Krankenhaus bis zur ambulanten Pflege – Aarons Erfahrungsjahr
Aaron ist der erste Teilnehmer des Projekts. Der 16-Jährige hat im vergangenen Jahr seinen ESA-Abschluss gemacht und wusste bereits, dass er beruflich mit Menschen arbeiten möchte. Handwerk oder Einzelhandel kamen für ihn nicht infrage, doch im sozialen Bereich gibt es viele Möglichkeiten. BOGS bot ihm die Chance, verschiedene Berufswege kennenzulernen, bevor er sich endgültig festlegt.
Seine erste Station war das Krankenhaus Wyk. Dort konnte er nicht nur auf Station mitarbeiten, sondern durfte sogar im OP hospitieren. Für ihn war das eine intensive Erfahrung, weil er dadurch hautnah erlebte, was Klinikalltag wirklich bedeutet.
Anschließend wechselte er zum Ambulanten Pflegeteam. Dort lernte er die häusliche Versorgung kennen. Besonders beeindruckt hat ihn, wie viel Vertrauen die Menschen den Pflegekräften entgegenbringen, wenn sie ihnen Einblick in ihr privates Umfeld gewähren. Die ambulante Pflege unterscheidet sich deutlich vom Krankenhausbetrieb, weil hier die individuelle Lebenssituation eine viel größere Rolle spielt. Im Rahmen einer Dienstbesprechung stellte Aaron sogar eigenständig einen Klienten vor und erläuterte, in welchen Bereichen Unterstützung benötigt wird. Das positive Feedback aus dem Team bestärkte ihn zusätzlich.
Ausbildung aus Überzeugung: Elisa berichtet aus der Praxis
Elisa befindet sich mitten in ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau. Zuvor hatte sie bereits eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten abgeschlossen, entschied sich jedoch bewusst für eine Weiterqualifizierung in der Pflege.
Sie beschreibt ihren Beruf als vielseitig und anspruchsvoll. Besonders schätzt sie die Möglichkeit, Menschen dabei zu helfen, möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu können. Gerade in der ambulanten Pflege sei kein Tag wie der andere. Jede Situation bringe neue Herausforderungen mit sich, und genau diese Abwechslung mache den Beruf für sie so wertvoll.
Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre. Elisa kann ihre Ausbildungszeit verkürzen, da sie bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringt. Theorie und Praxis wechseln sich ab, sodass neben schulischen Inhalten auch umfangreiche Praxiseinsätze in verschiedenen Bereichen stattfinden.
Nachwuchsförderung als Zukunftsstrategie
Sowohl im Haus Schöneberg als auch beim Ambulanten Pflegeteam wird deutlich, wie wichtig Nachwuchsförderung ist. Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger werden unterstützt, Mitarbeitende erhalten Weiterbildungsmöglichkeiten, und Ausbildungsplätze werden aktiv angeboten.
Gerade auf einer Insel wie Föhr ist es entscheidend, junge Menschen frühzeitig für soziale und medizinische Berufe zu begeistern. Der Fachkräftemangel ist real – doch Projekte wie BOGS zeigen, dass man ihm aktiv begegnen kann.
Ein Projekt mit Perspektive
Ob Aaron sich am Ende für die Pflege, den Klinikbereich oder einen anderen sozialen Beruf entscheidet, steht noch nicht fest. Doch genau darum geht es bei BOGS: Orientierung geben, Möglichkeiten aufzeigen und echte Praxiserfahrungen ermöglichen.
Für Föhr ist dieses Projekt mehr als ein Praktikum. Es ist ein klares Signal: Nachwuchs wird hier nicht dem Zufall überlassen.
