Seniorenbeirat Wyk
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 4. Mai 2026
Was fehlt zum guten Leben auf Föhr? Große Umfrage gestartet – Seniorenbeirat setzt auf eure Stimmen.
Was brauchen ältere Menschen auf Föhr wirklich? Genau das will der Seniorenbeirat der Stadt Wyk jetzt herausfinden – und geht dafür bewusst einen direkten Weg: Statt Vermutungen gibt es eine groß angelegte Umfrage. Rund 1000 Fragebögen sind im Umlauf, um möglichst viele Menschen ab 60 Jahren zu erreichen und ihre Wünsche, Sorgen und Ideen sichtbar zu machen. Unsere Redaktion hat mit Karlheinz Benoit, Martina Krauthoff und Ulrich Harder gesprochen – und schnell wurde klar: Hier geht es nicht um Symbolpolitik, sondern um echte Beteiligung.

„Wir wollen erst mal die fragen, für die wir etwas tun wollen“
Für die drei Mitglieder des neu gewählten Seniorenbeirats war der Einstieg bewusst ein anderer. Statt direkt Projekte anzustoßen, wollten sie zunächst verstehen, wo der tatsächliche Bedarf liegt. „Wenn man aus dem normalen Leben kommt, sitzt man erstmal da und fragt sich: Was machen wir hier eigentlich?“, beschreibt Karlheinz Benoit den Start. Die Antwort folgte schnell: „Wir sollten nicht aufgrund unseres Alters irgendetwas anschieben, sondern erstmal die fragen, für die wir hier etwas tun wollen.“ Daraus entstand die Idee zum Fragebogen – finanziert von der Stadt Wyk und in Teilen in Eigenleistung umgesetzt, inklusive selbstgebauter Sammelboxen.
Alltag, Mobilität und Miteinander im Fokus
Der Fragebogen deckt bewusst viele Lebensbereiche ab, die für ältere Menschen entscheidend sind. Es geht um Ernährung, Mobilität, Versorgung – aber auch um soziale Themen wie Einsamkeit oder gemeinsame Aktivitäten. „Wie komme ich ins Gewerbegebiet, wenn ich ein Paket abholen muss? Wie schaffe ich das mit dem Rollator?“, beschreibt Ulrich Harder ganz praktische Herausforderungen. Gleichzeitig geht es auch um das Miteinander: „Wie finden wir zusammen? Wer kann helfen, dass ich zu einer Veranstaltung komme?“ Neben vorgegebenen Antworten gibt es deshalb bewusst Freiflächen für eigene Ideen – genau darauf hofft der Seniorenbeirat besonders.
Hilfe anbieten ausdrücklich erwünscht
Ein zentraler Bestandteil der Umfrage ist das Thema Ehrenamt. Auf der Rückseite können Teilnehmer angeben, ob und wie sie sich selbst einbringen möchten. „Wenn jemand sagt, mir geht es gut, ich brauche nichts – umso besser. Dann kann er vielleicht anderen helfen“, so Martina Krauthoff. Ob Fahrdienste, Unterstützung im Alltag oder Begleitung – die Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe soll gezielt sichtbar gemacht werden. Wichtig dabei: Alles ist freiwillig, persönliche Daten werden nur angegeben, wenn jemand aktiv helfen möchte.
Teilnahme für die ganze Insel möglich
Auch wenn die Initiative vom Seniorenbeirat der Stadt Wyk ausgeht, richtet sie sich bewusst nicht nur an Wyker. „Natürlich dürfen auch Menschen aus Midlum, Utersum oder anderen Orten teilnehmen“, stellt das Team klar. Die Umfrage ist anonym und soll möglichst viele Stimmen einfangen – unabhängig vom Wohnort. Genau das ist auch das Ziel: eine breite Datengrundlage, um echte Bedürfnisse erkennen zu können.
Premiere mit möglicher Signalwirkung
Besonders spannend: Eine solche Umfrage hat es im Kreis Nordfriesland bisher noch nicht gegeben. „Wir haben beim Kreis nachgefragt – so etwas gab es noch nie“, erklärt Benoit. Damit könnte die Aktion sogar über Föhr hinaus Wirkung entfalten und als Vorbild für andere Kommunen dienen. Die Fragen selbst wurden aus bestehenden Konzepten anderer Städte entwickelt und gezielt auf die Insel angepasst – denn das Leben auf Föhr bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich.
Ehrenamt aus Überzeugung
Warum engagieren sich die drei überhaupt? Die Antwort ist klar und persönlich zugleich. „Man hat Zeit, aber auch den Wunsch, geistig aktiv zu bleiben“, sagt Benoit. Gleichzeitig steckt dahinter auch Verantwortung: „Man wird älter, vielleicht auch gebrechlich – und dann ist man selbst auf Hilfe angewiesen.“ Genau deshalb sei es wichtig, sich frühzeitig einzubringen und Strukturen mitzugestalten. Krauthoff ergänzt: „Es ist viel Arbeit, aber es macht auch Spaß – und genau das motiviert uns.“
Große Bedeutung für die Insel
Rund 1600 bis 1700 Menschen über 60 leben allein in Wyk – etwa ein Drittel der Bevölkerung. „Das sind auch Wählerstimmen“, sagt Harder und macht damit deutlich, welche Relevanz die Ergebnisse haben können. Gleichzeitig bleibt man realistisch: Nicht jeder Wunsch wird umsetzbar sein. „Wir können keine utopischen Dinge erfüllen, aber wir wollen herausfinden, was wirklich wichtig ist – und genau da ansetzen.“
Dank an Unterstützer – und Aufruf zum Mitmachen
Zum Abschluss gab es auch ein klares Dankeschön an alle, die das Projekt möglich machen: an die Stadt Wyk und Bürgermeister Uli Hess für die Unterstützung sowie an die lokalen Partner, die beim Verteilen helfen – darunter Rewe Lukas Müller, Lidl und Edeka Knudsen mit Lottoannahmestelle. Jetzt liegt es an den Menschen auf der Insel: Mitmachen, ausfüllen und die Zukunft aktiv mitgestalten. Die Umfrage läuft noch bis zum 15. Mai – danach werden die Ergebnisse ausgewertet und öffentlich gemacht.
Fotos: Stefan Gaul
