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„Man schützt, was war – nicht, was bleiben soll“

Veröffentlicht von am 6. Februar 2026

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Vier Jahre Kampf – und verlorene Zeit.

Was den jungen Landwirt besonders trifft, ist die Dauer des Verfahrens. Vier Jahre Gespräche mit Behörden, Abstimmungen, Hoffnung. „Hätte ich dieses Urteil schon vor ein oder zwei Jahren gehabt, wäre ich heute an einem ganz anderen Punkt“, sagt Martinen. Stattdessen sei Zeit verloren gegangen – Zeit, in der keine Alternativen aufgebaut wurden, weil der Hofladen noch immer eine reale Perspektive war.

Denkmalschutz gegen Dorfleben

Das Gericht folgte der Argumentation der Denkmalschutzbehörde: Der Neubau hätte den freien Blick auf historische Gebäude in Süddorf beeinträchtigt und damit das Ortsbild gestört. Für Oke Martinen ist diese Abwägung schwer nachvollziehbar. „Die Frage ist doch: Was wiegt schwerer? Eine Bauflucht – oder das öffentliche Interesse an einem Hofladen?“ Oke Martinen verweist auf die enorme Unterstützung aus der Bevölkerung. Tausende Menschen hätten ihm geschrieben, wie wichtig ein solcher Laden für das Dorf gewesen wäre – als Versorger, Treffpunkt und Anziehungspunkt für Gäste. „Niemand fährt nach Süddorf, um sich alte Hofbuden anzugucken. Aber viele wären wegen des Hofladens gekommen.“

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Alleingelassen fühlt er sich von der Politik allerdings nicht. Im Gegenteil: Gemeinde, Bauausschuss und Bürgermeister hätten geschlossen hinter dem Projekt gestanden. Gerade dieser Rückhalt habe ihn all die Jahre motiviert, weiterzumachen.

Wirtschaftlicher Druck wächst

Ohne den geplanten Hofladen verschärft sich die wirtschaftliche Lage des Betriebs. Der bestehende kleine Hofverkauf reiche nicht aus, um Produkte angemessen zu präsentieren. „Die Leute müssen sehen, was wir haben. Dann greifen sie zu. Genau das wäre im großen Hofladen möglich gewesen.“ Der Gedanke dahinter war klar: Mehr Direktvermarktung, mehr Wertschöpfung vor Ort – und damit eine stabile Zukunft für die Landwirtschaft auf Amrum.

„Man schützt, was war – nicht, was bleiben soll“

Oke Martinen sieht ein grundsätzliches Problem: Denkmalschutz und Bürokratie würden oft stärker gewichtet als die Zukunftsperspektiven junger Landwirte. Selbst das Elternhaus stehe inzwischen unter strengem Schutz. „Wenn dir jemand vorschreibt, welche Fensterfarbe du haben darfst – das fühlt sich an wie eine Enteignung.“

Aufgeben will er trotzdem nicht. „Entweder werde ich vom Bierlaster überfahren oder die Bank legt irgendwann die Hand drauf – aber vorher höre ich nicht auf.“ Die Landwirtschaft aufzugeben, sei für ihn keine Option.

Ein Wunsch für die Zukunft

Wenn Oke Martinen einen Wunsch frei hätte, wäre es weniger Bürokratie – und endlich wirksame Lösungen gegen die massive Belastung durch Wildgänse. „Das ist der Ursprung vieler Probleme bei uns.“
An Unterstützung aus dem Dorf mangelt es ihm nicht. „Amrum, die Menschen, die Gemeinde – da kann ich mich wirklich nicht beschweren.“

Der Hofladen ist Geschichte. Der Kampf um die Zukunft der Landwirtschaft auf Amrum geht weiter.

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