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Interview zur Zukunft des Flugplatzes Wyk

Veröffentlicht von am 9. Dezember 2025

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Im Interview – Eine Bürgerin über fehlende Informationen zur Zukunft des Flugplatzes Wyk

Auf Föhr wird am kommenden Donnerstag in der Stadtvertretersitzung über einen Beschluss entschieden, der weitreichende Folgen für die Insel haben könnte: Es geht um die Zukunft des Wyker Flugplatzes — genauer gesagt um die Frage, ob die Start- und Landebahn 09/27 geschlossen und der Flugplatz künftig auf einen sogenannten Sonderlandeplatz herabgestuft werden soll. 

>>Hier geht es zum Beitrag<<

Was bedeutet das? Kurz gesagt: Starten und Landen wäre dann nur noch nach vorheriger Anmeldung möglich — spontane Flugbewegungen, wie sie bisher Alltag waren, wären passé. Gleichzeitig wird in politischen Gremien über mögliche Umnutzungen auf dem Gelände gesprochen, unter anderem über einen Wohnmobilstellplatz. Viele Bürgerinnen und Bürger haben dieses Thema aber gar nicht auf dem Schirm. Und genau das ist der Grund, warum sich eine Bürgerin aus Wyk bei uns in der Redaktion gemeldet hat und um ein Interview gebeten hat — nicht, um über Für oder Gegen den Flugplatz zu diskutieren, sondern um darüber zu sprechen, wie informiert wird. Oder eben: wie nicht informiert wird. Sie möchte anonym bleiben, weshalb wir den Namen geändert haben. Unser Reporter Stefan hat sich mit Birgit aus Wyk getroffen.

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Stefan: Birgit — du hast uns kontaktiert, weil du sagst: Ich fühle mich nicht richtig informiert. Wie und wann hast du denn überhaupt zum ersten Mal mitbekommen, dass über die Schließung einer Landebahn und mögliche Umbaupläne beraten wird?

Birgit: Durch ein Informationsschreiben von der Hausverwaltung.

Stefan: War das für dich eher ein Zufallsfund oder hast du bewusst nach Informationen gesucht?

Birgit: Es war ein Zufallsfund.

Stefan: Wie hast du dich gefühlt, als du verstanden hast, dass diese Beschlüsse schon sehr konkret vorbereitet werden — ohne dass vorher eine größere öffentliche Information stattgefunden hat?

Birgit: Ganz ehrlich, ich dachte, das Thema wäre erstmal vom Tisch, da man die ganzen Monate nichts mehr dazu gehört hat. Und ich bin der Meinung, dass es genügend andere wichtige Themen hier auf der Insel gibt, wie z. B. das Aquaföhr, Jugendarbeit und bezahlbarer Wohnraum, z. B. für Lehrkräfte, die dringend benötigt werden auf der Insel.

Stefan: Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen: Es gibt ja ein Bürgerinformationsportal, dort sind Beschlussvorlagen einsehbar. Hast du das genutzt? Oder hattest du vorher gar keinen Anlass, dort regelmäßig hineinzuschauen?

Birgit: Das habe ich ja genutzt, habe aber erst am 04.12.2025 die Beschlussvorlage gefunden. Das finde ich schon sehr fragwürdig und kurzfristig, wenn doch bereits am 11.12.2025 drüber abgestimmt werden soll.

Stefan: Würdest du sagen: Es geht nicht darum, was am Ende entschieden wird — sondern wie transparent dieser Weg dahin gestaltet wird?

Birgit: Ja, genau! Wenn und Aber soll ja gerne diskutiert werden, aber es geht mir persönlich um die Transparenz gegenüber den Bürgern.

Wir sprechen heute über das Gefühl fehlender Information in einem politischen Prozess, der für viele Föhrer eine große Rolle spielen könnte. Damit alle, die gerade das Interview lesen, auch wirklich verstehen, was am Donnerstag beschlossen werden soll, ordnen wir das einmal gemeinsam ein.

Es geht politisch um zwei Punkte:
1. Die Herabstufung des Flugplatzes von einem Verkehrslandeplatz zu einem Sonderlandeplatz
2. Die Schließung der Start- und Landebahn 09/27, die von Ost nach West verläuft.

Das hätte mehrere Folgen:
● Flugbetrieb nur noch nach vorheriger Anmeldung.
● Einschränkungen bei bestimmten Windrichtungen.
● Änderungen für Geschäftsflieger, Privatpiloten, medizinische Transporte.

Und parallel stehen im Raum:
● Ideen zur Teilumnutzung des Geländes — Stichwort Wohnmobilstellplatz.
● Mehr Verkehr im Bereich Südstrand / Fehrstieg.

Stefan: Birgit, ich frage mal direkt: Wenn du an den Fehrstieg denkst — der heute schon eine der meistbefahrenen Straßen Richtung Südstrand ist — welche Sorgen entstehen da bei dir, sollte ein Stellplatz mit hoher Wechselquote tatsächlich kommen?

Birgit: Zum einen noch mehr Verkehrsaufkommen und dass es eventuell für den ganzen Fehrstieg dann ein Parkverbot geben müsste, um zu gewährleisten, dass der Bus und Rettungsdienst immer freie Fahrt haben.

Stefan: Redet man unter den Anwohnern schon darüber? Oder ist das noch ein Thema, das im Alltag vieler gar nicht angekommen ist?

Birgit: Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, dachten, das Thema wäre vom Tisch. Jetzt sind sie verwundert, dass es doch wieder ganz aktuell ist.

Stefan: Hast du das Gefühl, dass die Politik sich bewusst ist, wie sehr solche Entscheidungen das Leben in diesem Viertel verändern könnten?

Birgit: Anscheinend ja nicht, weil als Bürger wurdest du ja nicht einbezogen, und ich würde mir wirklich wünschen, dass man als gewählter Stadtvertreter auch im Sinne der Bürger handelt.

Stefan: Dir geht es – das höre ich heraus – weniger um die Frage „Was wird entschieden?“, sondern um die Frage: “Wie werden die Bürger auf dem Weg dorthin mitgenommen?” Was genau fehlt dir an Informationskultur?

Birgit: Mir fehlen klare Antworten zum Thema Finanzierung seitens der Stadt. Meines Wissens wurde der Heli-Port vor nicht allzu langer Zeit für viel Geld neu angelegt. Was passiert in Zukunft damit?

Stefan: Findest du, dass ein Thema von solcher Tragweite — mögliche Schließung einer Landebahn, Änderungen am Flugplatz, potenzielle Verkehrsfolgen — frühzeitig in einer Bürgerinfoveranstaltung hätte vorgestellt werden müssen?

Birgit: Ja, definitiv, weil bei der sportlichen, angesetzten Tagesordnung überhaupt nicht genug Zeit da sein wird, um alle offenen Fragen zu beantworten.

Stefan: Wie groß ist dein Vertrauen in die politischen Gremien in dieser Sache gerade?

Birgit: Ich bin ehrlich, das liegt bei Null!

Stefan: Abschlussfrage. Wenn du morgen eine kurze Botschaft an die Mitglieder der Stadtvertretung senden könntest — wie würde sie lauten?

Birgit: Ich würde mir als Bürgerin der Stadt Wyk wünschen, dass die gewählten Kommunalpolitiker im Vorfeld mehr mit den Bürgern in Kommunikation gehen. Und was mir wichtig ist, nochmal zu betonen — ich habe weder mit der Fliegerei zu tun noch eine klare Meinung zu Pro oder Contra. Was mich stört, ist der Kommunikationsfluss. Ich danke dir für das offene Ohr Stefan!

Das war Birgit (Name von der Redaktion geändert) aus Wyk. Eine Bürgerin, die sich — wie viele andere auch — nicht inhaltlich positionieren wollte, sondern über etwas gesprochen hat, das für jede Demokratie zentral ist: Information, Transparenz und Vertrauen.

Am Donnerstag entscheidet die Stadtvertretung über die Zukunft des Flugplatzes, über die Schließung der Landebahn 09/27 und über die weiteren Schritte, die das Gelände betreffen. Alle Beschlussvorlagen sind öffentlich einsehbar im Bürgerinformationssystem der Stadt Wyk und des Amtes Föhr-Amrum. Informiert euch, bildet euch eine Meinung — und bleibt im Gespräch miteinander. Denn nur so funktioniert eine lebendige Inselgemeinschaft.

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Deine Meinung
  1. Andrea Braunack   am   11. Dezember 2025 at 18:25

    Zur Schließung der Landebahn kann ich nicht viel sagen. Ich befürchte nur, dass es dann bald gar keinen Flugplatz mehr geben wird – bisher ein beliebtes Ausflugsziel für Insulaner und Touristen.
    Noch mehr Sorge bereitet mir der mögliche Wohnmobilstellplatz. Föhr, die grüne Insel? Und dann fahren zahlreiche Wohnmobile nicht nur über den Fehrstieg, sondern über die ganze Insel, verpesten die Umwelt mit Abgasen und Lärm, stören die Tierwelt, erhöhen das Verkehraufkommen und verstopfen die Fähren.
    In Restaurants bekommt man in der Saison schon jetzt kaum Platz, schon gar nicht spontan. Wie soll das werden mit angepeilten zusätzlichen 25.000 Übernachtungen pro Jahr?
    An die Überlastung des Südstrandes, der ohnehin immer schmaler wird, mag ich auch nicht denken.
    Sollte der Stellplatz kommen, wäre das ein großer Verlust für die (noch) schöne Insel!

  2. Thomas Eichmann   am   10. Dezember 2025 at 11:24

    Als häufiger Gast der Insel ist es für mich unverständlich, warum man eine derart wichtige und traditionelle Verkehrsinfrastruktur einem trivialen Wohnmobilstellplatz opfern will. Gibt es dafür tatsächlich keine alternativen Optionen? Handelt es sich dabei wirklich um das, was den Bürgern der Insel Föhr, den Gästen und dem langfristigen touristischen und wirtschaftlichen Wohlergehen zuträglich ist – oder geht es eher um kurzfristige Vorteile für einige wenige?
    Föhr ist für zahlreiche Privatpiloten das anziehendste Anflugziel im deutschen Norden und womöglich das meistgewählte unter den nordfriesischen Inseln. Auch diese Besucher tragen wesentlich zur Gastronomie und Hotellerie der Insel bei. Die Schließung der Landebahn in der Hauptwindrichtung führt zu einem erheblichen fliegerischen Sicherheitsrisiko und wird viele Piloten davon abhalten die Insel anzufliegen.
    Ich habe Zweifel, dass die mit der Umstrukturierung des Flugplatzes verbundenen Verluste für die Tourismusbranche gegen den Beitrag der Wohnmobilisten realistisch aufgerechnet wurden. Bei dieser weiteren Nacht-und-Nebel-Aktion wurden die Föhrer Einwohner offenbar nicht einmal eingebunden, weshalb die Kritik an „Hinterzimmerpolitik“ durchaus gerechtfertigt wirkt.

    • Gerd Rudolf   am   10. Dezember 2025 at 13:04

      100Prozentige Zustimmung und Hochachtung an Stefan und sein Team vor Ort für diese beiden Artikel zu dem Thema

  3. Stephan   am   9. Dezember 2025 at 23:22

    Wie so viele dachte auch ich das Thema sei vorerst vom Tisch.

    Das ganze liest sich wie in einem schlechten Film. Es macht wütend und fassungslos zugleich.

    Es ist ja beinahe schon offensichtlich das hier die Lokalpolitik eigene Interessen verfolgt. Hier geht es um das zunutze machen eigener Positionen um die eigene wirtschaftliche Lage zu verbessern und für sein eigenes Unternehmen Geld zu generieren.

    Und das auf unwiderbringliche Kosten des Flugplatzes. Wird diese Entscheidung morgen durchgesetzt ist sie nicht mehr rückgängig zu machen.

    Aktuell schwächelt die Gastronomie auf der Insel und nun versucht man auf Teufel komm raus dieses Grundstück zu versilbern..koste es was es wolle.

    Eigentlich müsste man bei Zustimmung der Vorlage, beim Kreis oder Land prüfen lassen ob das so mit rechten Dingen zugeht. Zu prüfen wäre hier ob es sich auch im Rahmen von Kommunalpolitik um einen Fall von Vorteilsnahme im Amt handelt und wie bereits oben geschrieben um das versilbern des Grundstückes zum eigenen Vorteil

    • Torsten Kraft   am   10. Dezember 2025 at 0:43

      Moin Stephan, das hast Du schön auf den Punkt gebracht … das ist ein echter Skandal. Das 100jährige Bestehen des Flugplatzes Wyk nächstes Jahr sollte man mit einem Flugplatzfest und einer Ausstellung zu 100 Jahren Luftfahrtgeschichte auf Föhr feiern – und nicht mit seiner Schließung !!!

  4. Elisabeth N   am   9. Dezember 2025 at 23:11

    Jede Attraktion die Föhr noch bietet soll also verschwinden? Erbärmlich und so Leute betiteln sich als Stadtvertreter?

  5. Wilhelm Regier   am   9. Dezember 2025 at 22:59

    Was ist das für ein Skandal, Herr Bürgermeister Hess ??? Fast 100 Jahre Flugplatz Wyk auf Föhr in die Tonne treten. Schämen Sie sich. Auch Herr Meyerhöhn von der W.D.R. ! Ich hoffe und appelliere an die Stadtvertretung, dass sie dem teuflischen Treiben, Geldgetriebenem Treiben, Einhalt gebieten !! Und: Wo ist der Insel-Bote? Schläft der ??

  6. Antje Bernd   am   9. Dezember 2025 at 22:42

    Wir dachten das Thema hätte sich erledigt?? Nichts mehr gehört bis zu diesem Interview liebes Inselradio Föhr. Gibt es keine Medien mehr auf der Insel die informieren über so eine wichtige Geschichte für Föhr?? Wir sind in jedem Urlaub mindestens 3bis4 Mal dort am Gelände. Totaler Schock sitzen hier sprachlos

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