Föhrer Schule und Bücherei machen gemeinsame Sache
Veröffentlicht von Pit am 4. Februar 2026
Lesen stärken statt Scrollen verlieren: Föhrer Schule und Bücherei machen gemeinsame Sache.
Lesen ist mehr als Buchstaben aneinanderzureihen. Lesen heißt verstehen, einordnen, hinterfragen – und sich eine eigene Meinung bilden. Genau darum geht es in einer neuen Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadtbücherei Föhr und der Rüm-Hart-Schule in Wyk. Was räumlich schon lange nahe beieinanderliegt, wächst jetzt auch offiziell enger zusammen.

Mit der unterzeichneten Vereinbarung wird festgeschrieben, was vielerorts bereits gelebt wurde: Alle Klassen der Rüm-Hart-Schule besuchen regelmäßig die Bücherei, Schülerinnen und Schüler erhalten kostenlose Bibliotheksausweise und Lehrkräfte können gezielt auf Angebote der Stadtbücherei zurückgreifen. Ziel ist es, Lesekompetenz und Lesefreude langfristig zu stärken – und das möglichst früh.
Lesen als Schlüsselkompetenz – nicht nur für die Schule
Für Schulleiter Christoph Steier ist klar: Lesen ist kein Randthema, sondern Grundlage für schulischen Erfolg – und weit darüber hinaus. Lesefähigkeit bedeute nicht nur, Texte flüssig zu lesen, sondern Inhalte zu verstehen, einzuordnen und kritisch zu reflektieren. Gerade in einer Zeit, in der Informationen überall verfügbar sind, sei das entscheidend – auch für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft.
Die Kooperation soll genau hier ansetzen: Kinder sollen nicht nur Bücher ausleihen, sondern lernen, sich selbstständig Informationen zu beschaffen, Themen zu recherchieren und Medien bewusst zu nutzen. Die Stadtbücherei bietet dafür Möglichkeiten, die eine Schule allein kaum vorhalten kann – von thematischen Medienkisten über Klassenführungen bis hin zu Veranstaltungen wie den Kinder- und Jugendbuchwochen.

Niedrige Hürden, große Wirkung
Ein zentraler Baustein der Vereinbarung: Alle Schülerinnen und Schüler können kostenlos einen Büchereiausweis erhalten. Damit soll die Hemmschwelle sinken, das Angebot auch außerhalb des Unterrichts zu nutzen. Gleichzeitig wird die Bücherei stärker in den Schulalltag eingebunden – etwa durch handlungsorientierte Einführungen, bei denen Kinder spielerisch lernen, wie sie das Angebot nutzen können.
Auch der offene Ganztag profitiert von der Zusammenarbeit. Zudem stellt sich die Bücherei regelmäßig bei Elternabenden und Lehrerkonferenzen vor. Denn Leseförderung, darin sind sich alle Beteiligten einig, funktioniert nicht allein in Schule oder Bücherei – sie beginnt im Elternhaus.
Bücher unter Druck – aber längst nicht abgeschrieben
Natürlich wurde auch über Konkurrenz gesprochen: Streaming, Games, Tonieboxen, Social Media. Angebote, die leicht zugänglich sind und oft schneller belohnen als ein Buch. Dennoch sehen die Beteiligten darin nicht nur ein Problem, sondern auch Chancen. Plattformen wie BookTok oder Bookstagram können Neugier wecken und Lust aufs Lesen machen – wenn sie bewusst genutzt werden. Bibliotheksleiterin Anna-Marleen Apel betont: Entscheidend sei, Freude zu vermitteln. Comics, Bilderbücher, Bibliotheksrallyes, digitale Elemente – all das könne Brücken bauen. Wichtig sei, dass Kinder selbst Themen wählen dürfen, die sie interessieren. Wer einmal ein Buch findet, das fesselt, legt es oft nicht mehr aus der Hand.

Politik, Schule und Bücherei ziehen an einem Strang
Auch Wyks Bürgermeister Uli Hess sieht in der Kooperation ein starkes Signal. Bildung beginne vor Ort – mit gut ausgestatteten Einrichtungen, verlässlicher Finanzierung und Menschen, die sich engagieren. Die Stadt habe die Bücherei bewusst ausgebaut und modernisiert, weil Lesen und Medienkompetenz zentrale Grundlagen für gesellschaftliche Teilhabe seien. Die Vereinbarung sei deshalb weniger ein Neuanfang als eine bewusste Bekräftigung: Lesen hat auf Föhr einen hohen Stellenwert – und soll ihn behalten. Vom Kindergarten über die Grundschule bis ins Erwachsenenalter.
Eine kleine Geschichte, die den Kreis schließt
Zum Abschluss wurde es noch persönlich. Schulleiter Christoph Steier erinnerte an eine Begebenheit aus den Anfangsjahren von Bürgermeister Uli Hess auf Föhr: Kurz nachdem dieser auf die Insel gekommen war, engagierte er sich als Lesepate an der Schule. Keine große Bühne, kein offizieller Termin – sondern einfach Zeit, die er sich nahm, um mit Kindern zu lesen und über Geschichten zu sprechen.
Für Steier ist das mehr als nur eine nette Randnotiz. Es zeige, wie wichtig Vorbilder und persönliche Begegnungen beim Lesenlernen seien. Lesepaten, Vorlesen im Elternhaus, Gespräche über Bücher – all das trage dazu bei, eine emotionale Bindung zum Lesen aufzubauen.
Genau hier schließt sich der Kreis der neuen Kooperation: Was im Kleinen beginnt, kann langfristig Großes bewirken. Lesen wird nicht verordnet, sondern vorgelebt – in der Schule, in der Bücherei, in der Stadt und in den Familien. Und genau darin liegt die Stärke dieses Föhrer Modells.

Elisabeth N am 4. Februar 2026 at 16:51
Richtig guter Beitrag Stefan und Inselradioteam 🙂