Spargelsaison auf Föhr gestartet
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 17. Mai 2026
Vom Feld direkt auf den Teller: So viel Arbeit steckt hinter dem Föhrer Spargel.
Frisch gestochener Spargel, kurze Wege und echte Handarbeit – auf Föhr hat die Spargelsaison wieder begonnen. Und hinter dem beliebten „weißen Gold“ der Insel steckt deutlich mehr Arbeit, als viele vermutlich ahnen. Unsere Redaktion war auf dem Volkertshof in Nieblum unterwegs – beim einzigen Spargelbauern der Insel. Gemeinsam mit Finja Ketelsen und Ricklef Volkerts ging es direkt aufs Feld, dorthin, wo der Föhrer Spargel täglich von Hand geerntet wird.

Während auf dem Festland die Spargelsaison vielerorts bereits früher begonnen hat, ist der Start auf Föhr traditionell etwas später. Für Ricklef Volkerts und Finja Ketelsen gehört das mittlerweile ganz normal dazu. Umso größer war die Freude, dass es jetzt endlich richtig losgehen konnte. „Die meisten Leute waren schon ziemlich ungeduldig“, erzählt Finja lachend. Doch gerade die ersten warmen Sonnentage entscheiden maßgeblich darüber, wie gut die Saison anläuft. „Wenn die Sonne fehlt, fehlt am Ende auch die Menge“, erklärt Ricklef Volkerts. Genau das habe man in diesem Jahr zunächst gespürt. Zwar konnte bereits geerntet werden, doch die fehlende Wärme sorgte dafür, dass viele Kunden zunächst vertröstet werden mussten. Denn Spargel wächst nur dann richtig gut, wenn die Bedingungen stimmen.
Handarbeit statt Vollmaschine

Wer Spargel im Hofladen kauft, sieht meist nur die fertigen weißen Stangen in der Auslage. Wie viel Arbeit tatsächlich dahinter steckt, bekommen die wenigsten mit. Der Tag beginnt auf dem Feld schon früh morgens. Zunächst wird die sogenannte „Spargelspinne“ vorbereitet – eine spezielle Erntehilfe mit Batterieantrieb, die beim Anheben der Folien und beim Transport der Kisten unterstützt.
Anschließend beginnt die eigentliche Arbeit: das Spargelstechen. Und genau das funktioniert bis heute fast ausschließlich per Hand. Der Grund dafür liegt unter der Erde. Spargel wächst in kleinen Erddämmen und muss vorsichtig mit einem speziellen Messer gestochen werden. Maschinen könnten die empfindlichen Stangen nicht präzise genug ernten. „Man entwickelt mit der Zeit ein richtiges Gefühl dafür“, erklärt Ricklef Volkerts. Anfangs treffe man vielleicht nur jede zehnte Stange richtig, später funktioniere es fast automatisch. Wichtig sei vor allem, dass die Spargelstangen möglichst gleichmäßig und komplett weiß bleiben – genau das macht später die Qualität aus.
Kurze Wege und maximale Frische
Damit der Spargel möglichst frisch bleibt, wird er mehrmals täglich direkt vom Feld geholt. Anschließend beginnt auf dem Hof die nächste Etappe: Waschen, sortieren, schneiden, bündeln und schließlich ab in die Kühlung. Ziel sei es, dass der morgens gestochene Spargel spätestens im Laufe des Vormittags bereits im Hofladen liegt. Und selbst die Endstücke landen nicht im Müll. Ganz typisch Landwirtschaft, sagen beide lachend. Die Reste werden an die Kühe verfüttert und sinnvoll weiterverwendet. Inzwischen wurde die Spargelfläche auf dem Volkertshof sogar erweitert. Ein zusätzlicher halber Hektar kam im vergangenen Jahr dazu. Allerdings braucht die junge Anlage noch Zeit, um richtig anzuwachsen. Deshalb wurde dort in diesem Jahr zunächst nur kurz geerntet.

Regionalität bleibt wichtig
Besonders deutlich merken Finja Ketelsen und Ricklef Volkerts, dass vielen Menschen regionale Produkte weiterhin sehr wichtig sind. Viele Kunden kommen bewusst immer wieder auf den Hof oder kaufen gezielt Föhrer Spargel bei den Verkaufsstellen auf der Insel. Erhältlich ist der Spargel nicht nur direkt auf dem Volkertshof in Nieblum, sondern unter anderem auch bei Edeka Hückstädt und dem Saimons in Nieblum, beim Edeka in Oldsum und auch bei Baumann’s Delikatessen in Utersum. Und natürlich stellt sich auch jedes Jahr wieder die gleiche Frage: Können die beiden nach Wochen voller Spargel überhaupt noch welchen sehen? Die Antwort kommt ziemlich eindeutig: Ja. Gerade weil die Saison begrenzt ist, genieße man die Zeit umso mehr. Besonders empfehlen können die beiden übrigens gebratene Spargelspitzen aus der Pfanne – mit etwas Salz, Pfeffer und Zucker. „Das ist unser kleiner Geheimtipp“, verrät Finja Ketelsen.
Warum Föhrer Spargel für viele Menschen nochmal besonders schmeckt, darüber wird auf der Insel gerne diskutiert. Ob es tatsächlich die Nordseeluft ist oder einfach das besondere Urlaubsgefühl – sicher sagen kann es niemand. Fest steht aber: Für viele gehört der Spargel vom Volkertshof inzwischen fest zu Föhr dazu. Und eines wurde beim Besuch auf dem Feld ganz deutlich: Hinter jeder einzelnen Spargelstange steckt auf Föhr jede Menge Handarbeit, Erfahrung und echte Leidenschaft.
Fotos: Stefan Gaul
