Internet zurück in Süderende
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 15. Mai 2026
Nach tagelangem Ausfall: Internet in Süderende funktioniert wieder – Betroffene berichten von „komplettem Stillstand“
Nach Tagen voller Frust, Verzweiflung und teils kompletter Isolation gibt es jetzt Entwarnung für viele Haushalte in Süderende auf Föhr: Das Internet funktioniert wieder. Wie die Deutsche Telekom der Inselradio-Föhr-Redaktion bestätigte, konnte die Störung inzwischen behoben werden. Ursache war laut Telekom der Ausfall einer technischen Baugruppe in einem Verteilerkasten. Die defekte Komponente sei mittlerweile ausgetauscht worden.

Zuvor hatten sich seit Tagen immer mehr betroffene Hörerinnen und Hörer bei unserer Redaktion gemeldet. Während einige nur noch extrem langsame Verbindungen hatten, waren andere komplett offline – inklusive Festnetztelefonie, WLAN und teilweise sogar Mobilfunkempfang in den Häusern. Besonders eindrücklich schilderte Conny Prasser, Betreiberin von „Conny’s Dorfladen“ in Süderende, die Situation im Gespräch mit unserem Reporter. „Herrlich, wir sind wieder da“, sagte sie am Mittwoch erleichtert. „Wir im Süderende haben wieder Internet, wir sind übers Telefon erreichbar, Festnetz. Man kann wieder Netflix gucken, YouTube schauen, Alexa funktioniert wieder.“
Wie abhängig der Alltag inzwischen vom Internet geworden ist, sei ihr in den vergangenen Tagen erst richtig bewusst geworden. „Dieses Radio, was wir rausgeholt hatten, mit Kabeln und dieser Antenne, die so runterhing – das hatte nur ohne Rauschen eine Stelle in der Küche, wo man überhaupt was hören konnte“, erzählt sie lachend. „Man hatte wirklich das Gefühl, man geht wieder zurück in der Zeit.“

Totalausfall sorgte für Probleme im Alltag
Begonnen hätten die ersten Probleme bereits am Freitag, dem 1. Mai. „Da fing das bei uns zu Hause an“, erinnert sich Conny Prasser. Erst habe das Radio gehakt, dann wurde das Internet immer instabiler. „Und von diesem Freitag bis zum nächsten Freitag wurde es immer schlimmer.“ Ab dem 8. Mai sei dann in ihrem Haus praktisch gar nichts mehr gegangen. „Freitag, Samstag, Sonntag, Montag, Dienstag – in diesem Haus war komplett alles weg.“ Die Auswirkungen gingen dabei weit über Streaming oder Unterhaltung hinaus. „Meine Mutter hätte mich gar nicht anrufen können, wenn etwas gewesen wäre“, sagt sie. „Wir waren hier abgeschnitten.“ Im Ernstfall hätte man teilweise erst zur Hauptstraße laufen müssen, um überhaupt Empfang zu bekommen.
Auch Familien mit Kindern waren betroffen. „Die Kinder brauchen das Internet ja inzwischen auch für die Schule“, berichtet Prasser. Eine Familie sei sogar zur Oma in ein anderes Dorf gefahren, weil dort das Netz noch funktionierte. Andere hätten Probleme gehabt, an digitale Vertretungspläne zu kommen. „Was das alles nach sich zieht, wenn man kein Internet hat – darüber denkt man vorher gar nicht nach.“
Auch Geschäfte betroffen
Besonders problematisch wurde die Situation auch für Gewerbetreibende. In ihrem Dorfladen liefen plötzlich wichtige digitale Abläufe nicht mehr. „Ich konnte meine Bestellungen nicht mehr durchgeben“, erzählt Prasser. „Da bin ich echt stutzig geworden.“ Erst darüber habe sie überhaupt bemerkt, dass offenbar größere Teile des Dorfes betroffen waren. Dass nicht ganz Süderende gleichzeitig betroffen war, sorgte zusätzlich für Verwirrung. Einige Haushalte konnten offenbar normal online gehen, andere waren komplett offline. Warum das so war, dazu äußerte sich die Telekom bislang nicht genauer.
Telekom bestätigt erfolgreiche Reparatur
Nachdem die Telekom zunächst von einer sogenannten Flächenstörung gesprochen hatte und eine Behebung bereits für Dienstagmorgen angekündigt worden war, blieb die Verbindung vielerorts trotzdem weiterhin ausgefallen. Entsprechend groß war der Frust bei zahlreichen Betroffenen. Jetzt scheint die Störung jedoch endgültig behoben zu sein. Auch mehrere Hörer bestätigten unserer Redaktion inzwischen, dass Internet und Telefonie wieder stabil funktionieren.
Und trotzdem bleibt bei vielen die Erkenntnis zurück, wie abhängig der Alltag inzwischen von einer funktionierenden digitalen Infrastruktur geworden ist – selbst in einem kleinen Inseldorf wie Süderende.
Fotos: Stefan Gaul
