Bürgermeisterwechsel in Midlum
Veröffentlicht von Pit am 11. März 2026
Neuer Bürgermeister Uwe Jensen: „Wir müssen nach vorne schauen – ohne unsere Traditionen zu vergessen“
Die Gemeinde Midlum hat einen neuen Bürgermeister. Uwe Jensen hat das Amt mitten in der laufenden Legislaturperiode übernommen und folgt damit auf seinen Vorgänger Stefan Hinrichsen. Der 49-Jährige, gebürtig aus Borgsum und hauptberuflich Haustechniker im Museum Kunst der Westküste, steht nun an der Spitze des rund 440 Einwohner zählenden Inseldorfes.

Dass er dieses Amt einmal übernehmen würde, war ursprünglich gar nicht geplant. Nachdem sein Vorgänger aus privaten Gründen seinen Wohnsitz aufs Festland verlegt hatte, musste die Gemeindevertretung kurzfristig eine Lösung finden. Die Wahl fiel schließlich auf Jensen.
„Wir hatten eigentlich gehofft, dass Stefan die Legislaturperiode zu Ende bringt“, erzählt der neue Bürgermeister. Doch nach seinem Wegzug habe man aus den Reihen der Gemeindevertretung jemanden bestimmen müssen – und so sei er schließlich zum Bürgermeister gewählt worden.
Bürgermeister – aber nicht allein verantwortlich
Trotz des neuen Titels sieht Jensen seine Rolle vor allem als Teil eines Teams. Entscheidungen würden weiterhin gemeinsam in der Gemeindevertretung getroffen.
„Der Bürgermeister kann nichts alleine entscheiden“, sagt er. „Wir sind acht Mitglieder in der Gemeindevertretung und treffen die Entscheidungen gemeinsam. Ich bin im Grunde derjenige, der die Dinge organisiert – Rechnungen verwaltet, Sitzungen vorbereitet und Termine wahrnimmt.“
Gerade in finanziell schwierigen Zeiten sei Zusammenarbeit besonders wichtig. „Die Kassen sind überall knapp, ob im Bund, im Land oder in den Gemeinden. Deshalb sind wir alle in der Pflicht, uns einzubringen.“
Ehrenamt mit Verantwortung
Die Entscheidung, das Amt zu übernehmen, sei ihm nicht leicht gefallen. Neben seiner Vollzeitstelle engagiert sich Jensen auch in der Feuerwehr und in der Musik – dazu kommt nun die Verantwortung für die Gemeinde.
„Da liegt man nachts schon mal wach und überlegt, ob man das zeitlich alles hinbekommt“, gibt er offen zu. Besonders wichtig sei dabei auch die Unterstützung der Familie gewesen. „Die Familie muss das mittragen. Wir mussten erst einmal schauen, wie wir die Zeiten neu organisieren.“
Das letzte Eishaus auf Föhr
Ein Projekt liegt Jensen besonders am Herzen: das letzte Eishaus der Insel, das sich ebenfalls in Midlum befindet.
Solche Eishäuser stammen noch aus Zeiten, in denen viele Haushalte keinen eigenen Gefrierschrank hatten. Stattdessen gab es gemeinschaftliche Kühlräume, in denen Dorfbewohner ihre Lebensmittel lagern konnten.
„Früher gab es mehrere solcher Eishäuser auf Föhr“, erklärt Jensen. „In Midlum existiert noch eine Tiefkühlgemeinschaft mit etwa 50 Fächern, in denen die Mitglieder ihre Lebensmittel lagern.“ Doch das Gebäude ist inzwischen stark in die Jahre gekommen. Deshalb plant die Gemeinde eine neue Lösung: Ein Anbau am Feuerwehrhaus soll künftig mehrere Funktionen vereinen.
Geplant sind dort:
● ein neuer Bereich für die Tiefkühlgemeinschaft
● Lagerräume für Gemeinde und Feuerwehr
● Stellflächen für Fahrzeuge und Jugendfeuerwehr
„So verbinden wir Tradition und Zukunft“, sagt Jensen. „Mehrere Bereiche profitieren von einem gemeinsamen Projekt.“
Fördergelder entscheidend für kleine Gemeinden
Für die Umsetzung hofft Midlum auf Unterstützung durch Förderprogramme, etwa über die regionale Entwicklung. „Solche EU-Fördergelder sind für kleine Gemeinden extrem wichtig“, erklärt Jensen. „Das Geld wächst auch bei uns nicht auf den Bäumen.“ Gerade Projekte, die mehrere Bereiche zusammenbringen – wie Feuerwehr, Dorfleben und Tradition – hätten gute Chancen auf Unterstützung.
Sicherheit für Kinder im Neubaugebiet
Neben dem Eishausprojekt stehen weitere Themen auf der Agenda der Gemeinde. Ein Beispiel ist ein neuer Fußweg im Bereich Westerstieg. Dort sollen Kinder künftig sicherer zur Schule gelangen. Der geplante Gehweg soll parallel zur Straße verlaufen und bis zum Radweg Richtung Alkersum führen. „Wir haben dort viele Kinder, die aktuell direkt auf die Straße laufen müssen“, sagt Jensen. „Das wollen wir ändern.“
Infrastruktur Schritt für Schritt erneuern
Auch die Straßenbeleuchtung beschäftigt die Gemeinde. Viele Leitungen seien veraltet, teilweise falle die Beleuchtung bereits aus. Die Gemeinde plant deshalb, die Laternen schrittweise zu erneuern. Dabei soll die Verlegung von Glasfaserkabeln genutzt werden, um neue Leitungen gleich mit zu installieren. „Das sind Dinge, die wir Stück für Stück angehen müssen“, sagt Jensen.
Dorfgemeinschaft stärken
Für seine Amtszeit hat sich der neue Bürgermeister ein klares Ziel gesetzt: Die Gemeinschaft im Dorf erhalten und stärken.
„Ich wünsche mir, dass wir die Dorfgemeinschaft weiter ausbauen“, sagt er. Besonders wichtig seien Veranstaltungen und gemeinsame Aktionen – etwa Dorfreinigungen oder kleine Feste.
Solche Treffen würden zeigen, was ein Dorf ausmache: „Wenn man danach zusammen eine Suppe isst und zusammensitzt, dann merkt man, wie wichtig solche Momente sind.“
Foto: Stefan Gaul
