Branche am Scheideweg?
Veröffentlicht von Pit am 20. Februar 2026
Gastro auf Föhr unter Druck – DEHOGA auf der Insel vor Neustart?
Steigende Kosten, weniger Betriebe, politische Entscheidungen – und die große Frage: Wer spricht eigentlich für die Gastronomie und Hotellerie auf Föhr?
Am 25. März soll genau darüber diskutiert werden. Bei einer DEHOGA-Infoveranstaltung in Utersum wollen engagierte Föhrer Unternehmer ihre Branche wieder stärker vernetzen – und ihr politisches Gewicht bündeln. Im Studio von Inselradio Föhr sprachen Lars Ole Buth vom Partyservice Buth sowie Tim Hennig vom Hotel Waastwinj und Restaurant Hennigs über Hintergründe, Frust – und neue Hoffnung.

Zwischen steigenden Kosten und sinkender Zahl an Betrieben
Die Ausgangslage ist aus Sicht vieler Gastronomen ernst. Immer mehr Restaurants schließen, Personal fehlt, Bürokratie wächst, Kosten steigen kontinuierlich. Gleichzeitig bleibt der Anspruch der Gäste hoch – zu Recht, wie beide betonen.
Tim Hennig beschreibt die Entwicklung klar: Immer weniger Betriebe müssten immer mehr auffangen. Kapazitäten seien begrenzt, Personal schwer zu finden und noch schwerer zu halten. Gerade in der Nebensaison stelle sich die Frage, wie Mitarbeitende wirtschaftlich beschäftigt oder bezahlt werden können.
Lars Ole Buth ergänzt, dass viele Betriebe zwar ähnliche Herausforderungen haben – aber bislang oft nebeneinander statt miteinander gearbeitet hätten. „Wir sitzen eigentlich alle im selben Boot“, sagt er. Wenn man jedoch übereinander statt miteinander spreche, schade das langfristig der gesamten Insel.
Warum jetzt wieder DEHOGA?
Die DEHOGA Schleswig-Holstein ist der Branchenverband für Gastronomie und Hotellerie. Bundesweit und landesweit vertritt er Interessen gegenüber Politik und Verwaltung. Auf Föhr jedoch sei das Engagement in den vergangenen Jahren spürbar eingeschlafen, berichten die beiden Unternehmer.
Dabei habe der Verband durchaus konkrete Vorteile. Lars Ole Buth nennt als Beispiele unter anderem juristische Beratung, Rahmenverträge bei Versicherungen, Vergünstigungen bei Fachmessen wie der Internorga oder bei GEMA-Gebühren sowie politische Interessenvertretung – etwa im Kampf um die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie.
Doch der eigentliche Mehrwert liege für beide nicht nur im finanziellen Vorteil, sondern im politischen Gewicht. Eine geschlossene Branche habe eine andere Wirkung als ein einzelner Betrieb, der Kritik äußere oder Anliegen formuliere.
Gewerbesteuer, Außenflächen, Kontrollen – wer wird gehört?
Themen gibt es genug. Ob Gewerbesteuererhöhung, Außenflächenregelungen oder Kurkartenkontrollen – viele Entscheidungen würden unmittelbar die Betriebe betreffen.
Lars Ole Buth betont dabei, dass es nicht um ein pauschales „Dagegensein“ gehe. Kontrollen seien notwendig, Regeln müssten sein. Entscheidend sei jedoch der Dialog. Wer täglich mit Gästen arbeite, habe ein Gespür für deren Bedürfnisse und könne wertvolle Praxiserfahrung einbringen.
Wenn politische Entscheidungen ohne Austausch mit der Branche getroffen würden, bestehe die Gefahr, an der Realität vorbei zu regieren. Genau hier soll eine gestärkte DEHOGA-Struktur ansetzen: als Sprachrohr einer gesamten Branche.
25. März: Infoveranstaltung in Utersum
Am 25. März um 15 Uhr findet im Restaurant Hennigs in Utersum eine offene Informationsveranstaltung statt. Erwartet wird unter anderem Axel Strehl, Präsident der DEHOGA Schleswig-Holstein.
Ziel ist kein sofortiger Mitgliedsantrag, sondern Information und Austausch. Betriebe sollen Fragen stellen, Argumente hören und sich ein eigenes Bild machen können. „Niemand bekommt einen Mitgliedsantrag in die Hand gedrückt“, betont Tim Hennig. Es gehe zunächst darum, sich wieder an einen Tisch zu setzen.
Frust überwinden – Begeisterung neu wecken
Einfach wird das nicht. Beide wissen, dass manche Kolleginnen und Kollegen müde oder frustriert sind. In der Vergangenheit seien Versuche zur stärkeren Vernetzung gescheitert, Corona habe vieles zusätzlich erschwert.
Doch gerade jetzt sehen sie eine neue Chance. Wenn es gelinge, alte und junge Unternehmer an einen Tisch zu bringen, könne Erfahrung auf neue Ideen treffen. Aus Austausch könne Motivation entstehen – und aus Motivation gemeinsames Handeln.
Tourismusstandort Föhr: Ohne Geschlossenheit riskant?
Die entscheidende Frage steht am Ende im Raum: Kann Föhr als Tourismusstandort langfristig stark bleiben, wenn die Branche nicht geschlossen auftritt?
Beide Unternehmer sehen das kritisch. Der wirtschaftliche Kreislauf der Insel beginne bei den Gästen. Wenn Gastronomie, Hotellerie und Ferienunterkünfte geschwächt würden, betreffe das langfristig alle – vom Einzelhandel bis zu Dienstleistern. „Das Geld kommt von außen“, sagt Tim Hennig offen. Wenn Gäste sich andere Destinationen suchten, bekomme die gesamte Insel ein Problem.
Ein möglicher Neustart
Ob der 25. März tatsächlich der Auftakt für eine stärkere, geschlossene DEHOGA-Struktur auf Föhr wird, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Wille zum Austausch ist da. Und das Bewusstsein, dass gemeinsames Auftreten mehr bewirken kann als Einzelkämpfertum, wächst.
Die Veranstaltung ist offen für alle interessierten Betriebe. Entscheidend wird sein, ob genügend Unternehmer bereit sind, den ersten Schritt zu gehen – miteinander statt nebeneinander.

René Wallius am 20. Februar 2026 at 12:27
Starkes Interwiew und ein wichtiges Signal auf der Insel 🙂