Süderoog: Kinder kämpfen sich durchs Eis
Veröffentlicht von Pit am 12. Februar 2026
Eis-Abenteuer im Watt: Süderoog-Kinder kämpfen sich zwei Kilometer durch gefrorene Nordsee.
Noch vor wenigen Tagen war Hallig Süderoog komplett vom Eis eingeschlossen. Bootfahren unmöglich, der Wattweg blockiert. Nun gibt es ein erstes spektakuläres Update: Die beiden Töchter von Holger Speer-Wree haben sich gemeinsam mit ihrem Vater durch ein massives Eisfeld gekämpft – zwei Kilometer durchs winterliche Wattenmeer.

Was für viele unvorstellbar klingt, wurde für die Familie zur echten Kraftprobe – und für die Kinder zu einem unvergesslichen Abenteuer.
Eis versperrt den Weg – aber nicht den Mut
Nachdem sich das Eis tagelang vor der Hallig gestaut hatte, prüfte Holger Speer-Wree zunächst allein die Lage. Ein Testlauf durchs Eisfeld zeigte: Noch zu gefährlich für Kinder. Doch am nächsten Morgen hatte sich das Eis durch Wind und Strömung etwas verschoben. Die Passage war immer noch schwierig – aber machbar. „Das war schon gewaltig“, berichtet Speer-Wree. „Zwischen Eisbergen durchzulaufen – das war für die Kinder ein richtiges Abenteuer. So einen Winter haben sie noch nie erlebt.“
Zwei Kilometer durchs Eis
Der Zeitpunkt musste stimmen: Niedrigwasser zur Mittagszeit.
Zuvor hatte Tochter Fenja noch Online-Unterricht von der Hallig aus. Danach ging es los. Durch die zuvor ausgekundschaftete Passage kämpften sich Vater und Töchter durch das Eisfeld. Der Wattpostbote Knut kam ihnen von Pellworm entgegen – mitten im Eis. Dort übergab Holger seine Töchter. Sie erreichten Pellworm pünktlich – erschöpft, aber wohlbehalten. „Kaputt waren sie trotzdem“, sagt der Vater. „Aber ich bin echt stolz auf die Mädels.“
Hallig weiterhin nur eingeschränkt erreichbar
Ganz frei ist der Weg noch nicht. Die Fahrwasser-Markierungen – sogenannte Pricken – wurden vom Eis beschädigt oder abgerissen. Holger plant nun, neue Markierungen zu setzen, um zumindest bei Hochwasser wieder mit dem Boot einzelne Versorgungsfahrten unternehmen zu können. Noch ist das Eis da. Noch ist der Winter nicht vorbei. Aber die Familie bleibt gelassen. „Bis Ostern haben wir alles da, was wir brauchen.“

Leben mit Plan B und C
Seit Herbst hat die Familie vorgesorgt:
Brennstoffe, Generator-Diesel, Lebensmittel, Wasservorräte. Sogar ein eingefrorener Generator wurde mit Föhn und improvisiertem Frostschutz wieder zum Laufen gebracht. Für die Spreer-Wrees ist das kein Ausnahmezustand – sondern Hallig-Alltag.
Zwischen Herausforderung und Wintermagie
Was von außen wie Isolation wirkt, ist für die Familie auch besondere gemeinsame Zeit. Kein Fernseher, stattdessen Spieleabende am Ofen. Kinder, die mit leuchtenden Augen zwischen Eisbergen laufen. Ein Vater, der nachts an Kinderbüchern über Süderoog schreibt.
Der Winter zeigt hier draußen im Wattenmeer seine raue Seite – aber auch seine Magie.
Fotos: Holger Speer-Wree
