Zeichen gegen Machtmissbrauch
Veröffentlicht von Pit am 28. Februar 2026
„Nein zu Machtmissbrauch – Ja zu Konsequenzen für Täter“: Emotionale Demonstration auf dem Rathausplatz in Wyk.
Anfang Februar wurde es rund um den Rathausplatz in Wyk laut, deutlich und emotional. Unter dem Motto „Nein zu Machtmissbrauch – Ja zu Konsequenzen für Täter“ hatten die Schwestern Christina und Caroline Tussing kurzfristig zu einer Demonstration aufgerufen. Innerhalb von nur 48 Stunden entstand die Idee – und zahlreiche Insulanerinnen und Insulaner folgten dem Aufruf.

Ihr Ziel: Solidarität mit Betroffenen von Machtmissbrauch zeigen, Opfern zuhören – und klare Konsequenzen für Täter fordern.
„Wir wollten nicht mehr machtlos bleiben“
Im Gespräch erklärten Christina und Caroline Tussing, was sie zu diesem Schritt bewegt hat. Auslöser sei unter anderem die Veröffentlichung der sogenannten „Epstein-Files“ in den USA gewesen. Doch das Thema gehe weit darüber hinaus.
„Die Welt ist überschüttet von Macht und Machtmissbrauch“, sagten die beiden. Es gehe um Menschenhandel, Gewalt, Missbrauch und systematische Vertuschung – Themen, die viele emotional stark belasten.
Die Entscheidung zur Demonstration fiel spontan. „Wir haben das tatsächlich vor 48 Stunden entschieden“, berichteten sie. Man habe sich machtlos gefühlt – gleichzeitig aber auch wütend. „Gemeinsam ist man stärker als allein.“
Dabei betonten sie ausdrücklich: Es gehe nicht darum, parteipolitisch zu agieren. „Wir sind keine Politikerinnen, keine großen Rednerinnen. Wir sind zwei Menschen mit Herz.“ Entscheidend sei, hinzusehen, sich zu informieren und Verantwortung zu übernehmen – jeder auf seine Weise.
„Vielleicht ist es Zeit, Opfern mehr zu glauben“
In ihrer Ansprache auf dem Rathausplatz wurde es sehr persönlich. Christina sagte:
„Vielleicht ist es an der Zeit, einfach mehr Opfern zu hören und Täter nicht mehr zu schützen.“ Es gehe nicht um große Zahlen oder darum, wie viele Menschen vor Ort seien. „Es geht darum, dass jeder, der hier steht, an Opfer denkt – und ihnen glaubt.“

Zum Auftakt der Versammlung baten die Organisatorinnen sogar um eine kurze Atemübung – ein bewusster Moment der Sammlung inmitten eines schweren Themas.
Stimmen aus dem Publikum: Macht beginnt im Kleinen
Doch nicht nur die Initiatorinnen meldeten sich zu Wort. Auch aus dem Publikum kamen klare, reflektierte Beiträge.
Eine Teilnehmerin machte deutlich, dass Machtmissbrauch nicht nur „in der großen Politik“ stattfinde: „Es geschieht auch in unserer Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule – zwischen Männern und Frauen oder zwischen Eltern und Kindern.“
Es gehe darum, wach zu sein für Strukturen, in denen Macht andere unterdrückt. Stattdessen brauche es mehr Dialog, Mitgefühl und die Bereitschaft, Probleme offen anzusprechen. Sie sprach vom Prinzip eines „Kreises“ oder „Councils“ – einem Raum, in dem jeder gehört wird und gemeinsam Lösungen gefunden werden.
Ein weiterer Gedanke aus dem Publikum lautete:
„Wir treffen täglich Menschen. Und vielleicht können wir uns daran orientieren, dass dieser Mensch nach dem Treffen glücklicher, freier oder fröhlicher ist als vorher.“ Bemerkenswert: Unter den Demonstrierenden waren auch mehrere Männer – für einige Teilnehmerinnen ein wichtiges Signal.
Ein emotionaler Nachmittag mit klarer Botschaft
Die Demonstration war geprägt von Emotionen, persönlichen Worten und dem Wunsch nach Veränderung. Die Botschaft war eindeutig: Macht darf nicht missbraucht werden – und Täter dürfen nicht geschützt werden.
Für die Organisatorinnen war es vor allem wichtig, ein sichtbares Zeichen zu setzen. Nicht gegen Einzelne, sondern für eine Haltung. Für Solidarität. Für Verantwortung. Und für den Mut, hinzuschauen.
