DEHOGA auf Föhr
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 5. April 2026
Aufbruch in der Gastro-Branche: DEHOGA will Föhr wieder vereinen – „Wir müssen mehr miteinander reden“
Die Gastro- und Hotelbranche auf Föhr steht vor großen Herausforderungen – doch gleichzeitig wächst der Wille, wieder enger zusammenzurücken. Bei einer ersten Infoveranstaltung in Utersum wurde genau das deutlich: Die Branche will sich neu organisieren, stärker vernetzen – und künftig mit einer gemeinsamen Stimme auftreten.

Mit dabei war auch DEHOGA Schleswig-Holstein Präsident Axel Strehl, der gemeinsam mit den Initiatoren Tim Hennig und Lars-Ole Buth vor Ort den Austausch gesucht hat. Unsere Redaktion hat im Anschluss mit allen drei gesprochen.
Große Resonanz und echte Aufbruchsstimmung
Schon die Beteiligung zeigte, wie groß der Bedarf ist: Das Restaurant war bis auf den letzten Platz gefüllt, sogar zusätzliche Stühle mussten organisiert werden. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen“, so Lars-Ole Buth. Auch Tim Hennig zeigt sich zufrieden: „Die Resonanz war sehr gut.“

Für Axel Strehl ist klar: „Es war eine enorme Motivation da, sich zu treffen und zu vernetzen. Diese Aufbruchsstimmung hat mich wirklich begeistert.“

Schluss mit „eigenem Süppchen“
Ein Satz zieht sich wie ein roter Faden durch die Gespräche: Die Branche muss wieder mehr miteinander arbeiten. „Das Netzwerk hat gefehlt. Jeder hat sein eigenes Süppchen gekocht“, sagt Tim Hennig offen. Genau das soll sich jetzt ändern. Erste konkrete Schritte wurden bereits eingeleitet – unter anderem ein direkter Austausch der Betriebe untereinander, etwa über digitale Gruppen.
Der Fokus liegt klar auf der Zukunft: „Wir wollen nicht mehr zurückschauen, sondern positiv nach vorne gehen“, so Hennig.
Konkrete Themen: Öffnungszeiten, Austausch und Gästeorientierung
Inhaltlich ging es schnell ins Detail. Besonders häufig wurden Themen angesprochen, die Gäste direkt betreffen: verlässliche Öffnungszeiten, bessere Abstimmung zwischen den Betrieben und eine stärkere Orientierung an den Bedürfnissen der Besucher. „Wir müssen mehr darauf hören, was uns die Gäste sagen“, betont Lars-Ole Buth. Viele Rückmeldungen kämen direkt im Alltag an – dieses Wissen müsse künftig besser genutzt werden.
Herausforderungen: Personal und Wohnraum
Neben der positiven Stimmung wurden auch die Probleme klar benannt. Der Fachkräftemangel bleibt eines der größten Themen – eng verbunden mit der angespannten Wohnraumsituation auf der Insel. „Wenn du Mitarbeiter vom Festland bekommst – wo sollen sie wohnen?“, bringt es Hennig auf den Punkt.
Auch Axel Strehl sieht hier eine der zentralen Herausforderungen: Gerade auf einer Insel komme es zusätzlich darauf an, wie Mitarbeitende zur Arbeit gelangen – besonders bei Arbeitszeiten außerhalb des klassischen ÖPNV.
Politik, Betriebe und Verband müssen gemeinsam Lösungen finden
Für Strehl ist klar: Die Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen. „Politik, Verwaltung und Betriebe müssen miteinander reden und Lösungen entwickeln“, sagt er.
Gleichzeitig betont er: Die Branche selbst steht ebenfalls in der Verantwortung. „Wir müssen uns alle weiterentwickeln – das gilt für jeden einzelnen Betrieb.“
DEHOGA soll wieder starke Stimme werden
Ein zentraler Schritt ist jetzt die geplante Neugründung des DEHOGA-Ortsverbandes Föhr. Eine konstituierende Sitzung soll zeitnah folgen. Ziel ist es, wieder eine handlungsfähige Interessenvertretung auf der Insel zu etablieren. „Eine Gemeinschaft kann mehr erreichen als ein einzelner Betrieb“, so Strehl. „Viele Ruderer bringen das Boot schneller voran.“
Blick nach vorne – mit vorsichtigem Optimismus
Trotz aller Herausforderungen überwiegt nach dem Treffen die Zuversicht. „Es hat sich gelohnt, diese Veranstaltung ins Leben zu rufen“, sagt Tim Hennig. Auch Lars-Ole Buth sieht viel Arbeit vor sich – aber auch große Chancen: „Jetzt liegt es an uns, das Ganze weiter voranzubringen.“
Axel Strehl zieht ein klares Fazit seines Besuchs: „Föhr ist ein starker Tourismusstandort. Wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, sehe ich hier eine sehr positive Zukunft.“
Fotos: Stefan Gaul

Jan am 5. April 2026 at 13:05
Sehr gutes Interview 🙂