„Haushalt 2026 ist eine historische Herausforderung“
Veröffentlicht von Pit am 3. Februar 2026
Rede von Amtsdirektor Stemmer vor dem Amtsausschuss: „Haushalt 2026 ist eine historische Herausforderung“
Am 29.01.2026 hielt Christian Stemmer Amtsdirektor des Amtes Föhr-Amrum, eine Rede zur Verabschiedung des Haushaltes 2026. Hier Auszüge der Rede im Wortlaut:

„Schon im Jahr 2022 habe ich bei der Präsentation des Haushaltes 2023 gewarnt: Es werden uns in den nächsten Jahren sehr sichtbare Veränderungen bevorstehen. Was damals noch als Warnung ausgesprochen wurde, ist nur wenige Jahre später Realität geworden: Sinkende Einnahmen aus Gewerbe und Tourismus stehen gestiegenen Preisen gegenüber. Die Energieversorgung ist teurer geworden, die Baukosten sind gestiegen bzw. stehen auf einem hohen Niveau. Alles Faktoren, die die Investitionslast in die Höhe treiben.
Seit 2022 bzw. 2023 sind zudem neue Faktoren hinzugekommen, die zuvor in den Gemeindehaushalten verschwanden und jetzt das Ergebnis zusätzlich beeinträchtigen. Da ist die Bauleitplanung mit 1,1 Mio. EUR, die laut Beschluss der Kommunalaufsicht als Aufwendung in den Amtshaushalt gehört. Hinzu kommen sechsstellige Beträge für juristische Beratungen. All dies hat dazu beigetragen, dass erstmals ein kräftiges Haushaltsdefizit zu verzeichnen ist.
Die Hauptlast der Investitionen liegt 2026 mit 82% bei den Schulen und Kindergärten und wird sich in den nächsten Jahren noch auf über 90% steigern, wenn derzeitige Planungsleistungen in bauliche Maßnahmen umgesetzt werden. Doch eine Investition in die Bildung unserer Kinder ist eine Investition in die Zukunft der Föhrer und Amrumer Gemeinden. Dies ist ein wichtiger Schritt, um einem Fachkräftemangel vorzubeugen, um junge Familien und Arbeitsplätze zu halten und um die Inseln noch lebenswerter zu gestalten. Eine Frage der rechtsstaatlichen Verantwortung ist zudem die Schaffung und Unterbringung von Unterkünften von Geflüchteten und Menschen ohne Obdach.
Von der Verwaltung bis zu den Schulen sind auf der anderen Seite auch deutliche Einsparungen vorgenommen worden. Ein internes, unterjährig arbeitendes Controllingsystem zur Umsetzung des Investitionsplanes wird zukünftig eingerichtet werden, um noch sicherer und vorausschauender auf die finanzielle Entwicklung schauen zu können. Zum Erhalt der finanziellen Handlungsfähigkeit sind beim Amt weiterhin Stellen beispielsweise beim Hochbau oder bei der Gremienbetreuung nicht besetzt, obwohl dies laut Organisationsuntersuchung der Fall sein müsste. Im Vergleich zu ähnlich großen Ämtern, sind wir im Bereich Personalkosten sparsam, aber auch an der Grenze des machbaren angelangt. Die Stellschrauben sind aber definitiv gering.
Die klare Botschaft ist aber: Der Haushalt 2026 ist eine historische Herausforderung, aber auch kein Grund zur Resignation, sondern eher ein Aufruf zu gemeinsamem Handeln. Diese Gemeinsamkeit, dieses gemeinsame Arbeiten, welches bereits praktiziert wird, ist ein hohes Gut. Wir müssen sparen, wo es möglich ist. Jedoch nicht dort, wo es nur noch weh tut. Wir müssen investieren, wo es notwendig ist und gemeinsam, wenn nötig, nach neuen Lösungen suchen. Wir brauchen langfristig aber auch immer strukturelle Lösungen, denn wir brauchen Einnahmen. Unsere Finanzkraft hängt direkt von den Zuflüssen aus den Gemeinden ab. Bleiben diese aus, fehlen uns die Mittel. Ohne diese Finanzkraft müssten neue Schulden aufgenommen werden, um in Zukunft investieren zu können. Für Kommunen keine unbekannte Situation.
Unser Ziel bleibt: Keine Schulden machen – oder nur so gering wie möglich, um die Zukunft zu gestalten. Aber wir haben den Stau der vergangenen Jahrzehnte und den müssen wir beseitigen. Deshalb setzen wir auf Bildung als Standortfaktor und weitere Effizienz im Haushalt; d.h. Kostenstellen weiter beleuchten, das Controlling einführen, um das noch besser zu monitoren. Nur so schaffen wir es, unsere Inseln und unsere Gemeinden für die zukünftigen Generationen stark zu machen bzw. stark zu halten.
Zu meinem Leidwesen erwarten wir keine Zuschüsse auf Bundes- und Landesebene für unsere Schul- und Sportstätten. Aus dem Infrastruktur-Investitionspaket kommt sicherlich ein wenig bei uns an, aber nicht in dem Sinne wie wir uns das als Kommune vorgestellt hätten. Dies ist begrenzt auf Dinge, die vielleicht gar nicht bei uns im Vordergrund stehen.
Nicht alle Ziele aus dem Haushalt 2025 konnten erreicht werden. Baumaßnahmen mussten teilweise mehrfach ausgeschrieben werden oder es gingen keine verwertbaren Angebote ein. Teilweise konnten wir auch nicht das Personal vorhalten, um alles abzuarbeiten. Das ist sicher das Leid vieler. Aber das Dachgeschoss der Hauptstelle in Wyk konnte fertiggestellt werden, die Inselbücherei auf Amrum konnte eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Wir haben uns intensiv mit dem Wärmenetz Föhr-Mitte beschäftigt und mussten dies trotz viel reingesteckter Arbeit beenden. Der erste Abschnitt des Wohnungsbauprojektes wurde projektiert und ausgeschrieben. Das Digitalisierungsmodell wurde weiter vorangetrieben, welches zu 100% durch Landesmittel gefördert wird.
Im Haushaltsjahr 2026 wollen wir die baulichen Maßnahmen abschließen: Die Öömrang Skuul möchten wir im September einweihen, die Umbauten des Ordnungsamtes in Wyk sollen im Mai abgeschlossen werden. Im Verwaltungsgebäude auf Amrum ist das Dachgeschoss fertig, während im Erdgeschoss noch Arbeiten bis Februar/März laufen. Wir werden uns jetzt thematisch vermehrt mit dem Grundschulstandort Föhr-Land und dem Fachklassentrakt Eilun Feer Skuul beschäftigen. Die Obdachlosenunterkünfte auf Amrum sollen Mitte dieses Jahres fertig sein. Der Katastrophenschutz wird eine wesentliche zentrale Säule darstellen. Die im Jahr 2022 ausgerufenen Ziele der Digitalisierung werden wir Ende dieses Jahres abschließen und die Anzahl der angedachten digitalen Leistungen bis dahin abbilden. Die digitale Tourismusabgabe soll bis Ende des Jahres eingeführt werden und das Fachkräfteprojekt abgeschlossen sein. Und auch das neue digitale Amtsblatt ist ein Schritt dieser Digitalisierung.
Mein Dank gilt allen Mitarbeitern, die seit vielen Jahren dem Amt Föhr-Amrum die Treue halten. Die Personalsituation hat sich in den letzten Jahren ein stückweit verbessert. Im Jahr 2020 lagen wir bei 19% unbesetzter Stellen, jetzt liegen wir zwischen 8% und 10%. Da gibt es immer eine gewisse Fluktuation. Die Besetzung von Stellen haben neben Sonderzahlungen und vier tarifbedingten Gehaltssteigerungen zwischen 2020 und 2025 zu einer Erhöhung der Personalkosten geführt. Auch in diesem Jahr wird es im April zu einer weiteren Steigerung von 2,8% kommen. 47% des Haushaltes sind für Personalkosten eingeplant – andere vergleichbare Verwaltungen liegen um 10% höher.
Ich danke für die Aufmerksamkeit und hoffe, dass meine Ausführungen ein Verständnis schaffen konnten, was die Verwaltung im Täglichen bewegt.“
