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Nele Görke und Holger Marquardt starten als Stadtkümmerer

Veröffentlicht von am 19. Juni 2026

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„Wir wollen für die ganze Insel da sein“ – Gemeinsam für Föhr.

Mehr als zwei Jahre wurde über die Idee diskutiert, Fördermittel beantragt, Konzepte entwickelt und Aufgaben definiert. Nun ist es offiziell: Die Stadt Wyk hat ihre ersten Stadtkümmerer. Mit Nele Görke und Holger Marquardt sind seit dem 1. Mai zwei neue Ansprechpartner im Einsatz, die Menschen miteinander vernetzen, Vereine unterstützen und Ideen begleiten sollen. Dabei machten beide bei ihrer Vorstellung schnell deutlich, dass sie ihre Aufgabe nicht an der Stadtgrenze enden lassen möchten. Ihr Blick richtet sich auf die gesamte Insel.

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Bei einer Pressekonferenz stellte Bürgermeister Uli Hess gemeinsam mit den beiden ihre neue Aufgabe vor. Die Idee entstand ursprünglich aus Gesprächen im Senioren- und Jugendbeirat. Immer wieder wurde dort die Frage gestellt, wer sich eigentlich um die vielen Themen kümmern könne, die zwischen Verwaltung, Politik, Ehrenamt und Bürgern liegen. Es gehe nicht um klassische Behördenarbeit, sondern um Menschen, Begegnungen und darum, vorhandene Angebote besser miteinander zu verbinden.

Aus einer Stelle wurden zwei

Ursprünglich war lediglich eine geförderte Stelle vorgesehen. Im Bewerbungsverfahren überzeugten jedoch gleich zwei Kandidaten mit unterschiedlichen, aber gleichermaßen passenden Konzepten. Die Stadt entschied sich deshalb gemeinsam mit dem Fördergeber für eine ungewöhnliche Lösung: Aus einer Stelle wurden zwei Teilzeitstellen.

Für Uli Hess war das eine ideale Kombination. Nele Görke bringt als Sozialpädagogin Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendhilfe mit und kennt die Insel bereits aus ihrer Schulzeit. Nach einigen Jahren auf dem Festland zog sie mit ihrer Familie zurück nach Föhr. „Ein Stück Herz ist immer hier geblieben“, berichtete sie während der Vorstellung.

Holger Marquardt kam vor zweieinhalb Jahren auf die Insel und war zuvor viele Jahre in der Arbeitsvermittlung tätig. Bereits vor seiner Bewerbung engagierte er sich mit Handykursen für Senioren und knüpfte zahlreiche Kontakte auf Föhr. Heute sieht er die neue Aufgabe vor allem als Chance, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Vernetzen statt verwalten

Wer die beiden fragt, was ein Stadtkümmerer eigentlich macht, bekommt keine starre Stellenbeschreibung als Antwort. Vielmehr verstehen sich beide als Vermittler zwischen Menschen, Vereinen, Institutionen und Verwaltung. In den ersten Wochen haben sie bereits zahlreiche Gespräche geführt – und dabei festgestellt, dass es auf Föhr keineswegs an Ideen mangelt. Viel häufiger fehle es an Zeit, Vernetzung oder schlicht daran, voneinander zu wissen. Zahlreiche Projekte seien vorhanden oder bereits einmal angestoßen worden, würden aber häufig an fehlenden Ressourcen scheitern. Genau hier möchten die Stadtkümmerer ansetzen. Sie wollen Menschen zusammenbringen, Kontakte herstellen und dabei helfen, Ideen weiterzuentwickeln.

Ehrenamt als zentrales Thema

Besonders häufig fiel während der Gespräche der Begriff Ehrenamt. Viele Vereine und Organisationen suchen Unterstützung, gleichzeitig engagieren sich auf Föhr zahlreiche Menschen bereits in unterschiedlichsten Bereichen. Oft wissen diese jedoch gar nicht voneinander. „Der Bedarf ist enorm“, berichteten Görke und Marquardt. Deshalb soll das Ehrenamt zu einem der ersten Schwerpunkte ihrer Arbeit werden. Denkbar sind regelmäßige Austauschrunden, Netzwerktreffen oder gemeinsame Projekte, die verschiedene Akteure zusammenbringen. Dabei gehe es nicht nur um große Vorhaben. Manchmal seien es gerade die kleinen Ideen, aus denen später etwas Größeres entsteht.

Begegnungen schaffen und Einsamkeit entgegenwirken

Ein weiteres Thema, das in vielen Gesprächen auftauchte, ist Einsamkeit. Vor allem ältere Menschen seien davon betroffen, doch auch jüngere Generationen würden zunehmend darunter leiden. Die Stadtkümmerer denken deshalb bereits über neue Begegnungsangebote nach. Im Gespräch waren unter anderem Seniorencafés, generationsübergreifende Projekte oder sogenannte Repair-Cafés, in denen gemeinsam repariert, gebastelt und sich ausgetauscht wird. Auch die friesische Sprache und Kultur könnten dabei künftig eine Rolle spielen.

Für Bürgermeister Uli Hess ist dabei vor allem eines entscheidend: mehr miteinander reden statt übereinander. Viele Ideen seien auf der Insel bereits vorhanden. Nun brauche es Menschen, die sie aufgreifen und miteinander verbinden.

Die ganze Insel im Blick

Obwohl die Stelle offiziell bei der Stadt Wyk angesiedelt ist, sehen Görke und Marquardt ihren Auftrag deutlich größer. Beide betonten mehrfach, dass sie keine Grenzen zwischen Stadt und Föhr-Land ziehen möchten. Schon jetzt führen sie Gespräche weit über die Stadtgrenzen hinaus. „Wir wollen keine Grenzen ziehen“, sagte Nele Görke. Kommunikation müsse über Vereinsgrenzen, politische Grenzen und Ortsgrenzen hinweg funktionieren.

Auch Uli Hess unterstützt diesen Ansatz ausdrücklich. Er sieht in den Stadtkümmerern eine Chance, das Gemeinschaftsgefühl auf der gesamten Insel weiter zu stärken. Sollte sich das Modell bewähren, könnte daraus langfristig sogar ein inselweites Angebot entstehen.

Niedrigschwellig erreichbar

Wichtig ist den beiden außerdem, dass die Menschen sie aktiv ansprechen. Niemand könne alle Probleme und Ideen auf der Insel kennen. Deshalb wünschen sie sich ausdrücklich Hinweise, Vorschläge und Anregungen aus der Bevölkerung.

Die Stadtkümmerer sind derzeit per E-Mail unter stadtkuemmerer(at)wyk.de erreichbar. Ein eigenes Büro soll ebenfalls folgen. Dabei spielt insbesondere Barrierefreiheit eine wichtige Rolle, damit möglichst alle Bürgerinnen und Bürger unkompliziert Kontakt aufnehmen können.

Eines wurde bei der Vorstellung jedenfalls deutlich: Ideen gibt es viele. Jetzt beginnt die Phase, in der aus Gesprächen konkrete Projekte entstehen sollen. Oder wie Bürgermeister Uli Hess es formulierte: „An Ideen wird es nicht scheitern.“

Foto: Stefan Gaul 

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