Erster E-Linienflug nach Föhr
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 1. Juni 2026
Während über die Zukunft des Flugplatzes gestritten wird: Erster elektrischer Linienflug erreicht Föhr – Carstensen nennt Bahnschließung „hanebüchen“.
Es war ein historischer Moment für Föhr – und einer, der kaum zu einem spannenderen Zeitpunkt hätte stattfinden können. Am vergangenen Samstag landete erstmals ein elektrisches Flugzeug im regulären Linienbetrieb auf dem Flugplatz Wyk. Was auf den ersten Blick wie eine technische Premiere erscheint, entwickelte sich vor Ort schnell zu einem Symbol für die Zukunft der regionalen Luftfahrt. Denn während auf der Insel seit Monaten über die Zukunft des Flugplatzes, mögliche Investoren und den Erhalt der Ost-West-Bahn diskutiert wird, zeigte dieser Flug eindrucksvoll, welche Rolle moderne Luftfahrt künftig auch auf Föhr spielen könnte.

Mit an Bord der Pipistrel Velis Electro saß Schleswig-Holsteins ehemaliger Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Für ihn war die Landung weit mehr als ein Fototermin oder ein symbolischer Erstflug. „Dies ist zwar der erste Streckenflug und Linienflug mit einem Elektroflugzeug in Schleswig-Holstein, aber ich bin ganz froh, ganz stolz und ganz dankbar, dass wir das machen konnten“, sagte Carstensen nach der Landung auf Föhr. Sein Dank galt dabei nicht nur den beteiligten Unternehmen, sondern auch den Menschen, die die notwendige Infrastruktur überhaupt erst möglich gemacht haben. Denn ohne Ladepunkte auf den Flugplätzen wäre ein solcher Streckenflug bislang gar nicht denkbar gewesen.
Aus einer Idee wird ein Netzwerk
Tatsächlich steckt hinter der Landung deutlich mehr als nur ein einzelner Flug. Auf Föhr und am Verkehrslandeplatz Rendsburg-Schachtholm wurden neue Ladepunkte installiert, die künftig weitere elektrische Flugverbindungen ermöglichen sollen. Ziel ist der Aufbau eines norddeutschen Netzwerks für elektrische Luftfahrt.


Bisher standen die wenigen elektrischen Flugzeuge in Schleswig-Holstein vor einem einfachen Problem: Sie konnten starten, Platzrunden fliegen und wieder auf demselben Flugplatz landen. Für echte Streckenflüge fehlte die Infrastruktur. Genau das ändert sich nun. „Jetzt können wir von Sylt über Wyk nach Husum, nach Rendsburg und nach Neumünster fliegen“, erklärte Carstensen. Gleichzeitig laufen bereits Gespräche über weitere Ladepunkte auf Flugplätzen in St. Peter-Ording, Flensburg, Lübeck, Kiel und anderen Standorten im Norden.
Auch Jarne Köpping, stellvertretender Geschäftsleiter des Verkehrslandeplatzes Rendsburg-Schachtholm, sieht darin einen wichtigen Schritt. Sein Flugplatz gehört zu den ersten Standorten des neuen Netzwerks. „Elektrofliegerei wird die Zukunft sein“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Vor allem für die Pilotenausbildung und regionale Kurzstrecken sieht er großes Potenzial. Dass er für diesen Tag extra aus Rendsburg nach Föhr gekommen war, zeigt, welche Bedeutung die Beteiligten dem Projekt beimessen.


Leiser als viele erwarten würden
Wer am Samstag auf dem Flugplatz stand, bemerkte schnell einen Unterschied zu herkömmlichen Maschinen. Die Pipistrel Velis Electro war kaum zu hören. Für viele Besucher war genau das die größte Überraschung des Tages. „Wir wollten mal zeigen, wie leise das ist“, sagte Peter Harry Carstensen. „Bei dem Wetter einen Drachen steigen zu lassen, ist lauter, als mit so einem Flugzeug hier anzukommen.“
Tatsächlich liegt der Geräuschpegel der Maschine bei rund 60 dBA. Zum Vergleich: Klassische Schulflugzeuge erreichen häufig 80 dBA und mehr. Michael Barkhausen von Green Aviation Sylt erklärt, dass die elektrische Maschine von vielen Menschen nur noch als etwa ein Viertel der Lautstärke eines herkömmlichen Flugzeugs wahrgenommen werde. Gerade auf einer Insel wie Föhr, wo Diskussionen über Fluglärm immer wieder geführt werden, ist das ein Aspekt, der Aufmerksamkeit erzeugt. Die elektrische Luftfahrt verspricht nicht nur weniger lokale Emissionen, sondern auch deutlich leisere Flugbewegungen.
Föhr wird Teil einer neuen Luftfahrtgeneration
Die eingesetzte Pipistrel Velis Electro gilt als weltweit erstes vollelektrisches Flugzeug mit europäischer Musterzulassung. Das Flugzeug verfügt über zwei voneinander unabhängige Batteriesysteme mit insgesamt 20 Kilowattstunden Kapazität. Geladen werden kann es nun direkt auf Föhr mit einer Leistung von 20 Kilowatt. Unter idealen Bedingungen dauert eine vollständige Ladung etwa eine Stunde.
Doch die Technik allein ist nicht die eigentliche Geschichte dieses Tages. Viel wichtiger ist die Frage, was daraus entstehen kann. Barkhausen betreibt auf Sylt eine Flugschule und sieht durch die neuen Ladepunkte völlig neue Möglichkeiten. Künftig könnten Flugschüler auch Föhr anfliegen und dort trainieren. „Je engmaschiger das Netz ist, desto mehr Sinn macht es für alle“, erklärte Barkhausen. Nur wenn ausreichend Ladepunkte vorhanden seien, könne elektrische Luftfahrt im Alltag funktionieren. Genau deshalb seien die neuen Standorte auf Föhr und in Rendsburg ein wichtiger Anfang.


Ausgerechnet die Ost-West-Bahn wird zum Schlüssel
Besonders interessant wurde der Tag jedoch durch einen Umstand, der vielen Besuchern zunächst gar nicht auffiel. Das Elektroflugzeug landete auf der Ost-West-Bahn 09/27 – genau jener Bahn, deren Zukunft auf Föhr seit Monaten diskutiert wird. Der Grund dafür war einfach: Der Wind kam am Samstag kräftig aus westlicher Richtung. Ohne die Ost-West-Bahn wäre die Landung deutlich schwieriger geworden. „Wenn wir die 27 heute nicht gehabt hätten, hätte man hier höchstwahrscheinlich nicht landen können“, sagte Jarne Köpping. Bereits zwölf Knoten Seitenwind seien für viele Flugzeuge eine Herausforderung.
Auch Michael Barkhausen sieht die Bedeutung der beiden Bahnen eindeutig. „Es ist auf jeden Fall ein deutlicher Sicherheitsgewinn, hier auf Föhr auch zukünftig zwei kreuzende Bahnen zu haben.“ Damit wurde ausgerechnet bei diesem historischen Flug praktisch demonstriert, warum viele Piloten und Luftfahrtexperten den Erhalt beider Bahnen für wichtig halten.


Deutliche Worte von Peter Harry Carstensen
Entsprechend klar äußerte sich auch Peter Harry Carstensen zur aktuellen Debatte um den Flugplatz. Seit Monaten wird über die Zukunft des Standorts diskutiert. Im Raum stehen unter anderem Investorenangebote, die langfristige Sicherung des Flugplatzes sowie die Frage, welche Rolle die verschiedenen Bahnen künftig spielen sollen. Carstensen machte keinen Hehl daraus, wie er die Diskussion bewertet. „Wir haben eine besondere Sicherheitslage in Schleswig-Holstein. Alle reden darüber, wir intensivieren alles, was an Sicherheitsmöglichkeiten da ist. Und dann einen Flugplatz zuzumachen oder auch nur eine Landebahn zu schließen – andere Bundesländer lachen über uns. Das ist hanebüchen.“
Zugleich verwies er auf die laufenden Gespräche rund um die Zukunft des Flugplatzes und die vorliegenden Angebote der Investorengruppe um Frederik Paulsen, Dirk Lehmann und Dr. Matthias Redlefsen.
Mehr als nur ein Flug
Der erste elektrische Linienflug nach Föhr war damit weit mehr als eine technische Spielerei oder ein einmaliger Test. Er zeigte, wie regionale Luftfahrt künftig aussehen könnte: leiser, emissionsärmer und besser vernetzt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass moderne Konzepte nur dort funktionieren können, wo die notwendige Infrastruktur erhalten bleibt und weiterentwickelt wird.
Kurz nach dem ersten elektrischen Linienflug landete übrigens ausgerechnet ebenfalls auf der Ost-West-Bahn 09/27 ein größeres Geschäftsflugzeug der Reederei Frisia auf dem Flugplatz Wyk. Empfangen wurden die Gäste direkt vor Ort. Eine interessante Randnotiz an einem Tag, an dem erneut über die Zukunft des Flugplatzes diskutiert wurde.

Fotos: Stefan Gaul

Daniela am 1. Juni 2026 at 11:07
Was eine FARCE!! Starker Artikel vom Inselradio Föhr. Endlich wird auch berichtet was hinter den Kulissen abläuft!! Die Bürgerinnen der Insel müssen Bescheid wissen.
Kai aus Hamburg am 1. Juni 2026 at 9:05
Ich habe mich verlesen oder? Das ja ein Skandal mit dem Flugzeug der Reederei
René Wallius am 1. Juni 2026 at 8:51
Jetzt sagt nicht das die Reederei der Insel da Leute hat einfliegen lassen?!
Jan am 1. Juni 2026 at 8:42
Tolle Sache 🙂 Und Herr Carstensen seine Aussagen sind sehr deutlich warum diskutiert die Insel Föhr überhaupt noch? Und die letzten Sätze im Artikel sind richtig gut und sagen echt alles 😀
Olaf R am 1. Juni 2026 at 8:55
Peter Harry Carstensen ist jemand der uns schon vor Jahren sehr begeistert hat und seine Worte sollte man schon überdenken
Föhr macht sich immer immer weiter kaputt und wenn der Flugplatz auch noch entfällt gute Nacht
Und auch wir haben uns beim Lesen über den letzten Absatz weggelacht 😀 😀 Das ist ja schon zu unglaublich um wahr zu sein 😀