Die Liebe steht im Mittelpunkt
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 30. Mai 2026
Emotionales Interview mit André van Gemmert. Er spricht erstmals über Janines schwere Hirnblutung, Angst, Hoffnung, unglaublichen Zusammenhalt und den schweren Kampf zurück ins Leben
Es war ein Gespräch, das unter die Haut ging. Ruhig, ehrlich, tief emotional – und voller Liebe. Zum ersten Mal seit der schweren Hirnblutung von Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert hat ihr Ehemann André van Gemmert ausführlich öffentlich gesprochen. Über die dramatischen Stunden nach dem Notfall während der Buckelwal-Rettung rund um „Timmy“, über die Zeit im Koma, die Angst, die Hoffnung, kleine Fortschritte – und über einen Zusammenhalt, der weit über Föhr hinaus Menschen bewegt hat. Viele kennen Janine Bahr-van Gemmert als engagierte Leiterin des Tierhuus und Robbenzentrums Föhr. Als jemanden, der oft bis an die eigenen Grenzen gegangen ist, um Tieren zu helfen. Als eine Frau, die für den Tierschutz lebt. Genau diese Frau erlitt plötzlich eine schwere Hirnblutung, musste notoperiert werden und lag mehrere Tage im Koma. Seitdem bangen unzählige Menschen mit ihr, ihrer Familie und ihrem Team. Im Inselradio Föhr sprach André van Gemmert nun erstmals ausführlich über diese schwere Zeit – und man merkte vom ersten Moment an: Dieses Gespräch war weit mehr als nur ein Interview.

Schon die ersten Worte von André machten deutlich, wie sehr ihn die vergangenen Wochen verändert haben. Ruhig sitzt er im Studio, spricht bedacht, fast philosophisch. Und trotzdem liegt über jedem Satz eine enorme emotionale Kraft. „Es geht mir eigentlich recht gut“, sagt er zunächst. „Und ich freue mich, dass es Janine etwas besser geht.“ Dann nimmt er die Zuhörer mit zurück zu diesem Abend, an dem plötzlich nichts mehr war wie vorher.
„Plötzlich war alles andere nicht mehr wichtig“
Es war der 20. April, als André den Anruf aus Rostock erhielt. Janine war nach dem medizinischen Notfall während der Wal-Rettung mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik gebracht worden. Die Lage ernst. „Der Chirurg sagte mir: Ihre Frau liegt im Koma.“ Ein Satz, der alles veränderte. Besonders eindrücklich schilderte André im Gespräch die Hilflosigkeit dieses Moments. Die Fähren waren bereits weg. Er konnte nicht sofort zu ihr. Und plötzlich fühlte sich die Insel, die sonst Heimat und Geborgenheit bedeutet, ganz anders an. „Da merkte ich auf einmal: Da ist Wasser zwischen uns.“ Ein Satz, der im Studio hängen blieb. Er beschreibt, wie plötzlich alles andere unwichtig wurde. Keine Termine mehr. Keine Alltagsprobleme. Keine Nebensächlichkeiten. Nur noch die Frage: Wie komme ich zu ihr? Wie geht es weiter?


Als er schließlich in Rostock ankam, wartete bereits die nächste emotionale Ausnahmesituation. Im selben Raum befand sich eine andere Familie, die gerade Abschied von einem Angehörigen nehmen musste. Erst danach durfte André zu Janine. „Man sagte mir vorher: Bitte erschrecken Sie nicht.“ Dann sah er sie. Blass. Geschwollen. Kaum wiederzuerkennen. Aber trotzdem war da sofort dieser eine Gedanke: „Es war Janine.“
Tage zwischen Hoffnung, Angst und Krankenhausfluren
Was folgte, waren Tage voller Unsicherheit. Tage zwischen Intensivstation, Hoffnung und Warten. André verbrachte Stunden am Krankenbett seiner Frau. Stunden, in denen oft gar nichts passierte. Stunden, in denen Janine schlief. Stunden, in denen die Maschinen arbeiteten und Ärzte versuchten einzuschätzen, wie sich alles entwickeln würde. Und trotzdem verlor André nie die Hoffnung. „Ich bin positiv eingestellt“, sagt er ruhig. Man merkt im gesamten Gespräch, wie sehr ihn diese Haltung trägt. Immer wieder spricht er davon, dass man Kraft brauche. Kraft, um weiterzumachen. Kraft, um selbst stabil zu bleiben. Kraft, um Janine helfen zu können.
Gleichzeitig erzählt er aber auch offen von den emotionalen Belastungen dieser Zeit. Von der Einsamkeit in Rostock. Von dem Gefühl, plötzlich völlig aus dem normalen Leben herausgerissen zu werden. Halt fand er ausgerechnet bei alten Bekannten: einer ehemaligen Pastorenfamilie von Föhr, die inzwischen in Rostock lebt. Sie begleiteten ihn durch diese schwere Zeit, luden ihn zum Essen ein, gingen mit ihm spazieren, hörten ihm zu – und beteten gemeinsam mit Janine. „Das war für mich ein sehr guter Ausgleich“, erzählt André. Gerade diese Momente zeigen, wie sehr sich durch diese Geschichte plötzlich neue Verbindungen entwickelt haben. Wie Menschen zusammenrücken. Wie aus Anteilnahme echte Nähe entsteht.


„Liebe Schatz“ – ein kleiner Satz mit riesiger Bedeutung
Besonders bewegend wurde das Gespräch, als André von dem Moment erzählte, in dem Janine langsam aus dem Koma zurückkehrte. Denn dieses Erwachen geschah nicht plötzlich. Es war ein langsamer Prozess. Die Beatmung wurde reduziert. Die Atmung stabilisierte sich. Kleine Reaktionen kamen zurück. Und irgendwann begann Janine wieder zu sprechen. Der erste Satz, der André besonders im Gedächtnis blieb: „Liebe Schatz.“
Im Studio wurde es still. André beschreibt, wie sehr ihn dieser Moment berührt hat. Wie langsam wieder Verbindung entstand. Wie er mit ihr sprach, selbst wenn sie schlief. Wie beide versuchten, sich Schritt für Schritt zurück ins Leben zu kämpfen. „Wenn ich das Zimmer verlassen habe, habe ich gesagt: Wir denken aneinander.“ Besonders bemerkenswert: Trotz allem zeigt sich bei Janine offenbar schon wieder genau der Charakter, den so viele Menschen an ihr kennen. Direkt. Stark. Unruhig. Voller Energie. Irgendwann sagte sie im Krankenhaus: „Mir ist langweilig hier.“ Für André ein fast beruhigender Moment. „Das ist schon wieder Janine“, sagt er mit einem Lächeln.
Eine Frau, die nie anders konnte
Im Laufe des Gesprächs wird immer deutlicher, dass Janines Einsatz für Tiere für André weit mehr ist als nur ein Beruf oder ein Hobby. Es ist ihre Lebensaufgabe. Schon als Kind habe sie verletzte Tiere von der Straße geholt. Schon damals habe sie alles retten wollen. Daran habe sich bis heute nichts geändert. „Sie kann gar nicht anders“, sagt André. Immer wieder spricht er über das Tierhuus und das Robbenzentrum Föhr. Über Tiere, die verletzt gefunden werden. Über Robbenbabys. Über Wildtiere. Über unzählige Situationen, in denen geholfen werden musste.
Dabei beschreibt André auch die Unterschiede zwischen ihnen beiden. Während Janine Mensch und Tier oft komplett gleichstelle, sehe er manche Dinge philosophischer. Trotzdem verbindet beide dieselbe Grundhaltung: helfen. „Man lässt Tiere nicht verrecken“, sagt er irgendwann ganz ruhig. Und genau diese Haltung spüren offenbar auch viele Menschen auf Föhr und weit darüber hinaus.

Über 70.000 Euro – eine Welle der Menschlichkeit
Denn parallel zur Sorge um Janine entstand etwas, womit niemand gerechnet hatte: eine riesige Welle der Unterstützung. Gemeinsam mit dem Inselradio Föhr startete Annette Keisat spontan eine GoFundMe-Spendenaktion für Janine, André und das Tierhuus. Ohne großen Plan. Einfach aus dem Gefühl heraus, helfen zu wollen. „Ich habe gehandelt, bevor ich nachgedacht habe“, erzählt sie. Innerhalb kürzester Zeit explodierte die Aktion förmlich. Menschen spendeten. Briefe kamen an. Nachrichten. Anteilnahme. Unterstützung aus ganz Deutschland. Mittlerweile sind über 70.000 Euro zusammengekommen.
Für André bis heute kaum greifbar. „Ich wollte das alles zuerst gar nicht richtig wissen“, gibt er offen zu. Denn für ihn stand die ganze Zeit nur eines im Mittelpunkt: Janine. Trotzdem spürt man, wie dankbar er ist. Vor allem, weil diese Hilfe dem Tierhuus nun Luft verschafft. Denn während André wochenlang bei Janine in Rostock war, musste der Betrieb auf Föhr trotzdem weiterlaufen. Tiere mussten versorgt werden. Robben betreut werden. Rechnungen bezahlt werden. Mitarbeiter organisiert werden. „Es geht eigentlich nur um die Tiere“, sagt André irgendwann. Und genau deshalb sei diese Unterstützung so wichtig.
Die GoFundMe-Spendenaktion läuft weiterhin:
https://www.gofundme.com/f/hilfe-fur-tierarztin-janine-bahr-van-gemmert
„Die zukünftige Janine wird immer Janine bleiben“
Zum Ende des Interviews richtet sich der Blick langsam nach vorne. Noch immer ist vieles ungewiss. Noch immer wird der Weg lang. Noch immer braucht alles Zeit. Aber André wirkt trotz allem voller Hoffnung. „Sie wird wieder Janine“, sagt er überzeugt. Gleichzeitig wünscht er sich, dass sie in Zukunft vielleicht auch ein wenig mehr auf sich selbst achtet. Weniger nur für andere kämpft. Auch mal innehält. Ob das gelingt? Im Studio wird gelacht. Denn alle wissen: Das wäre eigentlich nicht typisch Janine.
Die letzte Frage des Interviews trifft André dann noch einmal besonders. Was möchte er Janine sagen, wenn sie dieses Gespräch irgendwann selbst hört? Er denkt kurz nach. Dann sagt er ruhig: „Die zukünftige Janine wird immer für mich Janine bleiben.“ Ein Satz, der wahrscheinlich vielen Menschen auf Föhr noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Denn dieses Gespräch zeigte vor allem eines: Wie viel Kraft Liebe haben kann. Wie stark Zusammenhalt sein kann. Und wie viele Menschen bereit sind zu helfen, wenn es wirklich darauf ankommt.
Fotos: Stefan Gaul u. Privat

CinFan am 3. Juni 2026 at 17:19
Ja, so ein Schlaganfall kann sehr vieles verändern.
Von einer auf die andere Minute steht das Leben Kopf. Meine Mutter hatte ebenfalls eine Hirnblutung. Zum Glück wurde sie rechtzeitig von meinem Vater gefunden und konnte schnell auf die Stroke Unit kommen.
Sieben Tage später kam sie schon auf die Frühreha. 3 Tage später wollten wir, die Kinder mit ihrem Vater in die Reha fahren und sie besuchen. Als wir unseren Vater abholen wollten, haben wir ihn tot auf der Gartenbank gefunden.
Und nun stehen beide Kinder da, müssen ihrer Mutter erklären das ihr Mann/Vater verstorben ist.
Im Hintergrund kommen viele Dinge auf die beiden Kinder zu. Auf der einen Seite die Mutter in der Reha, auf der anderen Seite müssen sie eine Beerdigung planen, finanzielle Sorgen, ein Haus mit Grundstück um was sich gekümmert werden muss, die eigene Familie mit einem schwerbehinderten Kind.
Und da ist niemand da und fragt ob man helfen kann. Man steht vor sehr vielen Problemen, schiebt die Beerdigung vor sich her, damit die Mutter dabei sein kann. Muss einen Pflegeplatz finden, damit die Mutter gut betreut werden kann, weil sie halbseitig gelähmt nicht alleine leben kann und immer noch die Situation, dass unsere Mama zwar weiß daß ihr Mann verstorben ist, aber es noch nicht wirklich real ist. Und so geht es weiter, zwischen dem eigenen Familienleben, dem Haus, der Mutter um die man sich kümmert, mit viel zu wenig Zeit für alles gleichzeitig.
Wilfried Heumann am 3. Juni 2026 at 9:55
Wunderbare Worte von Andre und eine ganz tolle Fragenstellung vom Inselradio 🙂 Auch bei uns sind Tränen gekommen. Haben es auch unter Bild.de gefunden schön das auch andere Medien dieses wundervolle Interview abdrucken. Alles Liebe für Janine und ihren Mann Andre.
M.AA am 2. Juni 2026 at 22:55
Was für ein starkes Interview unsere Tränchen fliessen immer noch wuuu. Also das sollte jede grosse Zeitung abdrucken und sämtliche TVsender die sich für dieses Thema interessiert haben auch drüber berichten. Die Spendenaktion ist eine so schöne Idee danke für diesen Einsatz und wie gesagt für dieses hochemotionale Gespräch mit Herr V.Gemmert
Jennifer am 2. Juni 2026 at 14:31
Danke für dieses sehr empathische Interview! Es zeigt, was für besondere Menschen Janine und ihr André sind und wie wichtig ihre Arbeit ist. Ganz schnelle Genesung, liebe Janine, wünsche ich Dir von Herzen.
Tierfreundin aus Dresden am 1. Juni 2026 at 22:34
Vielen Dank für das Interview. Ich bin selber durch Hope auf Frau van Gemmert aufmerksam geworden. Und als ich dann auf der Homepage war und dieses Zitat von Franz von Assisi gesehen habe, ist mir so das Herz aufgegangen. Es ist so schön in dieser Welt noch Menschen zu treffen, die sich um andere so kümmern. Man kommt sich sehr oft, wenn man auch so veranlagt ist, sehr einsam vor. Viele Menschen sprechen schlecht über einen, nur weil man ein liebendes Herz hat. Das tut manchmal sehr weh und deshalb empfand ich es als so wunderschön zu sehen, das man damit doch nicht so allein ist, wie man manchmal denkt. In den Augen von Tieren kann man Gottes Liebe sehr gut erkennen. Wir können so viel von Tieren lernen. Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung-für mich sind es die Tiere, die Gottes Liebe widerspiegeln. Ich wünsche Frau van Gemmert so sehr alles liebe, Gottes Segen und Kraft. Auch Fr. Dr. Tönnies hat mir so viel Hoffnung gegeben und sie hat ja auch so liebevoll an Frau van Gemmert gedacht. Vielen Dank für das wunderschöne Vorbild dieser 2 starken mitfühlenden Frauen! Daran sollten wir uns alle orientieren. Für mich ist es das Idealbild von echten warmherzen Menschen, wie Sie von Gott in Wirklichkeit gewollt sind. Danke für alles.
Sylvia Heuermann am 2. Juni 2026 at 12:17
Perfekt geschrieben! Dem ist nichts hinzuzufügen!!! Danke dafür und Frau van Gemmert wünsche ich gute Genesung und passen Sie auf sich auf!! Auch vielen Dank an Herrn van Gemmert für das tolle, offene Interview.
Kerstin am 1. Juni 2026 at 14:55
Ergreifendes Interview uns sind auch Tränen gekommen. Danke Stefan
PE am 1. Juni 2026 at 14:42
Danke für die herzlichen Worte und alles lLebe und Gute für Janine van Germmert
Silke Hesper am 1. Juni 2026 at 12:35
…. dankeschön, lieber Andre für dieses tolle, emotionale Intervieuw – ich wünsche Euch alles, alles Liebe und das Janine ganz, ganz schnell wieder gesund wird –
Anika am 31. Mai 2026 at 19:17
Es tut sehr gut so wunderbaren Menschen mit so großen Herzen Menschen zuzuhören. Und natürlich freue ich mich über die positive Entwicklung von Janin’s Gesundheitszustand!
Alles Liebe für euch und weiterhin ganz viel Kraft!!!
Christine am 31. Mai 2026 at 17:56
Ich bin sehr ergriffen vom Interview , ich war nicht selber dabei, komme aus Köln , was diese Frau macht , bewundernswert , stark …genau wie Ihre Familie und die alle die hinter der Robbenrettung Föhr stehen, ich wünsche allen viel Kraft weiterhin, für alle Tiere die ihr das Leben zurückgeben habt,…Dankeschön, sende viel liebe raus
Sandra P. am 31. Mai 2026 at 11:29
Tolles Interview. Mir sind die Tränchen gekullert. Wir wünschen Janine und André weiterhin alles Gute auch für das Robbenzentrum ❤️
Elisabeth N am 31. Mai 2026 at 9:43
Ein sehr einfühlsam geführtes Gespräch. Wir wünschen dir Janine und Andre alles Gute und das die Liebe so stark bleibt
Familie Aschau am 31. Mai 2026 at 8:57
Uns sind die Tränen gekommen. Danke liebes Inselradio Föhr für dieses Interview !