Tourismus auf Föhr unter Druck: Harte Kritik an der FTG und klare Forderungen
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 24. Juni 2026
Der Tourismus auf Föhr steht vor wichtigen Entscheidungen. In der jüngsten Verbandsversammlung des Zweckverbandes Tourismus wurde die Arbeit der Föhr Tourismus GmbH (FTG) ungewöhnlich offen diskutiert. Kritik an fehlenden Visionen, schleppender Umsetzung und der strategischen Ausrichtung der Insel prägten den Abend. Gleichzeitig wurden neue Ideen, Herausforderungen bei der Kurabgabe und Zukunftspläne für Föhrs touristische Entwicklung vorgestellt.
„Da ist immenser Druck auf dem Kessel“ – Kritik an der FTG, Forderungen nach mehr Visionen und ein klarer Auftrag für den Tourismus auf Föhr
„Da ist immenser Druck auf dem Kessel.“ Mit diesem Satz brachte Wyks Bürgermeister Uli Hess die Stimmung in der 8. Verbandsversammlung des Zweckverbandes Tourismusverband Föhr wohl treffender auf den Punkt wie kaum ein anderer Redner an diesem Abend. Selten wurde die Arbeit der Föhr Tourismus GmbH (FTG) so deutlich hinterfragt. Und selten wurden die Erwartungen an Politik, Tourismusbranche und FTG so klar formuliert.
Was als reguläre Sitzung mit Berichten und Sachständen begann, entwickelte sich über weite Strecken zu einer Grundsatzdebatte über die touristische Zukunft der Insel. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse der Veranstaltung „Quo Vadis Föhr“, die Frage nach der strategischen Ausrichtung der Insel, die Kommunikation zwischen FTG, Gemeinden und Betrieben sowie die Sorge, dass viele wichtige Entwicklungen über Jahre diskutiert, aber nicht konsequent umgesetzt wurden.

Tourismuszahlen sorgen bereits zu Beginn für Diskussionen
Schon in der Einwohnerfragestunde wurde deutlich, dass das Thema Tourismus viele Menschen bewegt. Ulrike Wolff-Thomsen, Direktorin des Museums Kunst der Westküste, sprach unterschiedliche Zahlen der Wyker Dampfschiffs-Reederei und der Föhr Tourismus GmbH an und bat um eine Erklärung. FTG-Geschäftsführer Jochen Gemeinhardt erläuterte, dass die Zahlen der FTG auf dem Meldescheinsystem sowie zusätzlichen manuellen Erfassungen basieren. Nach seinen Angaben liegen die Ankünfte aktuell um 4,6 Prozent und die Übernachtungen um 1,9 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Gemeinhardt machte dabei keinen Hehl daraus, dass ihn die immer wiederkehrenden Diskussionen über die Zahlen zunehmend beschäftigen. Er halte es für schwierig, sich seit Monaten immer wieder für positive Entwicklungen rechtfertigen zu müssen. Die Zahlen der W.D.R. und der FTG seien aus seiner Sicht nachvollziehbar und korrekt. Er stehe regelmäßig mit der Geschäftsführung der Reederei im Austausch und sehe keinen grundsätzlichen Widerspruch. Im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass unterschiedliche Erhebungsmethoden, Tagesgäste, Handwerker, Pendler und weitere Faktoren direkte Vergleiche erschweren.
Neuer DEHOGA-Vorstand will frischen Schwung bringen
Anschließend stellte sich der neue DEHOGA-Vorstand mit Tim Hennig als Vorsitzendem sowie Peter Dethlefsen (Kassenwart) vor. Der zweite Vorsitzende, Lars-Ole Buth, war an diesem Abend verhindert. Die beiden machten deutlich, dass sie den Austausch zwischen Gastronomie, Hotellerie, Politik und Tourismus intensivieren wollen.
Die Vorstellung entwickelte sich schnell zu einer Diskussion darüber, wie die Insel künftig attraktiver werden kann. Bürgermeister Hark Steinert aus Utersum begrüßte die vorgestellten Ideen ausdrücklich und betonte, dass die Kommunen ihren Teil dazu beitragen müssten, gute Ideen möglichst unkompliziert zu ermöglichen. Die Ideen seien vorhanden – nun müsse man sie auch umsetzen.
Uli Hess verwies darauf, dass nicht jede Betriebsschließung automatisch ein Zeichen für eine touristische Krise sei. Viele Geschäftsaufgaben hätten auch mit dem Alter der Betreiber zu tun. Gleichzeitig zeigte er sich beim Thema Mitarbeiterwohnen optimistisch. Mit den geplanten 48 Wohneinheiten am Kortdeelsweg könne ein wichtiger Beitrag geleistet werden, um Wohnraum für Beschäftigte auf der Insel zu schaffen. Außerdem appellierte Hess daran, Föhr nicht ständig schlechtzureden. Die Insel habe enorme Stärken und die Medien könnten ihren Teil dazu beitragen, diese ebenfalls sichtbar zu machen.
Auch Hark Riewerts, Bürgermeister aus Oldsum, begrüßte die Initiative des DEHOGA. Er verwies auf Dagebüll, wo sich viele Akteure zusammengeschlossen hätten, um regelmäßig Veranstaltungen und Angebote zu organisieren. Auf Föhr sei manches über Jahre eingefahren gewesen. Umso wichtiger sei es, dass nun neue Impulse entstehen. Volker Stoffel (KG) widersprach der Aussage, dass nichts passiert sei. Vieles sei nicht gescheitert, sondern schlicht eingeschlafen. Nun gelte es, die Themen wieder aufzugreifen.

Klaus Pott erinnert an die Konzepte von 2021
Der eigentliche Schwerpunkt des Abends begann mit der Diskussion über die Ergebnisse von „Quo Vadis Föhr“. Besonders Klaus Pott (FDP) sorgte dabei für Aufmerksamkeit. Er erinnerte daran, dass bereits 2021 umfangreiche Tourismus- und Nachhaltigkeitsstrategien erarbeitet worden seien. Viele der Themen, die heute erneut diskutiert würden, seien damals bereits erkannt und dokumentiert worden. Pott zitierte mehrere Passagen aus den damaligen Papieren. Darin sei beispielsweise festgehalten worden, dass die Kommunikation zwischen Gemeinden, FTG und Betrieben verbessert werden müsse. Auch regelmäßige Informationsveranstaltungen für Bürger und Betriebe seien empfohlen worden. Nach seinem Kenntnisstand sei vieles davon nie umgesetzt worden. Sein Vorwurf war deutlich: Fünf Jahre später rede man über viele dieser Themen immer noch.
Besonders prägnant formulierte er seine Kritik mit dem Satz: „Mir fehlt die Vision.“
Tourismus dürfe nicht allein auf Veranstaltungen reduziert werden. Viel wichtiger sei die Frage, wohin sich Föhr entwickeln wolle und welches Bild die Insel künftig nach außen vermitteln möchte. Pott erinnerte zudem daran, dass in den damaligen Konzepten sogar die Einstellung zusätzlicher Produktmanager vorgeschlagen worden sei. Auch das sei nie umgesetzt worden. Sein Wunsch an FTG und Aufsichtsrat sei deshalb, die damaligen Strategiepapiere noch einmal hervorzuholen und sich daran zu erinnern, welche Aufgaben eigentlich längst definiert worden waren.
Peter Schaper fordert mehr Mut und ein klares Profil
Mindestens ebenso deutlich äußerte sich Peter Schaper (SPD). Seine Wortmeldungen gehörten zu den stärksten und ausführlichsten des gesamten Abends. Er machte klar, dass sich die Tourismusbranche in den vergangenen Jahren grundlegend verändert habe. Die Gäste hätten heute eine riesige Auswahl an Urlaubszielen. Niemand könne mehr davon ausgehen, dass Urlauber automatisch wiederkommen. Seit Jahren werde über Saisonverlängerung, neue Zielgruppen und die Weiterentwicklung des Tourismus gesprochen. Viele dieser Themen seien jedoch nie konsequent umgesetzt worden. Schaper erinnerte daran, dass die Anforderungen der Gäste gestiegen seien. Urlauber seien heute deutlich anspruchsvoller und würden Angebote viel stärker vergleichen als früher. Wer mit seinem Geld unzufrieden sei oder anderswo attraktivere Angebote finde, fahre künftig einfach woanders hin.
Besonders wichtig sei für ihn die Frage, wofür Föhr eigentlich stehe. Während Sylt bundesweit bekannt sei, müssten viele Menschen erst einmal erklärt bekommen, wo Föhr überhaupt liegt. Man müsse stärker herausarbeiten, was die Insel einzigartig macht und warum Gäste sich bewusst für Föhr entscheiden sollten. „Wir sind nicht nur die grüne Insel irgendwo in der Nordsee“, machte Schaper deutlich. Nach seiner Ansicht brauche die Insel mehr Selbstbewusstsein, eine klarere Positionierung und den Mut, neue Wege zu gehen. Veranstaltungen seien wichtig, könnten aber keine langfristige Strategie ersetzen.

Gäste fühlen sich teilweise nicht mehr willkommen
Einen weiteren wichtigen Aspekt brachte Kirsten Müller-Weckenmann (Grüne) ein.
Sie berichtete von Gesprächen mit Gästen, die ihr immer wieder dieselbe Botschaft mitgeben würden: „Ihr wollt uns hier ja gar nicht mehr.“
Genau daran müsse gearbeitet werden. Diese Menschen müssten zurückgewonnen werden. Wer Urlaub auf Föhr mache, müsse das Gefühl haben, willkommen zu sein. Freundlichkeit und Gastfreundschaft seien zentrale Faktoren für den Erfolg einer Tourismusregion. Die Menschen in Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungsbetrieben seien die wichtigsten Botschafter der Insel.
„Da sollten alle Alarmglocken angehen”
Für eine weitere markante Aussage sorgte Markus Ranck-Wellingerhoff. Mit Blick auf die Entwicklung in Dagebüll sagte er: „Wenn man sieht, was Dagebüll inzwischen auf die Beine stellt, dann sollten bei uns alle Alarmglocken angehen.“
FTG verteidigt ihre Arbeit
FTG-Geschäftsführer Jochen Gemeinhardt widersprach mehrfach dem Eindruck, die Tourismusgesellschaft habe die vergangenen Jahre untätig verbracht. Er verwies auf zahlreiche Projekte, Arbeitsgruppen und Maßnahmen, die bereits laufen oder vorbereitet werden. Nach „Quo Vadis Föhr“ habe es mehrere Treffen mit Vertretern aus Einzelhandel, Gastronomie und Wirtschaft gegeben. Dort seien bereits erste Ideen entstanden, die nun umgesetzt werden sollen. Gemeinhardt nannte unter anderem Innenstadtaktionen, neue Veranstaltungsformate, die stärkere Einbindung des Einzelhandels sowie digitale Dialogformate, bei denen Bürger und Betriebe künftig direkt Fragen an die FTG richten können. Dabei räumte er durchaus ein, dass nicht alles optimal gelaufen sei. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die FTG die Kritik ernst nehme und an Verbesserungen arbeite.
„Der Koffer ist gepackt“
Der emotional stärkste Moment des Abends gehörte schließlich Uli Hess. Der Bürgermeister aus Wyk machte unmissverständlich klar, dass die Botschaften aus „Quo Vadis Föhr“ angekommen seien. Es gebe andere Erwartungen, andere Bedürfnisse und neue Anforderungen.
Dann richtete Hess eine bemerkenswerte Botschaft an die FTG: „Der Koffer ist gepackt.“ Die Kritik sei formuliert, die Erwartungen lägen auf dem Tisch. Jetzt gehe es darum, Ergebnisse zu liefern. Noch deutlicher wurde Hess mit dem Satz, der sinnbildlich für die gesamte Sitzung stand: „Da ist immenser Druck auf dem Kessel.“ Die Diskussionen dürften nicht wieder in Aktenordnern verschwinden. Die Ergebnisse müssten zeitnah aufgegriffen und weiterentwickelt werden.

Kurabgabe deckt die tatsächlichen Kosten nicht
Auch die Kurabgabe war Thema der Sitzung. Dabei wurde deutlich, dass die tatsächlichen Kosten inzwischen bei rund 4,65 Euro pro Gast und Tag liegen. Aktuell werden jedoch nur 3,50 Euro erhoben. Die Differenz wird von den Gemeinden getragen. Nach Angaben der FTG habe die letzte Erhöhung der Kurabgabe nur vergleichsweise wenige Beschwerden ausgelöst. Die Diskussion machte aber auch deutlich, dass die Finanzierung touristischer Infrastruktur künftig eine der zentralen Herausforderungen bleiben wird.
1.700 Kontrollen und kaum Beschwerden
Ordnungsamtsleiter Dominik Schulz stellte die Ergebnisse der Kurkartenkontrollen vor. Zwischen März und Ende Mai wurden auf Föhr und Amrum rund 1.700 Kontrollen durchgeführt. Sieben Mitarbeiter seien im Außendienst tätig, davon anderthalb Stellen auf Amrum. Die Kontrollen würden zusätzlich zu den eigentlichen Aufgaben des Ordnungsamtes erfolgen. Das Ergebnis fiel nach seinen Angaben eindeutig aus: 96 Prozent der kontrollierten Gäste verfügten über eine gültige Kurkarte. Drei Prozent hätten ihre Karte lediglich nicht dabei gehabt. Nur ein Prozent verfügte über keine gültige Kurkarte. Besonders bemerkenswert: Bei den rund 1.700 Kontrollen habe es lediglich zwei schriftliche und eine telefonische Beschwerde gegeben.
Schulz widersprach damit auch dem Eindruck, dass die Kontrollen bei Gästen grundsätzlich unbeliebt seien. Die meisten Urlauber würden freundlich reagieren. Viele würden sogar ausdrücklich begrüßen, dass überprüft werde, ob die Kurabgabe tatsächlich von allen entrichtet werde. „Viele sagen, ich komme seit 30 Jahren hierher und werde zum ersten Mal kontrolliert“, berichtete Schulz.
Kontrollen zeigen Wirkung
Hark Steinert berichtete ergänzend von Gesprächen mit Mitarbeitern der Tourist-Information in Utersum. Dort werde seit Jahren davon ausgegangen, dass es eine gewisse Dunkelziffer bei der Kurabgabe gebe. Gleichzeitig zeige sich jedoch immer wieder, dass die Kontrollen Wirkung entfalten. Wenn Mitarbeiter des Ordnungsamtes an den Stränden kontrollieren würden, kämen anschließend oft zahlreiche Gäste in die Tourist-Information, um Kurkarten nachzulösen. Aus Sicht Steinerts ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kontrollen ihren Zweck erfüllen.
Geeske Eisersdorff sieht die Gästeperspektive
Eine etwas andere Sicht brachte Geeske Eisersdorff (KG) in die Diskussion ein. Sie gab zu bedenken, dass bei allen Bemühungen um eine ordnungsgemäße Erhebung der Kurabgabe auch die Wahrnehmung der Gäste berücksichtigt werden müsse. Aus ihrer Sicht müsse das Ziel sein, dass Urlauber Föhr mit positiven Erinnerungen verlassen und ihren Aufenthalt weiterempfehlen. Gerade deshalb halte sie es für problematisch, wenn Gäste auf Straßen, Wegen oder in anderen öffentlichen Bereichen kontrolliert würden. Auch wenn solche Maßnahmen in vielen Tourismusregionen üblich seien, gebe es immer wieder Rückmeldungen von Urlaubern, die dies als unangenehm empfinden würden. Dominik Schulz hielt dagegen und betonte erneut, dass die große Mehrheit der Gäste die Kontrollen akzeptiere oder sogar ausdrücklich begrüße.

Hoffnung auf digitale Lösungen
Positiv aufgenommen wurde dagegen ein Ausblick von Wyks Bürgermeister Uli Hess. Er berichtete von intensiven Gesprächen mit der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) über mögliche digitale Lösungen bei der Kurabgabe. Nach seinen Worten seien die Beteiligten in den vergangenen Monaten deutlich aufeinander zugegangen. Eine Umsetzung werde zwar nicht kurzfristig erfolgen, der Weg dorthin sei jedoch eingeschlagen. Langfristig könnte die Kurabgabe stärker mit der Anreise verknüpft werden. Denkbar wären digitale Lösungen, bei denen Gäste bereits im Zusammenhang mit ihrer Fährfahrt erfasst werden. „Der Weg dahin ist beschritten. Da muss man jetzt hartnäckig am Ball bleiben“, sagte Hess. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung der W.D.R. bewertete er positiv.
Preisdiskussion um Ferienwohnungen beschäftigt die Branche
Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war die Vermittlung von Ferienwohnungen über die Plattform foehr.de. Auslöser war die Diskussion über teilweise erhebliche Preisunterschiede zwischen verschiedenen Buchungsplattformen. Thomas Strelow (CDU) warnte davor, die Auswirkungen dieser Unterschiede zu unterschätzen. Wenn Gäste für dieselbe Unterkunft über bestimmte Plattformen mehrere Hundert Euro mehr bezahlen müssten, entstehe automatisch eine hohe Erwartungshaltung. Werde diese später nicht erfüllt, könne dies langfristig die Gästezufriedenheit beeinträchtigen. „Dann sagt der Gast am Ende nicht, dass die Plattform zu teuer war – sondern dass Föhr zu teuer war“, lautete sinngemäß seine Sorge. Gerade deshalb müsse das Thema ernst genommen werden.
FTG verweist auf technische und wirtschaftliche Hintergründe
Auf die Kritik an den Preisunterschieden reagierte Oliver Arfsten (FTG) ausführlich. Er machte deutlich, dass die Problematik der FTG bekannt sei. Gleichzeitig sei die Ursache deutlich komplexer als häufig dargestellt werde. Arfsten erläuterte, dass heute zahlreiche unterschiedliche Buchungs- und Verwaltungssysteme im Einsatz seien. Während früher vieles über einheitliche Strukturen gelaufen sei, würden Agenturen inzwischen verschiedene Softwarelösungen nutzen. Dadurch entstünden unterschiedliche Kostenmodelle, die sich letztlich auch in den Endpreisen widerspiegeln könnten.
Besonders ausführlich ging Arfsten auf die technischen Hintergründe von foehr.de ein. Die Plattform arbeite mit verschiedenen Schnittstellen zu den Systemen der Vermieter und Agenturen. Die Pflege und Weiterentwicklung dieser Verbindungen verursache erhebliche Kosten. Eine komplett eigene technische Lösung sei zwar grundsätzlich geprüft worden. Die dafür notwendigen Investitionen und der laufende Entwicklungsaufwand seien jedoch enorm. Zudem machte Arfsten deutlich, dass die Vermittlungsprovisionen nicht nur dem Buchungsvorgang dienten. Die Einnahmen würden unter anderem für die technische Weiterentwicklung, Analysewerkzeuge, Schnittstellenpflege und neue digitale Angebote genutzt. Gleichzeitig stellte er klar, dass auch die FTG ein großes Interesse daran habe, die Attraktivität von foehr.de weiter zu steigern. Das Ziel müsse sein, möglichst viele Buchungen über die Inselplattform abzuwickeln.
Schaper fordert gemeinsame Lösungen
Auch Peter Schaper (SPD) griff die Diskussion auf. Für ihn war entscheidend, dass alle Beteiligten gemeinsam nach Lösungen suchen. Die Problematik betreffe nicht nur die FTG, sondern ebenso Agenturen, Vermieter und Plattformbetreiber. Er brachte dabei sogar die Idee ins Spiel, gemeinsam mit dem Land Schleswig-Holstein über größere digitale Modellprojekte nachzudenken. Wenn andere Regionen mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen, könne Föhr möglicherweise eine Vorreiterrolle übernehmen.
Christian Stemmer will Thema mit nach Kiel nehmen
Amtsdirektor Christian Stemmer griff diesen Gedanken auf und kündigte an, entsprechende Überlegungen bei einer bevorstehenden Klausurtagung mit der Staatskanzlei anzusprechen. Zwar sei das Thema komplex, grundsätzlich halte er es aber für sinnvoll, neue digitale Ansätze zu prüfen.
FTG stellt umfangreiches Veranstaltungsprogramm vor
Zum Ende der Sitzung richtete sich der Blick wieder nach vorne. Jochen Gemeinhardt stellte die Arbeit der Veranstaltungsabteilung vor. Die Zahlen zeigen, dass inzwischen ein umfangreiches Angebot organisiert wird. Allein im Kurgartensaal finden in diesem Jahr 52 Veranstaltungen statt. Hinzu kommen 41 externe Veranstaltungen, 27 Open-Air-Termine, 116 Kinder-Uni-Veranstaltungen sowie 387 Veranstaltungen von Maike Moin. Gemeinhardt betonte, dass die Veranstaltungsabteilung nach dem Ausscheiden von Roberto Carso zunächst auf bestehende Formate aufbauen musste. Nun solle Schritt für Schritt mehr Raum für neue Ideen entstehen.
Neue Ideen für die kommenden Jahre
Vorgestellt wurden unter anderem Planungen für ein Streetfood-Festival, ein Stadtfest in Wyk sowie die Weiterentwicklung des White Dinners rund um die Mittelbrücke. Außerdem soll am 2. Januar 2027 erstmals ein Eisschwimmen stattfinden. Dazu laufen bereits Gespräche mit erfahrenen Organisatoren. Auch das Hafenfestival soll überarbeitet werden. Zudem will die FTG die Ausrichtung von „Föhr tanzt!“ noch einmal überprüfen.
Ein weiteres Projekt ist das neue Format „FTG Inside“. Dabei besucht die FTG Betriebe auf der Insel und stellt diese auf Instagram und YouTube vor. Weitere Unternehmen können sich dafür bewerben. Am 16. August soll außerdem das zweijährige Bestehen der neuen Mittelbrücke gefeiert werden – mit Kinderanimation, Live-Musik, DJ, Gastronomieangeboten und White Dinner.
Zum Abschluss konnte Gemeinhardt noch eine persönliche Erfolgsmeldung verkünden: Veranstaltungsleiterin Julia Matthias hat ihre Prüfung zur Fachwirtin erfolgreich bestanden.
Fazit: Der Druck ist größer denn je
Die Verbandsversammlung machte deutlich, dass viele Akteure auf Föhr mit dem derzeitigen Tempo der touristischen Entwicklung nicht zufrieden sind. Die Kritik an Kommunikation, Umsetzung und strategischer Ausrichtung der vergangenen Jahre wurde ungewöhnlich offen formuliert. Gleichzeitig präsentierten FTG und Politik zahlreiche Projekte und neue Ansätze. Besonders bemerkenswert war dabei, dass sich die Kritik nicht gegen einzelne Personen richtete. Vielmehr wurde deutlich, dass viele Teilnehmer die Sorge teilen, dass wichtige Themen zu lange diskutiert und zu selten konsequent umgesetzt wurden.
Klaus Pott erinnerte an die Strategiepapiere von 2021. Peter Schaper forderte mehr Mut, mehr Profil und eine klarere Positionierung der Insel. Kirsten Müller-Weckenmann berichtete von Gästen, die sich teilweise nicht mehr willkommen fühlen. Markus Ranck-Wellingerhoff warnte mit Blick auf Dagebüll davor, die Entwicklungen außerhalb der Insel zu unterschätzen. Die Antworten von FTG, Politik und Verwaltung machten gleichzeitig deutlich, dass die Kritik angekommen ist und bereits an verschiedenen Projekten gearbeitet wird.
Ob diese ausreichen, um die Erwartungen von Wirtschaft, Politik und Tourismusbranche zu erfüllen, wird sich zeigen. Klar wurde an diesem Abend jedoch vor allem eines: Der Druck, Ergebnisse zu liefern, ist größer denn je. Oder, wie Wyks Bürgermeister Uli Hess es formulierte: „Da ist immenser Druck auf dem Kessel.“
Fotos: Stefan Gaul u. Benjamin Lehmann

R.Gaede am 24. Juni 2026 at 10:46
Das war ja anscheinend ein Abend der sehr deutlichen Worte und was für ein ausführlicher Bericht vom Inselradio . Kompliment wir sind dank euch immer bestens informiert
Jan am 24. Juni 2026 at 11:07
Berechtigte Kritik aber alle auf Föhr sollten sich mal an die Nase packen