Meinung: Der Koffer ist gepackt. Ausreden passen jetzt nicht mehr hinein.
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 25. Juni 2026
Thema Tourismusdebatte mit klaren Worten: Meinung von unserem Reporter Stefan Gaul
Es gibt Sätze, die bleiben nach einer Sitzung hängen. Bei mir war es diesmal nicht der Satz von Uli Hess, dass „immenser Druck auf dem Kessel“ sei. So treffend diese Aussage auch war.
Es war ein anderer Satz. „Der Koffer ist gepackt.“ Denn genau darum ging es an diesem Abend. Nicht mehr um neue Ideen. Nicht mehr um neue Analysen. Nicht mehr um neue Arbeitskreise. Sondern um die Frage, wann endlich ausgepackt wird.
Wer die Verbandsversammlung des Tourismusverbandes Föhr verfolgt hat, konnte eigentlich gar nicht überhören, worum es den meisten Rednern ging. Klaus Pott erinnerte an Konzepte und Strategiepapiere aus dem Jahr 2021. Seine Kritik war deutlich. Viele Probleme, viele Wünsche und viele Lösungsansätze seien längst bekannt gewesen. Seine Aussage „Mir fehlt die Vision“ war hart, aber sie traf einen Nerv. Denn die Frage ist berechtigt: Warum diskutieren wir im Jahr 2026 immer noch über Dinge, die bereits vor fünf Jahren aufgeschrieben wurden?

Auch Peter Schaper sprach einen wichtigen Punkt an. Die Welt hat sich verändert. Gäste haben heute mehr Auswahl denn je. Andere Regionen entwickeln sich weiter, schaffen neue Angebote und schärfen ihr Profil. Wer glaubt, dass Urlauber automatisch wiederkommen, macht es sich zu einfach. Föhr muss sich fragen, wofür die Insel steht und warum Gäste gerade hier ihren Urlaub verbringen sollen.
Und dann war da noch Markus Ranck-Wellingerhoff. Sein Blick nach Dagebüll war deutlich. Dort werde gemacht, ausprobiert und organisiert. Sein Satz, dass bei uns eigentlich die Alarmglocken angehen müssten, wenn man sieht, was dort inzwischen auf die Beine gestellt wird, war vielleicht unbequem. Aber auch darin steckt eine Wahrheit.
Deshalb halte ich einen großen Teil der Kritik an diesem Abend für berechtigt. Die Föhr Tourismus GmbH muss sich Fragen gefallen lassen. Die FTG ist schließlich die touristische Organisation der Insel. Natürlich muss sie sich fragen lassen, warum manche Themen über Jahre nicht ausreichend vorangekommen sind. Natürlich muss sie sich fragen lassen, warum viele Menschen das Gefühl haben, dass manche Entwicklungen zu lange gedauert haben. Und selbstverständlich muss sich auch Geschäftsführer Jochen Gemeinhardt an Ergebnissen messen lassen. Das gehört zu seiner Aufgabe.
Aber genauso falsch wäre es aus meiner Sicht, jetzt alles auf die FTG oder auf eine einzelne Person abzuwälzen. Denn eines wurde an diesem Abend ebenfalls deutlich: Die Zukunft des Tourismus auf Föhr entscheidet sich nicht allein in einer Geschäftsstelle. Sie entscheidet sich in den Gemeinden, in der Politik, in der Gastronomie, im Einzelhandel, bei Veranstaltern, in Vereinen, bei Ehrenamtlichen und bei Unternehmern, die bereit sind, Ideen nicht nur auszusprechen, sondern auch umzusetzen.
Und vielleicht müssen wir uns dabei alle auch einmal selbst hinterfragen.
Bei aller berechtigten Kritik an der FTG: Die touristischen Herausforderungen der Insel wird sie niemals im Alleingang lösen können. Was nützt das beste Veranstaltungskonzept, wenn sich am Ende nicht genügend Betriebe, Vereine oder Gastronomen finden, die mitziehen? Was bringt ein Streetfood-Festival oder eine andere Veranstaltung, wenn die Bereitschaft, sich aktiv einzubringen, nicht wirklich vorhanden ist? Tourismus funktioniert nur gemeinsam. Jeder Betrieb, jeder Gastronom, jeder Veranstalter und jeder Verein ist Teil des Gesamterlebnisses, das unsere Gäste mit nach Hause nehmen. Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen, was die FTG besser machen muss, sondern auch, was jeder Einzelne von uns selbst noch besser machen kann.
Ein Beispiel gibt es durchaus. Warum sollte es auf Föhr nicht möglich sein, bei großen Veranstaltungen noch stärker zusammenzuarbeiten? Beim Südstrand Open Air oder anderen Formaten könnten Vereine, Gastronomie und weitere Partner gemeinsam Verantwortung übernehmen. In anderen Regionen funktioniert genau dieses Miteinander seit Jahren erfolgreich. Dort werden Getränkewagen von Vereinen betrieben, die Gastronomie arbeitet Hand in Hand und am Ende profitieren alle davon.
Solange jeder seine eigene Suppe kocht und niemand bereit ist, auch einmal etwas für das große Ganze abzugeben, werden wir das Potenzial unserer Insel nie vollständig ausschöpfen.
Genau deshalb ist für mich der Satz vom gepackten Koffer so stark. Ja, Uli Hess richtete ihn ganz klar an die FTG und ihren Geschäftsführer. Die Botschaft war eindeutig: Die Kritik ist angekommen. Die Erwartungen liegen auf dem Tisch. Jetzt müssen Ergebnisse folgen.
Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass dieser Satz längst für die gesamte Insel gilt. Der Koffer ist auch bei der Politik gepackt. Der Koffer ist bei den Gemeinden gepackt. Der Koffer ist bei der Wirtschaft gepackt. Der Koffer ist beim DEHOGA gepackt. Und auch bei all denen, die in den vergangenen Monaten Veränderungen gefordert haben.
Vielleicht war genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Abends. Die Probleme kennen wir inzwischen alle. Die Kritik wurde ausgesprochen. Die Erwartungen wurden formuliert. Jetzt beginnt der Teil, der wirklich zählt. Die Umsetzung.
Der neue DEHOGA-Vorstand kann ein wichtiger Anfang sein. Die Diskussionen aus „Quo Vadis Föhr“ können ein wichtiger Anfang sein. Die deutlichen Worte dieser Verbandsversammlung können ein wichtiger Anfang sein. Aber ein Anfang reicht nicht mehr. Denn der Druck ist da. Und zwar nicht nur bei der FTG.
Deshalb bleibt für mich am Ende vor allem ein Satz hängen: Der Koffer ist gepackt. Jetzt will niemand mehr hören, was alles darin liegt. Jetzt wollen die Menschen sehen, was ausgepackt wird.
Fotos: Stefan Gaul u. Benjamin Lehmann

Elisabeth N am 25. Juni 2026 at 8:43
Gut wirklich gut auf den Punkt gebracht