Berufswunsch mit Herz
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 21. April 2026
„Ich weiß, dass es mein Weg ist“ – Schülerin Elli Diedrichsen möchte Hebamme werden.
Ein klarer Blick, ein fester Plan – und ein Berufswunsch, der aktueller kaum sein könnte: Elli Diedrichsen, Schülerin der Eilun-Feer-Skuul, möchte Hebamme werden. In einer Zeit, in der der Beruf unter Druck steht, Fachkräfte fehlen und die Ausbildung anspruchsvoller denn je ist, sagt sie ganz bewusst: „Ich will das machen.“

Der Weg dahin führt heute ausschließlich über ein duales Studium – mit Theorie, Praxis, Prüfungen und hoher Verantwortung. Elli weiß das. Und entscheidet sich trotzdem ganz bewusst dafür.
Zwischen Herzenswunsch und Realität
Der Wunsch, Hebamme zu werden, ist bei Elli nicht über Nacht entstanden. „Schon vor zwei Jahren habe ich angefangen, mich dafür zu interessieren“, erzählt sie. Ein persönlicher Bezug spielte dabei eine Rolle – und die Faszination für einen Beruf, der Leben begleitet. „Es ist einfach besonders, Frauen in so einem Moment zu unterstützen und neues Leben mit auf die Welt zu bringen.“
Dabei ist ihr bewusst, dass dieser Weg kein einfacher ist. Studium, Praxisphasen, Prüfungen – all das gehört dazu. Doch statt abzuschrecken, motiviert es sie eher: „Jedes Studium hat seine Tücken. Man muss da einfach entspannt rangehen und sich durchbeißen.“
Ein Beruf unter Druck – und trotzdem die klare Entscheidung
Die Zahlen sind bekannt: Viele Hebammen denken über einen Berufswechsel nach. Bürokratie, Belastung und schwierige Rahmenbedingungen sorgen für Unsicherheit. Doch Elli lässt sich davon nicht abhalten. „Wenn dich ein Beruf wirklich interessiert, sollte das kein Grund sein, ihn nicht zu machen.“
Im Gegenteil: Für sie überwiegt die Motivation. „Was wäre das Land ohne Hebammen? Das geht gar nicht.“ Gleichzeitig wünscht sie sich Verbesserungen – weniger Druck, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Unterstützung für den Nachwuchs.
Insel, Zukunft – und vielleicht ein Comeback
Ein besonders spannender Punkt: die Perspektive auf Föhr selbst. Aktuell gibt es nur noch wenige Hebammen auf der Insel, eine Geburtsklinik existiert nicht mehr. Die Versorgung ist fragil. Elli denkt realistisch – und trotzdem mit Blick nach vorne: „Erstmal möchte ich raus, Erfahrungen sammeln. Aber ich kann mir gut vorstellen, wieder zurückzukommen.“ Die Insel bleibt für sie ein wichtiger Anker. „Hier kennt man sich, hier ist alles persönlicher.“ Und genau das könnte später entscheidend sein.
Zwischen Professionalität und Gefühl
Was eine gute Hebamme ausmacht? Für Elli ist das klar: „Man muss offen sein, locker, aber auch professionell.“ Empathie sei wichtig – aber ebenso die Fähigkeit, in emotionalen Situationen ruhig zu bleiben. „Man darf nicht alles zu nah an sich ranlassen.“ Gleichzeitig weiß sie, wie besonders die Momente in diesem Beruf sind. Wenn sie an ihre erste Geburt denkt, sagt sie: „Das wird auf jeden Fall aufregend. Vielleicht fließt auch mal eine Träne.“
Ein Moment fürs Leben
Und dann ist da noch dieser Gedanke, der alles zusammenfasst: ein Kind, geboren auf Föhr – begleitet von ihr. „Das wäre ein Moment, den man nie vergisst“, sagt Elli. „Gerade hier auf der Insel hätte das eine ganz besondere Bedeutung.“
Ein großer Traum – und vielleicht ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Insel. Denn eins ist nach diesem Gespräch klar:
Elli weiß, was sie will.
Foto: Stefan Gaul
