Ärger in der Wilhelmstraße
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 9. Juni 2026
„Genau das wurde doch gerade kritisiert“ – Schmuckhändlerin in Wyk von Baustart überrascht.
Kaum war die Tourismusdebatte „Quo Vadis Tourismus auf Föhr?“ im Kurgartensaal beendet, gibt es in Wyk bereits den nächsten Streitpunkt rund um das Thema Kommunikation. Schmuckdesignerin Anke Scheuermann aus der Wilhelmstraße fühlt sich übergangen, nachdem sie nach eigenen Angaben erst durch anrückende Baufahrzeuge von einer mehrwöchigen Baustelle erfahren haben.

Seit mehr als 20 Jahren betreibt sie ihr Schmuckatelier in der Wilhelmstraße. Als sie am Montagmorgen ihr Geschäft öffnen wollte, stand plötzlich ein Bagger vor der Tür. Kurz darauf wurden Absperrgitter und weiteres Material für eine größere Baustelle angeliefert. Der Grund: In der Wilhelmstraße sollen die Fundamente für eine neue Polleranlage erstellt werden. „Ich wusste von nichts“, sagt Scheuermann. Nach eigenen Angaben begann für sie zunächst die Suche nach den zuständigen Ansprechpartnern. Besonders verärgert sei sie darüber gewesen, dass die unmittelbar betroffenen Geschäftsleute nicht vorab informiert worden seien.
Wenige Tage nach der Tourismusdebatte
Für Scheuermann hat die Situation eine besondere Brisanz. Erst wenige Tage zuvor hatten zahlreiche Gewerbetreibende bei der großen Tourismusdebatte im Kurgartensaal mehr Kommunikation, mehr Austausch und ein stärkeres Miteinander gefordert. Genau dieses Thema sei dort von vielen Teilnehmern angesprochen worden. „Wir sind hier doch nicht in Hamburg oder Berlin“, sagt Scheuermann. Auf einer kleinen Insel müsse es ihrer Meinung nach möglich sein, die betroffenen Geschäftsleute kurz zu informieren, bevor direkt vor ihren Geschäften eine Baustelle eingerichtet werde.

Dabei macht sie ausdrücklich deutlich, dass sie die Sicherheit in der Fußgängerzone nicht infrage stellen möchte. Die Diskussion über die Polleranlage sei eine andere. Ihr Ärger richte sich vor allem gegen die Art und Weise, wie die Maßnahme kommuniziert worden sei.
„Es geht um ein nettes Miteinander“
Auch Thomas Echterhoff, Lebenspartner von Anke Scheuermann und Bauingenieur, äußert deutliche Kritik. Die Sicherheit der Besucher werde von ihm keineswegs infrage gestellt. Baustellen im Innenstadtbereich hätten jedoch immer Auswirkungen auf die umliegenden Geschäfte. Besonders während des Saisonstarts könne dies spürbar sein. Die Vorgehensweise bezeichnet er als „beeindruckende Rücksichtslosigkeit“. Sein Eindruck: Statt frühzeitig das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen, seien die Arbeiten einfach begonnen worden

Für Scheuermann geht es dabei um mehr als nur diese eine Baustelle. „Es geht um ein nettes Miteinander“, sagt sie. Man könne sich nicht immer auf Zuständigkeiten oder Vorschriften berufen. Gerade auf Föhr müsse es möglich sein, miteinander zu sprechen, bevor Fakten geschaffen werden.
Geschäftsleute investieren selbst in die Straße
Besonders groß ist der Frust auch deshalb, weil sich die Gewerbetreibenden der Wilhelmstraße seit Jahren selbst für die Attraktivität der Straße engagieren. Gelbe Stühle, Dekorationen und weitere Gestaltungselemente wurden privat angeschafft, um Gästen zusätzliche Aufenthaltsqualität zu bieten. Die Geschäftsleute investieren dabei nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Ideen in die Gestaltung ihres Umfeldes. Umso größer sei die Enttäuschung, von einer Baumaßnahme direkt vor der eigenen Tür überrascht zu werden.

Stadt verweist auf Terminverschiebung
Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt die Stadt Wyk, dass die neue Polleranlage die bereits seit längerer Zeit vorhandenen klappbaren Absperrpfosten ersetzen werde. Ursprünglich seien die Arbeiten bereits im Mai vorgesehen gewesen. Dieser Termin habe jedoch nicht umgesetzt werden können. Der jetzt mögliche Baustart liege noch deutlich vor Beginn der Sommerferien Ende Juni. Zudem verweist die Stadt darauf, dass die Anlieferung der Geschäfte weiterhin über die Mittelstraße erfolgen könne. Fußgänger und Radfahrer könnten den Baustellenbereich ebenfalls passieren.
Nach Angaben des Amtes Föhr-Amrum wird die Wilhelmstraße im Bereich der Einmündung Süderstraße bis einschließlich 26. Juni voll gesperrt. Grund dafür sind die Fundamentarbeiten für die neue Polleranlage.

Die eigentliche Diskussion geht inzwischen um etwas anderes
Ob die neue Polleranlage notwendig ist oder nicht, darüber wird in Wyk bereits seit Jahren diskutiert. Die aktuelle Debatte dreht sich jedoch längst nicht mehr nur um Poller oder Baustellen. Vielmehr geht es um die Frage, wie Verwaltung, Politik und Gewerbetreibende miteinander umgehen. Genau darüber wurde erst vor wenigen Tagen im Kurgartensaal gesprochen. Für manche Geschäftsleute wirkt der überraschende Baustart in der Wilhelmstraße deshalb wie eine unfreiwillige Bestätigung der Kritik, die dort bereits geäußert wurde.
Die Baustelle wird irgendwann wieder verschwinden. Die Diskussion über Kommunikation und gegenseitige Information auf Föhr dürfte dagegen noch etwas länger weitergehen.
Fotos: Stefan Gaul
