Rettung aus der Luft
Veröffentlicht von Stefan Gaul am 26. April 2026
Hightech über dem Wyker Hafen: Feuerwehr-Drohne überzeugt bei Übung – neue Technik könnte Leben retten.
Ein leises, fast schon ruhiges Summen über dem Hafen in Wyk – dann hebt sie ab. Rot-weiß, mit der 112 auf dem Rumpf, steigt die Drohne der Feuerwehr langsam in den Himmel. Unten bleiben neugierige Blicke, oben beginnt moderne Einsatztechnik, die im Ernstfall Leben retten kann. Gemeinsam mit der DLRG hat die Freiwillige Feuerwehr Wyk vor wenigen Tagen eine Wasserrettungsübung durchgeführt – und dabei kam ein neues Rettungsmittel zum Einsatz, das künftig eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Drohne im Einsatz: Mehr als nur ein Blick von oben
Was über dem Hafen schwebt, ist kein Freizeitgerät, sondern ein echtes Arbeitsmittel. Die Drohne vom Typ „Matrice 350 RTK“ gehört zur Profi-Klasse, kostet rund 30.000 Euro und ist aktuell die einzige ihrer Art auf Föhr. Mit Wärmebildkamera, hochauflösender Optik und Sensoren zur Hinderniserkennung liefert sie präzise Bilder aus der Luft – und kann zusätzlich Ausrüstung transportieren. „Wir haben die Möglichkeit, Dinge abzuwerfen oder auch Scheinwerfer anzubauen“, erklärt Drohnenteamleiter Ralph Weindel. Mit bis zu 1,6 Kilogramm Nutzlast bleibt dabei genug Spielraum für verschiedene Einsatzszenarien.


Die Drohnengruppe selbst gibt es erst seit rund einem Jahr. Fünf Mitglieder trainieren regelmäßig – im Sommer praktisch, im Winter theoretisch. Denn hinter jedem Flug steckt deutlich mehr als nur ein Steuerknüppel: Technik, rechtliche Grundlagen und Teamarbeit gehören genauso dazu.
Präzision im Ernstfall: Rettungsmittel punktgenau abgeworfen
Im Mittelpunkt der Übung stand ein neues System: ein sogenanntes „Restube 180 Automatic“. Eine selbstaufblasbare Schwimmboje, die im Notfall per Drohne über einer Person im Wasser abgeworfen wird.


Der entscheidende Moment: Die Drohne steht nahezu bewegungslos über dem Hafenbecken. Darunter ein junger Mann im Neoprenanzug – das „Seenotopfer“. Ein Klick, das Paket löst sich, fällt ins Wasser – nur wenige Meter neben ihm. Sekunden später bläst sich die Boje automatisch auf.
„Man denkt natürlich die ganze Zeit, das fällt einem auf den Kopf“, sagt Frithjof Borth nach der Übung lachend. „Aber es hat super funktioniert. Man hat ordentlich Auftrieb und kann sich gut festhalten. Das ist auf jeden Fall ein sehr gutes Hilfsmittel.“ Gerade im Ernstfall kann genau diese Präzision entscheidend sein – wenn Sekunden zählen.
Zusammenarbeit im Fokus: Feuerwehr und DLRG als Team
Neben der Technik stand vor allem das Zusammenspiel im Mittelpunkt. Feuerwehr und DLRG arbeiteten Hand in Hand – vom Drohnenflug bis zur Absicherung im Wasser. „Die Kommunikation zwischen Pilot und Kameraoperator hat sehr gut funktioniert“, zieht Weindel ein positives Fazit. Auch die Rückmeldungen der DLRG seien durchweg positiv gewesen.


Insgesamt kam die Drohne im ersten Jahr bereits viermal zum Einsatz – meist bei Personensuchen im oder am Wasser. Tendenz steigend.
Fliegen auf Föhr: Viele Regeln, viele Einschränkungen
Was viele unterschätzen: Drohnenflüge sind auf Föhr stark reguliert. Hafenbereich, Bundeswasserstraße, Naturschutzgebiete und Sicherheitszonen – all das macht das Fliegen kompliziert. „Für Privatpersonen ist das hier ehrlich gesagt ziemlich schwierig“, erklärt Weindel. Die Feuerwehr darf als sogenannte BOS-Einheit zwar unter bestimmten Voraussetzungen fliegen, muss sich aber ebenfalls an klare Vorgaben halten und Genehmigungen einholen.
Feuerwehr zieht positives Fazit – Anschaffung wird geprüft
Am Ende der Übung fällt die Bewertung eindeutig aus. „Mein Fazit ist sehr positiv“, sagt Weindel. „Das Rettungsmittel hat sehr gut funktioniert und auch die Zusammenarbeit lief reibungslos.“


Auch Wehrführer Jörg Carstensen zeigt sich zufrieden. Ob die getesteten Schwimmbojen angeschafft werden, soll nun im Vorstand entschieden werden. Bei Kosten von rund 120 bis 250 Euro pro Stück stehen die Chancen nicht schlecht.
Nächstes Projekt schon geplant: Lautsprecher für die Drohne
Die Entwicklung geht weiter. Schon jetzt arbeitet die Feuerwehr an neuen Ideen – ganz konkret an einem Lautsprechersystem für die Drohne. „Dann könnten wir Durchsagen machen – zum Beispiel direkt mit einer Person sprechen: Wir kommen, wir helfen dir“, erklärt Carstensen. Rund 3.200 bis 3.400 Euro kostet das System – ein Teil der Summe fehlt noch.


Fazit: Technik, die Leben retten kann
Die Übung in Wyk zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in moderner Drohnentechnik steckt. Hightech aus der Luft, starke Zusammenarbeit am Wasser – und ein klares Ziel: im Ernstfall schneller helfen zu können. Oder wie es die Feuerwehr selbst zusammenfasst:

Wenn es darauf ankommt, kann genau diese Technik den entscheidenden Unterschied machen.
Fotos: Stefan Gaul
