Führungswechsel am Südstrand
Veröffentlicht von Pit am 4. März 2026
Neuer Direktor im Upstalsboom: Philipp Lennartz möchte zuhören, ankommen – und dann gemeinsam gestalten.
Ein neues Kapitel am Südstrand: Seit dem 1. Februar steht im Upstalsboom Wyk ein neuer Direktor an der Spitze. Philipp Lennartz übernimmt die Leitung des Hauses – und bringt nicht nur viele Jahre Erfahrung aus der Hotellerie mit, sondern auch eine spürbare Begeisterung für die Nordsee.

Der Schritt nach Föhr sei für ihn keine rein berufliche Entscheidung gewesen, sondern auch eine Herzensangelegenheit. „Die Nordsee ist verankert in unserem Herzen“, sagt er. Urlaub an der Küste, die Weite, die klare Luft – all das habe ihn schon lange begleitet. Jetzt ist daraus ein Lebensmittelpunkt auf Zeit geworden.
Ankommen zwischen Hotelalltag und Inselleben
Sein Start verlief typisch norddeutsch: Anreise mit der Bahn, Verspätung inklusive. Seit Anfang Februar ist er offiziell im Amt – viel Zeit, um die Insel intensiv kennenzulernen, blieb bislang jedoch kaum. Bereits in der ersten Woche standen interne Treffen und Strategierunden an. Und trotzdem: Der Eindruck ist positiv. „Du siehst mich lächelnd vor dir – ich bin noch sehr happy“, sagt er.
Aktuell wohnt Lennartz noch im Hotel selbst. Das ermögliche ein intensives Eintauchen in den Betrieb – bringe aber auch die Herausforderung mit sich, Arbeit und Privatleben bewusst zu trennen. Bei rund 160 Mitarbeitenden brauche es Zeit, um alle kennenzulernen. Gesichter wiederzuerkennen sei aktuell noch Teil des Lernprozesses.
Ein Haus mit Geschichte – und großen Erwartungen
Das Upstalsboom Wyk ist längst mehr als ein Hotel. Es ist Veranstaltungsort, Treffpunkt, Arbeitgeber, kultureller Akteur. Sein Vorgänger hat das Haus sichtbar geprägt. Entsprechend respektvoll nähert sich Lennartz der neuen Aufgabe. Sein Leitgedanke für die ersten Wochen lautet: „Haltung vor Handlung.“
Er wolle zunächst beobachten, zuhören, Abläufe verstehen. Veränderungen schließe er nicht aus – aber sie sollen nicht übergestülpt, sondern gemeinsam entwickelt werden. Es gehe nicht darum, schnell eigene Spuren zu hinterlassen, sondern die Identität des Hauses weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen für ihn dabei zwei Faktoren: Mitarbeitende und Gäste.
Teamkultur als Fundament
Besonders beeindruckt zeigt sich Lennartz vom Team. Die Atmosphäre im Haus beschreibt er als herzlich, authentisch und aufmerksam. „Man tut hier nur das für Menschen, was man für sich selbst auch tun würde“, sagt er – und genau das erlebe er im Alltag. Selbst wenn Fehler passieren, bleibe der Umgang respektvoll. Es gehe nicht um Perfektion, sondern um Ehrlichkeit.
Auch im Führungsstil setzt er auf Dialog. „Beide Seiten müssen sich zuhören, wenn es Herausforderungen gibt.“ Lösungen entstünden gemeinsam, nicht durch reine Ansagen von oben. Chef-Allüren seien ihm fremd. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei es entscheidend, Mitarbeitende langfristig zu binden – nicht nur durch Strukturen, sondern durch Wertschätzung.
Ausbildung als Zukunftssicherung
Ein Thema liegt ihm besonders am Herzen: Nachwuchsförderung. Ausbildung sei die Grundlage für nachhaltige Qualität. Mehrere Auszubildende konnten in diesem Jahr übernommen werden – für Lennartz ein starkes Signal. „Ich bin stolz und glücklich, mit so einem tollen Team hier vor Ort zu sein“, sagt er.
Die Kombination aus dualer Ausbildung, Blockunterricht und Wohnmöglichkeiten auf der Insel schaffe gute Voraussetzungen. Für ihn ist klar: Wer junge Menschen begleitet, gestaltet Zukunft.
Kultur, Musik – und die Frage nach dem Südstrand Open Air
Das Upstalsboom war in der Vergangenheit auch kultureller Motor. Veranstaltungen, Konzerte, das Südstrand Open Air – viele Insulaner verbinden damit besondere Momente.
Ob es in ähnlicher Form weitergeht, lässt Lennartz bewusst offen. „Ich möchte das nicht ausschließen“, sagt er. Gleichzeitig betont er, dass solche Entscheidungen immer Teamentscheidungen seien.
Dass Kultur für ihn persönlich wichtig ist, zeigt ein Blick in seine Vergangenheit. In seiner vorherigen Station stand er regelmäßig selbst mit dem Saxophon an der Hotelbar. Musik sei für ihn Ausgleich und Leidenschaft zugleich. Mit einem Lächeln fügt er hinzu: „Sollte ich irgendwann anfangen, die Bar leer zu spielen, höre ich sofort auf.“ Ob und wann das Saxophon in der Sydbar erklingt – die Insel darf gespannt sein.
Hotel und Insel – ein gemeinsamer Weg
Ein zentrales Anliegen ist für ihn die Verbindung zwischen Hotel und Inselleben. Gerade im Winter seien viele Einheimische im Haus zu Gast. Das solle so bleiben. Er weiß, dass große Bauprojekte auf Inseln zunächst kritisch gesehen werden. Doch sein Eindruck nach den ersten Gesprächen ist positiv. Viele Menschen seien offen, interessiert, bereit zum Austausch. Er selbst plant genau das: Gespräche führen, Kontakte knüpfen, sich einbringen. Auch Engagement außerhalb des Hotels ist für ihn wichtig – sei es musikalisch oder in gesellschaftlichen Netzwerken.
Ein Neuanfang auch privat
Der Wechsel nach Föhr ist nicht nur beruflich ein Einschnitt. Seine Frau bleibt zunächst noch in Rotenburg. Im Frühjahr soll gemeinsam entschieden werden, wie die Zukunft aussieht.
Abseits des Hotelbetriebs sucht Lennartz bewusst Ausgleich – bei Strandspaziergängen, in Gemeinschaft, in der Musik. Gerade das Musizieren in Ensembles sei für ihn erdend: Dort sei man nur eine Stimme im Gesamtklang. Ein Bild, das erstaunlich gut zu seinem Verständnis von Führung passt.
Sein Wunsch für die kommenden Jahre
Wenn man ihn fragt, was man in ein oder zwei Jahren über ihn sagen soll, antwortet er reflektiert. Wichtig sei ihm, dass es ein „toller gemeinsamer Weg“ gewesen sei. Viele Kapitel, viele Geschichten – und das Gefühl, etwas miteinander entwickelt zu haben.
Für seinen Start wünscht er sich Offenheit und gute Gespräche. Vom Team, von der Insel – und von den Gästen. Und an die Gäste richtet er einen simplen Wunsch: „Dass sie hier entspannen – und auch mal fünf gerade sein lassen.“
Ein neuer Direktor ist da. Nicht mit lauten Ankündigungen. Sondern mit einem klaren Plan: erst verstehen, dann gestalten.
