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Waldtag mit Vorschulkindern

Veröffentlicht von am 12. Juni 2026

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„Du da im Radio!“ – Wie Vorschulkinder den Wrixumer Forst eroberten und sogar den Reporter feuerten.

Normalerweise sind es Vögel, die im Wrixumer Forst den Ton angeben. Am Dienstag, dem 2. Juni, klang das allerdings ganz anders. Zwischen den Bäumen surrten Akkuschrauber, Kinder lachten, Erzieher halfen beim Festhalten der Holzbretter – und irgendwann wurde sogar der Inselradio-Reporter kurzerhand gefeuert. „Du bist entlassen“, erklärte Vorschulkind Hannes mit ernster Miene. Warum genau, blieb zwar offen. Schlechte Arbeit wollte er dem Reporter allerdings nicht bescheinigen. Die Stimmung war also bestens bei der besonderen Naturaktion des Midlumer Kindergartens „Arche Noah“ im Wrixumer Forst. Gemeinsam mit Forstwirt Ole Sieck sowie Mitgliedern des Flora Fauna Wild Föhr e.V. bauten die Kinder an diesem Vormittag ihre eigenen Nistkästen und lernten dabei ganz nebenbei eine Menge über den Wald und seine tierischen Bewohner.

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Akkuschrauber statt Vogelgezwitscher

An zwei langen Tischen herrschte reges Treiben. Die Vorschulkinder schraubten, hämmerten und probierten aus, wie aus sechs einzelnen Holzteilen nach und nach ein fertiger Nistkasten entsteht. Unterstützung bekamen sie dabei von Heiko Litschke und Jörrit Petersen vom Flora Fauna Wild Föhr e.V., die gemeinsam mit Ole Sieck dafür sorgten, dass jedes Kind am Ende seinen eigenen Nistkasten in den Händen halten konnte.

Die Idee zu dem Aktionstag entstand, als der Midlumer Kindergarten einen Waldtag im Wrixumer Forst plante. Für Ole Sieck war schnell klar, dass daraus mehr werden sollte als nur ein Spaziergang durch den Wald. Gemeinsam mit dem Flora Fauna Wild Föhr e.V. wurden Nistkasten-Bausätze organisiert, sodass die Kinder nicht nur etwas über die Natur erfahren, sondern auch selbst aktiv werden konnten.

Die Begeisterung war den Kindern dabei deutlich anzumerken. Während einige schon routiniert Schrauben versenkten, wurde bei anderen noch überlegt, welches Brett wohin gehört. Mancher Nistkasten entstand dabei beinahe spiegelverkehrt. Das störte allerdings niemanden. Der Spaß stand an diesem Vormittag klar im Vordergrund.

Wer wohnt eigentlich im Wald?

Neben dem handwerklichen Teil ging es natürlich auch um Wissen über die Natur. Immer wieder stellte Ole Sieck Fragen an die Kinder. Und die hatten durchaus Antworten parat. Auf die Frage, welche Tiere im Wald leben, kamen die Antworten ohne langes Nachdenken. Rehe wurden besonders häufig genannt. Aber auch Füchse und Eulen gehörten für die Kinder ganz selbstverständlich zu den Bewohnern des Waldes.

Etwas schwieriger wurde es bei der Frage, wofür ein Nistkasten eigentlich gedacht ist. Die Antworten reichten von Vogelnestern bis hin zu einem sicheren Zuhause für Vögel. Ganz falsch lagen die Kinder damit natürlich nicht. Genau dafür sind die kleinen Holzhäuschen schließlich gedacht: Sie sollen Meisen und anderen Singvögeln einen geschützten Platz zum Brüten bieten.

Für Ole Sieck war genau das eines der wichtigsten Ziele des Tages. Die Kinder sollen die Natur nicht nur sehen, sondern verstehen lernen. Deshalb gehörte nach dem Nistkastenbau auch ein Rundgang durch den Wrixumer Forst zum Programm. Dabei erfuhren die Vorschulkinder, welche Tiere hier leben, welche Aufgaben ein Förster hat und warum ein Wald weit mehr ist als nur eine Ansammlung von Bäumen.

Natur erleben im Wald des Jahres

Der Ort für die Aktion war dabei bewusst gewählt. Der Wrixumer Forst wurde vom Landesverband Schleswig-Holstein der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald als Wald des Jahres 2025 ausgezeichnet. Für Ole Sieck eine besondere Gelegenheit, Kindern diesen einzigartigen Lebensraum näherzubringen. Dabei ging es auch um Themen wie Naturschutz und Waldbrandgefahr. Warum man keine Zigaretten in den Wald werfen sollte oder weshalb offenes Feuer gefährlich sein kann, wurde den Kindern ebenso erklärt wie die Unterschiede zwischen Laub- und Nadelbäumen. Spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger entstand so ein Vormittag voller kleiner Entdeckungen.

Für die Erzieher des Kindergartens sind solche Ausflüge besonders wertvoll. Die Kinder verlassen ihren gewohnten Alltag, erleben die Natur direkt vor der eigenen Haustür und sammeln Erfahrungen, die in keinem Buch vermittelt werden können.

Flora Fauna Wild Föhr engagiert sich für die Inselnatur

Die Nistkastenaktion war gleichzeitig ein Einblick in die Arbeit des Flora Fauna Wild Föhr e.V. Der Verein wurde 2011 gegründet und zählt mittlerweile rund 138 Mitglieder. Ziel ist es, Flächen auf Föhr zu erwerben und sie naturnah zu entwickeln, ohne die landwirtschaftliche Nutzung vollständig aufzugeben. Inzwischen betreut der Verein rund 44 Hektar Fläche auf der Insel. Aktuell beschäftigt sich der Verein unter anderem mit einer neu erworbenen Fläche in Midlum. Dort sollen gemeinsam mit der Naturschutzbehörde Maßnahmen umgesetzt werden, die insbesondere Amphibien zugutekommen. Gleichzeitig soll die Fläche weiterhin sinnvoll genutzt werden können.

Wer die Arbeit des Vereins unterstützen möchte, kann dies durch eine Mitgliedschaft, ehrenamtliche Hilfe oder auch durch Spenden tun. Für Ole Sieck steht jedoch fest, dass neben dem praktischen Naturschutz vor allem die Umweltbildung eine wichtige Rolle spielt. Deshalb sollen auch künftig weitere Aktionen mit Schulen und Kindergärten stattfinden.

Ein neuer Hit für das Inselradio Föhr

Als die letzten Schrauben eingedreht waren und die Kinder ihre fertigen Nistkästen stolz präsentierten, entstand schließlich sogar noch ein neuer Radiosong. Spontan stimmten die Kinder an: „Du da im Radio! Du da im Radio!“ Ob der Titel tatsächlich den Weg ins Inselradio-Programm findet, bleibt offen. Für gute Laune sorgte er jedenfalls. Genauso wie die vielen kleinen Momente dieses Vormittags.

Als die Akkuschrauber schließlich verstummten, kehrte langsam wieder Ruhe in den Wrixumer Forst ein. Das Vogelgezwitscher übernahm wieder die Regie. Die Kinder machten sich mit ihren selbstgebauten Nistkästen auf den Heimweg. Und vielleicht nahmen sie noch etwas Wichtigeres mit: die Erkenntnis, dass Natur direkt vor der eigenen Haustür beginnt und dass man schon mit kleinen Aktionen etwas für Tiere und Umwelt tun kann.

Fotos: Stefan Gaul 

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