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Müllerdiplom auf Föhr 

Veröffentlicht von am 24. Mai 2026

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Wie die Wrixumer Mühle wieder lebendig wird – und warum Kinder auf Föhr ab sofort ihr eigenes Müllerdiplom machen können.

Die Wrixumer Mühle gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen auf Föhr. Seit Generationen prägt sie das Ortsbild des kleinen Inseldorfes – und genau dieses historische Wahrzeichen soll jetzt wieder richtig lebendig werden. Nicht nur äußerlich, sondern auch technisch. Mit drehenden Flügeln, echter Mühlentechnik, frisch gemahlenem Mehl und einem neuen Konzept, das vor allem Kinder und Familien für die Geschichte der Mühle begeistern soll.

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Unsere Redaktion hat Ina und Harald Baumgart besucht. Die beiden engagieren sich mit unglaublich viel Herzblut im Wrixumer Mühlenverein und lassen sich aktuell sogar zu ehrenamtlichen Müllern ausbilden. Im Gespräch wurde schnell klar: Hier entsteht nicht einfach nur ein restauriertes Denkmal – hier wächst ein echter Erlebnisort für Föhr.

Beitrag Müllerdiplom auf Föhr (1)

Von der Nachbarschaft zur Leidenschaft für die Mühle

Eigentlich begann alles schon vor vielen Jahren. Bereits 2009 entdeckten Ina und Harald Baumgart Föhr für sich und kauften ein Haus in Wrixum – damals noch mit dem Plan, irgendwann im Ruhestand dauerhaft auf die Insel zu ziehen. Seit Anfang 2023 leben die beiden nun fest auf Föhr und fühlen sich, wie sie selbst sagen, „unglaublich wohl“.

Direkt neben ihrem Haus steht die Wrixumer Mühle. Und genau daraus entwickelte sich mit der Zeit eine immer größere Verbindung zu dem historischen Bauwerk. Besonders wichtig ist den beiden dabei sofort klarzustellen: Die Mühle gehört natürlich nicht ihnen allein. „Das ist die Mühle des Dorfes und des Mühlenvereins“, betont Ina Baumgart mehrfach im Gespräch. Genau dieses Gemeinschaftsgefühl mache das Projekt überhaupt erst möglich.

Beitrag Müllerdiplom auf Föhr (2)

Der entscheidende Moment kam schließlich bei einem Platzkonzert in Wrixum. Dort erzählte Bürgermeisterin Heidi Braun von den Plänen, die Mühle wieder richtig zum Leben zu erwecken – also nicht nur optisch zu erhalten, sondern technisch wieder arbeitsfähig zu machen. Für Harald Baumgart war sofort klar: Das ist etwas Besonderes.

Ausbildung zum ehrenamtlichen Müller

Damit die historische Windmühle später tatsächlich wieder betrieben werden kann, absolvieren Ina und Harald Baumgart aktuell eine umfangreiche Ausbildung. Dafür ging es bereits für mehrere Tage nach Niedersachsen zur Windmühle Paula am Steinhuder Meer. Dort lernten die beiden gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen die wichtigsten Grundlagen im Umgang mit historischen Windmühlen. Dazu gehörte das Aufrüsten der Mühle, das sichere Bremsen, die Sturmsicherung und natürlich auch die Bedienung der historischen Technik.

Und romantisch ist diese Arbeit nur von außen betrachtet. Tatsächlich steckt dahinter körperlich harte Handarbeit. Besonders beeindruckt zeigte sich Harald Baumgart von den riesigen Mahlsteinen, die mehrere hundert Kilogramm wiegen und regelmäßig bearbeitet werden müssen. „Da merkt man erst, welche Kräfte früher nötig waren, um überhaupt Mehl herzustellen“, erzählt er. 

Ende April ging es für beide bereits zum nächsten Ausbildungsblock zurück. Parallel absolvieren sie zusätzlich noch die klassische Ausbildung zum freiwilligen Müller, die sich über ein ganzes Jahr erstreckt.

Beitrag Müllerdiplom auf Föhr (3)

Die letzte vollständig erhaltene Mühle auf Föhr

Die Wrixumer Windmühle hat eine lange Geschichte. Bereits 1464 stand an diesem Standort eine Bockwindmühle. Die heutige Holländerwindmühle stammt aus dem Jahr 1851 und ist heute die einzige Mühle auf Föhr, die technisch wieder vollständig zum Mahlen aufgebaut werden soll. Und genau das ist das große Ziel des Projekts. Die Mühle soll künftig nicht nur still dastehen, sondern tatsächlich wieder Mehl produzieren. Rund zwei Tonnen pro Jahr sollen es langfristig werden.

Noch ist allerdings einiges zu tun. Zwar können sich die Flügel inzwischen bereits wieder drehen, doch im Inneren fehlt noch ein großer Teil der eigentlichen Mahltechnik. Viele Elemente müssen eingebaut, angepasst und miteinander verbunden werden. Trotzdem ist die Zuversicht groß, dass die Wrixumer Mühle schon 2027 wieder richtig arbeiten könnte.

Die Mühle soll kein stilles Museum werden

Für Ina und Harald Baumgart steht dabei eines ganz besonders im Mittelpunkt: Die Mühle soll kein Ort werden, den man einfach nur kurz fotografiert und wieder verlässt. „Sie soll kein Anguckding sein“, sagt Harald Baumgart ganz deutlich. Vielmehr gehe es darum, Geschichte erlebbar zu machen. Menschen sollen verstehen können, wie früher gearbeitet wurde, welche Kraft Wind erzeugt und wie aus Korn tatsächlich Mehl entsteht. Besonders Kinder sollen die Technik nicht nur erklärt bekommen, sondern sie selbst erleben und ausprobieren dürfen. Genau daraus entstand schließlich die Idee für das neue Müllerdiplom.

Beitrag Müllerdiplom auf Föhr (4)

Das Müllerdiplom für Kinder

Premiere feiern soll das neue Kindermüllerdiplom bereits am Deutschen Mühlentag in Wrixum. Die Idee dazu entstand während eines Aufenthalts auf Sylt und entwickelte sich anschließend immer weiter. Entscheidend war dabei die Erkenntnis: Kinder lernen am besten, wenn sie selbst aktiv werden dürfen. Deshalb sollen die jungen Besucher künftig an mehreren Stationen selbst ausprobieren können, wie Menschen früher Korn verarbeitet haben. Dabei geht es von einfachen Reibsteinen bis hin zu späteren Mühlentechniken. Die Kinder sollen erleben, wie anstrengend es früher war, überhaupt genug Mehl für Brot herzustellen.

Dafür wurden bereits verschiedene historische Mahlgeräte organisiert und sogar spezielle massive Holztische gebaut. Harald Baumgart hat diese teilweise selbst gefertigt, damit die schweren Geräte stabil genutzt werden können. Und natürlich gehört zu einem richtigen Müllerdiplom auch eine kleine Prüfung. Die Kinder müssen verschiedene Stationen absolvieren und anschließend Fragen beantworten. Wer erfolgreich mitmacht, erhält am Ende feierlich eine Urkunde und sogar einen eigenen Anstecker. „Das soll schon etwas Besonderes sein“, erzählt Ina Baumgart lachend.

Ein neuer Treffpunkt für Wrixum

Doch die Pläne rund um die Mühle gehen noch deutlich weiter. Die Wrixumer Mühle soll langfristig zu einem echten Treffpunkt für das Dorf werden. Bereits jetzt finden dort Konzerte, Aktionen und gemeinsame Veranstaltungen statt. In Zukunft sollen rund um die Mühle weitere Begegnungsräume entstehen – für Führungen, kleine Veranstaltungen oder gemeinschaftliche Aktionen. Gerade diese Verbindung aus Geschichte, Technik, Gemeinschaft und Erlebnis mache das Projekt so besonders. Und genau das spüre man in Wrixum bereits heute. „Die Mühle gehört zum Dorf“, sagen Ina und Harald Baumgart. Und genauso soll sie künftig auch wieder genutzt werden.

Deutscher Mühlentag am 25. Mai in Wrixum

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, bekommt dazu bereits am Pfingstmontag Gelegenheit. Dann findet rund um die Wrixumer Mühle wieder der große Deutsche Mühlentag statt. Von 11 bis 16 Uhr erwartet Besucher ein buntes Familien- und Marktfest mit Führungen durch die historische Mühle, Live-Musik, Marktständen, Puppentheater, Oldtimern, Auftritten der Trachtengruppe und vielen Mitmachaktionen für Kinder.

Besonderes Highlight wird in diesem Jahr erstmals das neue Müllerdiplom sein. Kinder können dabei selbst Korn mahlen, verschiedene historische Geräte ausprobieren und am Ende ihre eigene Urkunde erhalten. Und vielleicht hält dann schon bald das erste Kind auf Föhr stolz sein ganz persönliches Müllerdiplom in den Händen – direkt vor einem der schönsten Wahrzeichen der Insel.

Fotos: Stefan Gaul

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